Es ist warm, aber nicht so heiß wie in den letzten Wochen. Am Nachmittag vor ihrem Gemeindebau Gott und die Welt zu besprechen ist für einige Bewohnerinnen und Bewohner am Kindberger Angerweg so unumgänglich – wenngleich die Themen schon einmal unbeschwerter waren.
„In einer Gemeinde, wo die Sozialisten regieren, hätte ich mir nie gedacht, dass unsere Gemeindewohnungen einmal verkauft werden, wirklich niemals. Die SPÖ setzt sich ja eigentlich für die Menschen ein“, sagt eine Dame, die seit der Errichtung des Hauses Ende der 1960er eine Wohnung am Angerweg 4 mietet. Ein Leben in einer anderen Wohnung ist für sie nicht mehr vorstellbar. „Das kann ich nicht. Ich bin über 90, wo soll ich noch hin?“
„Sollen wir ein Pensionistenheim aufsperren?“
Die Blume aus dem Gemeindebau, die Wolfgang Ambros in einem seiner Lieder besingt, sei sie schließlich nicht mehr. „Die ist höchstens noch Deko hier draußen vor unserem Tisch“, lachen einige Damen. Inzwischen sehe man sich eher als Baum. „Und wissen‘s eh, alte Bäume versetzt man nicht mehr.“ Eine andere Bewohnerin präzisiert etwas zynisch: „Wenn der neue Eigentümer uns raushaut, müssen wir zusammen ein Pensionistenheim aufsperren.“
Ans Pensionistenheim denken die jüngeren Familien, von denen ebenso einige in den 23 betroffenen Wohnungen leben, freilich nicht, doch auch sie treiben Sorgen umher: „Wir hoffen, dass alles so bleibt. Bei den derzeitigen Kosten ist kaum eine andere Wohnung noch leistbar.“
Dass Bürgermeister Christian Sander versprochen hat, dass sich für die bestehenden Mieter nichts ändert und sie in ihren Wohnungen bleiben können, habe man jedenfalls einen Tag nach dem Gemeinderatsbeschluss auf einem Zettel, der im Postkasten lag, vernommen. Die Angst, ob das wirklich alles so hält, bleibt allerdings: „Was wenn der neue Eigentümer sagt, er saniert die Wohnungen nur, wenn er auch die Mieten erhöht? Der will ja ein gutes Geschäft machen“, haut ein Herr auf den Tisch.
„Wir haben es trotzdem gut hier“
Saniert oder repariert habe die Gemeinde in den letzten Jahren nicht mehr wirklich etwas im Europahaus, erzählt ein Bewohner, während er durch das Stiegenhaus mit Gelbstich und Heimatbildern führt. „Das Gebäude wurde auch noch nur mehr halb gestrichen oder der herausbröselnde Kitt bei den Fenstern ignoriert“, sagt er. Viele Reparaturen in den Wohnungen wurden, sofern es ging, selbst von den Bewohnern erledigt. „Wir wissen, dass es ja bei der Gemeinde mit dem Geld sehr eng ist. Sie haben daraus auch kein Geheimnis gemacht.“
Geheimnisse machen die Bewohnerinnen und Bewohner auch nicht über einige andere Dinge, die sie aufgeregt haben. Es gibt die Rampe in die Waschküche, die dem Gegenteil von Barrierefreiheit entspricht, ein Platzproblem vor dem Postkasten, weil die Kinderwägen dort stehen oder gewisse Meinungsunterschiede mit neu zugezogenen Familien über deren „Parkvergehen“. Allerdings: „Wir haben es trotzdem gut hier und man redet sich die Dinge eben aus.“ Das erwartet man sich übrigens auch von der Gemeinde. „Zumindest sollten sie einmal mit uns persönlich reden.“