Das „Allfällige“ bei der Lienzer Gemeinderatssitzung wäre ohne Josef Blasisker (ÖVP) nur halb so unterhaltsam. Diesmal sorgte sich der 76-Jährige Landwirt, Ex-BH-Beamte und Ex-FPÖ-Nationalrat um die enge Auffahrt zum Schloss Bruck. Das Polit-Urgestein äußerte Sicherheitsbedenken und regte eine Verbreiterung der Straße an. Letzteres sorgte für Verwunderung quer durch die Fraktionen. Gerlinde Kieberl von den Grünen und Manuel Kleinlercher (FPÖ) bildeten gar einen angesichts der Farbenlehre seltenen Schulterschluss. Sie plädierten für ein Fahrverbot für alle Nicht-Anrainer, eine Renaturierung des Parkplatzes am Schloss und einen Shuttle-Dienst für Menschen, die nicht oder nicht so gut zu Fuß sind.

Das rief Franz Theurl, Listenführer vom „Team Lienz“ und Obmann des Tourismusverbands (TVB), auf den Plan. Eher spontan – Theurl ging von einer anderen Fläche in der Diskussion aus –, erklärte der Touristiker, dass die Lienzer Bergbahnen AG ja bereits den Zielbereich an der Hochstein-Talstation sowie angrenzende Flächen hoch zum Schloss erworben hat. Die Investition soll nicht umsonst sein. „Von Klatschmohnwiesen können wir nicht leben“, stellte Theurl einmal mehr seinen wirtschaftlichen Auftrag heraus. Straßen und Parkplätze hat er jedoch anders als bei einer Planung vor rund drei Jahren nicht im Sinn, sondern die Errichtung eines Caravan-Parks. „Ohne Versiegelung“, wie er betonte. Die Proteste vieler Naturschützer gegen den TVB in der Causa Schlossmoarwiesen sind noch nicht ganz verhallt.

Franz Theurl ist seit 2008 Obmann des TVB Osttirol
Franz Theurl ist seit 2008 Obmann des TVB Osttirol © Andre Schmidt

Die Pläne skizzierte der TVB-Obmann erstmals jüngst im Sommergespräch mit der Kleinen Zeitung, warf in diesem Zuge sogar eine Revitalisierung des Winterbetriebs am Hochstein in den Raum. Vor allem, wenn noch ein Hotel dazu käme. Auf Nachfrage präzisiert Theurl nun. Das Camping-Areal ist im oberen Bereich der Parkplätze an der Talstation geplant. In etwa da, wo jetzt der Benjamin-Karl-Trail die Mountainbiker im Bikepark Lienz final und abseits der von Blasisker monierten Engstelle ins Tal auslässt (Theurl: „Da habe ich fünf Jahre für gekämpft.“). Granulat statt Beton soll bei den Fahrbahnen zum Einsatz kommen.

Betreiben will der TVB den Platz selbst. Rund 30 Stellplätze peilt man an. Dazu wird es die nötige Infrastruktur mit Strom, WC-Anlagen und Duschen geben. „Da brauchen wir einen kleinen Funktionsbau. Aber nicht auf der Wiese, sondern an die Gondelstation anschließend.“ Eine Kantine oder Ähnliches ist nicht geplant, da es genug umliegende Gastro wie den Gribelehof oder die Pizzeria Primi da Renzo gibt.

Wo vor drei Jahren Parkflächen und eine kleine Straße geplant waren (Bild zeigt eine Visualisierung), soll der Caravan-Park entstehen
Wo vor drei Jahren Parkflächen und eine kleine Straße geplant waren (Bild zeigt eine Visualisierung), soll der Caravan-Park entstehen © TVB (Visualisierung)

Bikepark Lienz hat sich entwickelt

Als Zielgruppe nimmt der TVB natürlich die Mountainbiker ins Visier, die oft mit Vans von Bikepark zu Bikepark ziehen und dafür einen legalen Stellplatz benötigen. Der Bikepark Lienz hat sich dabei dank der langen Öffnungszeiten von Mai bis November, der top gepflegten Strecken, der Mitgliedschaft im Gravity-Card-Verbund und der familiären Atmosphäre vom Geheimtipp zum Wirtschaftsfaktor gemausert. Selbstverständlich steht der Caravan-Park anderen Gästen ebenso offen. Theurl: „Der Hochstein liegt an der Durchfahrtsstraße, weshalb er gut für eine Erstübernachtung geeignet ist.“ Die Einnahmen sollen etwa für die Weiterentwicklung am Zettersfeld und Hochstein genutzt werden. Aktuell befindet man sich in der Planungsphase. Wenn es die Mittel zulassen, will man 2027 mit der Errichtung beginnen.

Und Blasiskers Anliegen? Das war spätestens nach einem Kommentar von Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ) ad acta: „Sepp, du baust gerne Straßen und fährst gerne Auto. Aber da verbreitern wir sicher nicht.“ Einig waren sich die Gemeinderäte jedoch darin, dass das Thema Barrierefreiheit rund um Schloss Bruck noch für Diskussionen sorgen wird. Der strenge Denkmalschutz stünde oft buchstäblich im Wege. Eine Neugestaltung des teils maroden Parkplatzes am Schloss inklusive Wendefläche für Busse scheiterte zuletzt am Budget der Stadt, wie Christian Steininger (ÖVP) erklärte. Solche Widerstände sieht Touristiker Theurl bei seinem Projekt nicht: „Da lassen wir uns von niemandem aufhalten.“