Damit alle Funktionen des Körpers reibungslos ablaufen können, müssen stabile Verhältnisse herrschen: Körpertemperatur, Elektrolythaushalt, Blutdruck und vieles mehr müssen ausbalanciert werden. Dieser Prozess nennt sich Homöostase und ist eine der wichtigsten Funktionen vieler Systeme im menschlichen Körper. In einer Hitzewelle ist die Thermoregulation, also die Regelung der Körpertemperatur, im Fokus.

Wenn man umgangssprachlich von der Körpertemperatur spricht, meint man konkret die Temperatur im Körperkern, also dem Bereich, in dem sich Organe wie Herz, Leber oder Gehirn befinden. Der Körper ist bestrebt, eine konstante Temperatur von rund 37 Grad zu halten. Für die Kontrolle dieser Werte ist vor allem der Hypothalamus im Gehirn zuständig, der auf Informationen von Körperregionen reagiert und je nach Temperatur Maßnahmen setzt, um den Körper abzukühlen beziehungsweise vor Kälte zu schützen.

Markus Wallner, Kardiologe an der MedUni Graz
Markus Wallner, Kardiologe an der MedUni Graz © Klz / Nicolas Galani

Um Temperatur zu senken, weiten sich die Gefäße

Bei hohen Temperaturen wird eine Reihe von Maßnahmen angestoßen, um die erhöhte Körpertemperatur loszuwerden. „Im ersten Schritt erweitern sich die Gefäße, um mehr Hitze aus dem Körperinneren an die Oberfläche transportieren und über die Haut abgeben zu können“, erklärt Markus Wallner, Kardiologe an der MedUni Graz. Unterstützend beginnt der Körper zu schwitzen. Über Schweißdrüsen sondern wir Flüssigkeit ab, die beim Verdunsten für Abkühlung sorgt. Bei besonders hohen Temperaturen oder hoher Luftfeuchtigkeit stößt allerdings auch das Schwitzen an seine Grenzen.

Durch das vermehrte Schwitzen verliert der Körper Flüssigkeit und wichtige Elektrolyte (etwa Natrium und Kalium), was zu einer Vielzahl von Problemen führen kann: von Müdigkeit und Konzentrationsproblemen über Schwindel und Kopfschmerzen bis hin zu Benommenheit oder Bewusstlosigkeit. Regelmäßiges Trinken ist daher essenziell.

Hitze fordert das Herz besonders

„Hitze bedeutet für das Herz-Kreislauf-System harte Arbeit“, betont Wallner. Wenn sich die Blutgefäße in der Haut weiten, um Wärme abzugeben, sinkt der Blutdruck. Damit Kreislauf und Organe dennoch ausreichend versorgt werden, muss das Herz schneller und kräftiger schlagen. Diese Mehrleistung bedingt einen erhöhten Sauerstoffverbrauch des Herzens. Gleichzeitig verliert der Körper über den Schweiß Flüssigkeit, wodurch das Blutvolumen sinkt und das Blut zähflüssiger wird. „Das erhöht die Gefahr von Blutgerinnseln und damit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall“, erklärt der Experte.

Der Verlust von Elektrolyten wie Kalium und Magnesium kann außerdem Herzrhythmusstörungen begünstigen. Für Menschen mit einer bestehenden Herzschwäche, koronarer Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen ist dies eine zusätzliche Belastung. „Auswertungen von Hitzewellen zeigen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen einen großen Teil der zusätzlichen Todesfälle ausmachen“, betont Wallner. Ein wichtiger, oft übersehener Punkt sind Medikamente wie Diuretika und bestimmte Blutdruckmittel, die den Flüssigkeits- und Wärmehaushalt des Körpers beeinflussen können und gegebenenfalls in den heißen Sommermonaten angepasst werden müssen.

Schutz vor Hitze kann Leben retten

Der richtige Umgang mit der Hitze kann Leben retten. Vor allem ältere oder kranke Menschen, Säuglinge und Kleinkinder sollten während einer Hitzewelle besonders geschützt werden: Das bedeutet, die pralle Sonne meiden und ausreichend trinken.

Beim Trinken gilt vor allem: regelmäßig und über den Tag verteilt, am besten Wasser oder verdünnte Fruchtsäfte. Ob das Getränk eiskalt oder lauwarm ist, spielt für die Wärmebilanz eine kleinere Rolle als oft angenommen. Da eiskalte Getränke in großen Mengen die Schweißproduktion etwas dämpfen können, sind angenehm kühle bis zimmerwarme Getränke eine gute Wahl. Alkohol und stark koffeinhaltige Getränke sollte man meiden, da sie dem Körper zusätzlich Flüssigkeit entziehen. „Wer wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung auf die Trinkmenge achten muss, sollte sich an die ärztlichen Vorgaben halten“, betont Wallner.

Vorsicht beim Sprung ins Wasser

Besondere Vorsicht ist auch beim Sprung ins kühle Nass angebracht. Wer stark erhitzt ist, sollte nicht abrupt ins kalte Wasser springen, sondern den Körper langsam abkühlen, da der plötzliche Kältereiz in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Ähnliches gilt fürs Duschen: Eine lauwarme bis kühle Dusche ist eine der einfachsten und wirksamsten Methoden, um sich abzukühlen. Von einer eiskalten Dusche ist dagegen abzuraten: Bei sehr kaltem Wasser ziehen sich die Blutgefäße der Haut kurzzeitig zusammen, wodurch der Körper vorübergehend weniger Wärme nach außen abgeben kann. Feuchte, kühle Tücher im Nacken oder an den Unterarmen sind einfache und wirkungsvolle Alternativen.