Es wummert und pocht, es leuchtet und blendet. Wie immer. Wie früher. „Wir feiern die ganze Nacht“ dröhnt die Musik aus den Boxen, während die Scheinwerfer ihre Lichtkegel durch die Menge gleiten lassen. Zwischendurch zuckt ein stroboskopisches Blitzlichtgewitter in der Disco „Excalibur“. Künstlicher Nebel steigt über der Tanzfläche auf und mit ihm kommen die Erinnerungen hoch.

Sentimentalität ist an diesem Abend erlaubt, an dem der Alltag so fern und das Ende so nah ist. Hunderte Gäste sind nach Greinbach bei Hartberg gekommen, um Abschied von der Landdisco zu nehmen. Es ist ein Ende mit Ansage: „Excalibur“-Geschäftsführer Markus Gruber hatte Anfang Juli das Aus der Disco verkündet.

„Wir haben hier legendäre und unvergessliche Nächte gefeiert“, erzählen Carmen und Patricia aus St. Johann in der Haide im Open-Air-Bereich mit Blick auf den Pool, in dem schon vereinzelt Jägermeister-Fläschchen baden gegangen sind. Jedes Wochenende haben sie hier verbracht, erinnern sich die 36-Jährige und die 40-Jährige an ihre Jugend.

Weit über Hartberg hinaus

28 Jahre lang bot das „Exl“ Feiernden am Freitag und Samstag eine verlässliche Heimat. Vor allem in den kälteren Monaten, wenn es keine Zeltfeste und Beachpartys zu besuchen gab, war das „Excalibur“ lange Zeit die Adresse zum Fortgehen. Weit über Hartberg hinaus. Bei Minusgraden wurde ohne Jacke vor dem Eingang bis zum Einlass gefroren, denn die paar Euro für die Garderobe wollte man sich sparen.

Geschäftsführer Markus Gruber hat die Disco Anfang 2026 von den langjährigen Vorgängern übernommen
Geschäftsführer Markus Gruber hat die Disco Anfang 2026 von den langjährigen Vorgängern übernommen © KLZ / Daniela Buchegger

Diese Zeiten scheinen vorbei. Laut Gruber, der die Disco Anfang 2026 übernommen hat, sei in den vergangenen Wochen nicht viel los gewesen – zu wenig, um weiterzumachen – und ein wirtschaftlicher Betrieb sei derzeit nicht möglich. Die Schuld fand er bei den Nachwirkungen von Corona und jungen Gästen, die lieber aufs Handy schauen würden statt fortzugehen (wir berichteten). „Wenn wenigstens einmal im Monat so viele Leute gewesen wären wie heute“, sagt der 29-Jährige am letzten Öffnungstag im Vorbeigehen. Er hat Stress, die Technik mache Probleme.

Sonnenbrille in der Nacht

Ungerührt davon glitzert die Discokugel über der Tanzfläche, die sich immer mehr füllt. „Narcotic“ lässt alle hüpfen. Wie immer. Wie früher. Zugegeben, der Blick auf die Diskothek und ihre Vergangenheit ist ein verklärter. Wie durch eine dunkle Sonnenbrille, die an diesem Abend auch so mancher im Lokal aufgesetzt hat. Wer cool sein will, schützt sich auch in der Nacht vor dem Tag.

Komasaufen und Diskussionen über die Preise haben auch vor dem „Exl“ nicht Halt gemacht. Und nicht nur Herzen gingen hier zu Bruch, sondern auch so mancher Knochen bei Raufereien, wenn Barcadi-Cola und Tränen in gleichem Maße flossen. Die Zeit und die Menschen haben ihre Spuren hinterlassen. Von geflickten Rissen in den Bodenplatten über Sprünge in den Wandspiegeln bis hin zur abgetretenen Beschichtung an den Barhockern. Nicht alles glänzt, was glitzert.

„Zum ersten und letzten Mal“

Und doch hat das „Excalibur“ noch immer Strahlkraft wie ein riesiger Scheinwerfer. Vor allem an diesem Abend, an dem sich vor dem Eingang rund um Mitternacht eine Schlange bildet. „Wir sind zum ersten Mal hier – und leider zum letzten Mal. Es gefällt uns“, erzählt eine Gruppe von 16-jährigen Mädchen aus Friedberg am Eingang der Stimmungsburg, dem „Stadl“.

Für Herbert (33), Diandra (25), Inka (17) und Elias (17) aus Birkfeld wurde die letzte Nacht im „Exl“ zum Familienausflug
Für Herbert (33), Diandra (25), Inka (17) und Elias (17) aus Birkfeld wurde die letzte Nacht im „Exl“ zum Familienausflug © KLZ / Daniela Buchegger

Noch ist es hier ruhig, die Tanzfläche leer. Früher ging es zwischen Prinzenbar und Prinzessinnenbar rund: Zum Lied „Motorboot“ wurde im Sitzen auf dem immerzu klebrigen Boden gerudert, zu „The Time of my Life“ geschmust, zu „Summer of 69“ gerockt. Königin der Burg war diejenige, die den Discofox-Herrenschritt beherrschte und Männer beim Tanzen überflüssig machte. Emanzipation im Stil der 2000er-Jahre.

Familienausflug trifft Zeitreise

Jugendliche Gesellschaft bei der Zeitreise in die eigene Jugend hat Herbert aus Birkfeld. „Ich war früher oft hier“, sagt der 33-Jährige, der seiner 17-jährigen Nichte Inka und ihrem Freund Elias das „Exl“ zeigen wollte, bevor es zusperrt. Familienausflug zur letzten Nacht im „Excalibur“. Es sei schade um das Lokal, bekunden viele an diesem Abend und halten zum Abschied ihre Handys in die Menge. Ein letztes Video, ein letztes Foto, bis das Wummern aufhört und das Licht zur Sperrstunde angeht.