Der Kauf eines Gebäudes in der Hartberger Innenstadt sorgte für hitzige Debatten im Gemeinderat: In der jüngsten, öffentlichen Sitzung stimmten ÖVP und SPÖ dem Kaufvertrag für das Mock-Haus in der Fußgängerzone zu. Kosten: 420.000 Euro. Bezahlt wird aber nicht aus der Stadtkasse, sondern durch die Ökopark Errichtungs GmbH, einer Tochter der Stadtwerke Hartberg. Bürgerliste, FPÖ und Grüne waren geschlossen gegen den Ankauf.

Dabei war das Interesse für das „strategisch interessante“ Objekt letzten Herbst noch auf allen Seiten groß, erstreckt es sich doch von der Fußgängerzone bis zum Kirchhof und grenzt an das Rathaus. Bürgermeister Marcus Martschitsch schwebt etwa der Einzug des Tourismusbüros, des Elternberatungszentrums sowie einer Servicestelle der Stadtwerke vor. Auch ein neuer Fußweg in die Fuzo soll entstehen.

Blick aus dem Rathaus auf das angrenzende Mock-Haus (links)
Blick aus dem Rathaus auf das angrenzende Mock-Haus (links) © KLZ / Margot Jeitler

Planung erst nach dem Kauf

Noch in der Gemeinderatssitzung vom September 2025 zeigten sich die Mandatare bis auf Christoph Wallner zum Ankauf grundsätzlich bereit. Neun Monate später hat sich die Stimmung jedoch gedreht: Drei von fünf Fraktionen verweigerten dem Kaufvertrag ihre Zustimmung. Der Grund: „Uns wurde nie ein fertiges Projekt vorgelegt, geschweige denn, was es kosten soll", so der zweite Vizebürgermeister Michael Horvath (HBL) auf Nachfrage der Kleinen Zeitung. Christoph Wallner, Prüfungsausschuss-Obmann der Grünen, ergänzt: „Ich habe immer nach Zahlen gefragt, denn man muss ja irgendeine Vorstellung haben: Sanieren wir, renovieren wir? Und was kann das alles kosten?“ Dass derartig konkrete Zahlen und ausgefeilte Konzepte nie im Gemeinderat vorgelegt wurden, bestätigt auch FPÖ-Stadtrat Luca Geistler.

Martschitsch widersprach den Vorwürfen in der entscheidenden Sitzung damit, dass die konkrete Projektplanung mit rund 155.000 Euro zu Buche schlagen würde. Diese Summe wolle man erst investieren, wenn man das Objekt auch schon in Besitz habe und das Projekt sicher entwickeln könne.

Kauf und allfällige Projektabwicklung für das Mock-Haus erfolgt durch die Ökopark Errichtungs GmbH, einer Tochter der Stadtwerke Hartberg, die wiederum im Vollbesitz der Stadtgemeinde stehen
Kauf und allfällige Projektabwicklung für das Mock-Haus erfolgt durch die Ökopark Errichtungs GmbH, einer Tochter der Stadtwerke Hartberg, die wiederum im Vollbesitz der Stadtgemeinde stehen © Patrick Zink

„Mit Hoppala werden es fünf Millionen“

Ein Gutachten gab es allerdings schon, und zwar über den Kaufpreis von 420.000 Euro sowie eine erste, grobe Schätzung allfälliger Sanierungskosten. Dieses wurde aber nur im Aufsichtsrat der Stadtwerke behandelt, in dem auch einige Gemeinderäte sitzen. Allerdings: Aufgrund ihrer Verschwiegenheitspflicht gegenüber der Gmbh dürfen diese wiederum keine Zahlen im Gemeinderat kommunizieren.

FPÖ und Grüne gehen in ihren jeweiligen, individuellen Schätzungen von 2500 bis 4000 Euro an Kosten pro Quadratmeter aus. Je nachdem, ob saniert werden kann oder ein Neubau notwendig werde. „Unter drei Millionen kommen wir hier nicht weg", so Wallner. „Und wenn ein Hoppala passiert, werden es fünf Millionen.“

Ein Betrag, der der Opposition Kopfschmerzen bereitet, denn seitens der Gemeinde sei man auf die jährlichen Gewinnausschüttungen der Stadtwerke, also der Ökopark-Mutter, angewiesen. Rund eine Million Euro an Ausschüttungen wurde etwa in der Juni-Sitzung genehmigt. „Wenn ich weiß, dass ich von den Ausschüttungen der Stadtwerke abhängig bin, ist es nicht vernünftig, ihnen ein Projekt in Millionenhöhe umzuhängen", so Wallner abschließend.