APA: Frau Stelzl, ist das Fest zur Festspieleröffnung, das Sie programmieren, so etwas wie ein Festival im Festival?
Renate Stelzl: Das kann man so sagen, ja. Es findet ja sogar an mehr Spielorten statt als die Salzburger Festspiele selbst. Es bringt das Programm der Festspiele zu den Leuten, schlägt aber mit Kooperationen zu vielen Institutionen wichtige Brücken. Es ist wie ein Festival im Festival - auch für manche Dinge, die im normalen Festspielprogramm keinen Platz haben. Wir sind eine gute Plattform für Dinge, die etwas Besonderes bieten.
APA: Sie verantworten das Fest heuer bereits zum 20. Mal. Wie weit reicht seine Geschichte zurück?
Stelzl: Die Ursprünge gehen bis auf das Jahr 1952 zurück, als am Residenzplatz der Fackeltanz am Vorabend der Festspieleröffnung aufgeführt wurde. 1980 ist das durch die Salzburger Landesregierung erstmals zu einem Fest erweitert worden, das bereits von rund 20.000 Menschen besucht wurde. So richtig Form nahm es dann ab den 1990er-Jahren mit der Öffnung durch Gerard Mortier an, auch von der Freien Szene wurde es sehr forciert. 2002 übernahmen die Salzburger Festspiele dann selbst zur Gänze das Szepter als Veranstalter. Heute interessiert es nicht nur die Salzburgerinnen und Salzburger. Ich bekomme schon Monate vorher Mails von Menschen, die mir schreiben, sie müssten den Urlaub planen. Das zu wissen ist auch interessant für die neue Diskussion um den "Qualitätsgast".
APA: Es heißt immer wieder, es gibt genügend erschwingliche Festspielkarten. Warum braucht es dann dieses Fest zur Öffnung überhaupt?
Stelzl: Es stimmt, dass die Festspiele auch sehr günstige Karten anbieten - aber es ist in den Köpfen der Menschen nicht drinnen. Ich unterrichte seit 2009 am WIFI Event- und Kulturmanagement. Dort stelle ich immer die Frage: Wart ihr schon einmal bei den Salzburger Festspielen? Und oft bekomme ich die Antwort. Nein, das ist ja zu teuer. Auch dieses Vorurteil versuchen wir durch das Fest abzubauen und die Menschen neugierig zu machen.
APA: Das heißt, Sie stimmen sich eng mit der Intendanz ab?
Stelzl: Natürlich hat Priorität, was die Festspiele selbst bereitstellen können. Welche Proben kann man öffnen? Welche Künstler sind frei? Das ist immer schwierig, denn oft proben sie außerhalb oder brauchen auch einmal einen Ruhetag. Deswegen gibt es gerade bei den Hauptbühnen auch externe Künstler, die das Ganze aufwerten.
APA: Andere Festspiele haben aus ihrer Off-Schiene ein eigenes Festival entwickelt, das - wie etwa das Fringe Festival in Edinburgh - sogar größer und populärer geworden ist als die seriöse "Mutter". In diese Richtung wollte Salzburg nie gehen?
Stelzl: Die Festspiele sind seit Beginn eine eigene Marke, die für etwas steht. Ein Fringe Festival wäre etwas komplett anderes. Und ich glaube, es müssen nicht alles die Festspiele machen. Es gibt ohnedies so viele andere Kulturträger und Institutionen, die gerade die jungen Leute abholen. Alleine die Uni Mozarteum hat im Jahr über 1.000 Veranstaltungen, die größtenteils frei zu besuchen sind. Es gibt eine große Bandbreite - in einer harmonischen Partnerschaft.
APA: Das Fest zur Festspieleröffnung setzt aber durchaus auch eigene Akzente - so am Samstag mit einer Podiumsdiskussion über Salzburg und die zeitgenössische Kunst.
Stelzl: Das stimmt. Wir bringen heuer etwa mit den "imPerfect Dancers" aus Turin erstmals auch eine Tanzperformance. Dem Landeshauptfrau-Stellvertreter Stefan Schnöll (ÖVP) war es ein Anliegen, heuer mehr für die Bildende Kunst zu tun, nachdem die Skulptureninstallation "Secret Garden" von Jaume Plensa im Vorjahr am Residenzplatz ein so großer Erfolg war. Das wird heuer mit Stephan Balkenhol fortgesetzt. Das Verhältnis der Salzburgerinnen und Salzburger zur Kunst im öffentlichen Raum war ja nicht immer friktionsfrei, wenn wir uns etwa an den "Triumphbogen" von Gelatin im Jahr 2003 erinnern. Heute haben wir im Festspielbezirk zahlreiche Landmarks - und setzen auch angesichts der Erweiterung der Neuen Residenz, zu der Direktor Martin Hochleitner persönlich eine Baustellenführung macht, einen Schwerpunkt.
APA: Auch die Salzburger Festspiele haben große Umbauvorhaben. Werden Sie in den nächsten Jahren umständehalber zur Eröffnung Baustellenfeste machen müssen?
Stelzl: (lacht) Baustellenfeste sind veranstaltungsmäßig ausgesprochen schwierig, schon alleine, was die Sicherheitsvorschriften angeht. Aber wir bieten am Samstag gleich vier Führungen zum Festspielbezirk an - noch heißt er "2030" (schmunzelt). Wir haben das stark ausgeweitet und nehmen diesmal bei jeder Führung 100 Personen mit. Eine Führung macht der Kaufmännische Direktor Lukas Crepaz persönlich. Das Interesse ist riesig. Und es ist auch ganz anders, wenn man einmal selbst hinter der Bühne sieht, wie alles beisammen ist. Die Menschen kommen dann raus und wissen, dass man etwas tun und das für die nächsten Jahrzehnte auf ordentliche Füße stellen muss.
APA: Ist das Fest heuer so groß wie noch nie?
Stelzl: Größe ist nicht alles. Ich bin 1,59 Meter ... (lacht) Ich würde sagen, mit 10.280 Zählkarten für 78 Programmpunkte sind wir in etwa gleich groß wie im Vorjahr. Dazu gibt es aber viele Veranstaltungen, für die man keine Karten braucht. Wenn's Wetter schön ist, kommen wir sicher auf an die 25.000 Besucherinnen und Besucher.
APA: Heuer findet nach dem zweitägigen Fest am Samstag und Sonntag (18. und 19. Juli) am folgenden Freitag (24. Juli) das volkskulturelle Programm quasi ausgelagert statt. Warum?
Stelzl: Das haben wir zum zweiten Mal so geplant. Das war vor zwei Jahren schon einmal so und ist keiner bösen Absicht geschuldet, sondern den Umständen des "Jedermann". Wenn er die Generalprobe und tags darauf die Premiere hat, ist es aus logistischen und akustischen Gründen nicht möglich, gleich anschließend ein großes Programm zu machen. Und so rückt der Fackeltanz auch wieder in die Nähe der Eröffnung, die zwei Tage später, am 26. Juli, stattfindet.
APA: Gibt es ein breites Commitment des Direktoriums, oder läuft das Fest Gefahr, einmal eingespart zu werden?
Stelzl: Es gibt absolut ein breites Commitment, aber natürlich auch budgetäre Zwänge. Ich habe heuer 200.000 Euro Budget, mit Förderungen etwa vom Land Salzburg und den Festspiel-Freunden. Mit dem muss ich auskommen, und das hat bisher auch immer gehalten. Die festspielinternen Kosten für die Spielstätten oder den Publikumsdienst und die Security sind da aber nicht enthalten, und das volkskulturelle Programm wird von der Stadt beigesteuert. Wenn es nach mir geht, wird das sicher weitergehen. Für nächstes Jahr fällt mir schon viel ein - und es war auch total inspirierend, wie mich Karin Bergmann schon bald nach ihrem Antritt zu einem Gespräch gebeten hat, um eigene Ideen für das Fest einzubringen. Es ist großartig, wenn so ein Rückhalt da ist.
APA: Alle haben mir gesagt: Die Renate Stelzl hat so viel zu erzählen. Daher zum Abschluss: Gibt es ein besonderes Highlight aus Ihren 20 Jahren, bei dem Sie sich gedacht haben: Das ist es! Es hat sich gelohnt!
Stelzl: Da gibt es ganz viele solche Momente. Aber einer kommt mir gleich in den Sinn: Wir hatten nach einer Idee von Markus Hinterhäuser 2017 die Fanfare Ciocârlia auf dem Domplatz. Das war so eine lässige Stimmung. Die Tribüne hat gebebt. Es war eine ausgelassene Party. Da ist wirklich alles aufgegangen!
(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)
ZUR PERSON: Renate Stelzl verantwortet seit 2006 die Gesamtorganisation des Festes zur Eröffnung der Salzburger Festspiele. Nach einigen Jahren als Festspiel-Mitarbeiterin hat sie sich 2007 selbstständig gemacht und die Veranstaltungsagentur re*creation gegründet.
(S E R V I C E - Fest zur Festspieleröffnung am 18., 19. und 24. Juli, https://www.salzburgerfestspiele.at/fest-zur-festspieleroeffnung )