In fünf Jahren soll das gesamte Streckennetz der Graz-Köflacher-Bahn (GKB) völlig elektrisch funktionieren. So zumindest der Plan von Geschäftsführer Gerald Klug. „Geht es nach unserem Zeitplan, sind wir ab Dezember 2031 in der gesamten Weststeiermark nur noch elektrifiziert unterwegs.“ Teil des Ausbauplans: neue Abstell- und Werkstättengebäude am Gelände der GKB in der Grazer Köflacher Gasse – und eine neue E-Werkstätte. 64,4 Millionen Euro investiert die GKB in den Standort in Graz. Bei einem Festakt am Dienstag wurde feierlich der symbolische Grundstein für das Großprojekt gelegt, das mit finanzieller Unterstützung des Bundes errichtet wird.

Bis 2029 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, mit dem Bau der Abstellhalle wurde bereits begonnen. „Die ersten Fundamente sind schon gelegt“, so Klug. Der Um- und Ausbau der Wartungshalle für Dieseltriebwagen soll in der zweiten Ausbaustufe 2027 beginnen. „Die E-Werkstätte wird das neue Herzstück am Gelände.“ Sowohl die Werkstätte als auch die Abstellhalle werden zweigleisig errichtet und ans ÖBB-Netz angeschlossen.

Peter Hanke und Gerald Klug
Peter Hanke und Gerald Klug © HARRY SCHIFFER PHOTODESIGN

28 neue Triebwagen bis 2031

Ein Teil der Elektrifizierung der GKB ist bereits abgeschlossen, auf der Strecke der S6 zwischen Graz und Wies-Eibiswald sind seit August 2025 elektrische Züge unterwegs. Insgesamt acht E-Loks hat das Unternehmen im Moment angemietet, eine Zwischenlösung, wie Klug erklärt. Mit Abschluss der Elektrifizierung sollen auf den Weststrecken S6, S61 und S7 dann 28 neue Triebwagen unterwegs sein. „Die ersten 14 Wagen sollen Anfang 2029 geliefert werden, die zweite Tranche folgt Anfang 2031“, sagt Klug. Ob der Zeitplan realistisch eingehalten werden kann? „Wir haben dahingehend sehr gute Partner“, ist der Geschäftsführer optimistisch.

Verspätungen, Ausfälle, fehlender Ersatzverkehr – nach dem Beginn des elektrischen Fahrbetriebs auf der S6 kämpften die GKB mit Startschwierigkeiten. Klug weiß um den Frust der Fahrgäste. „Der Ärger ist absolut verständlich und wir bedauern das sehr. Aus diesem Grund haben wir im Jänner 2026 eine Task-Force gegründet, um zukünftig den größten Teil der Anfangsschwierigkeiten zu vermeiden und Problemen entgegenzuwirken.“ Grundsätzlich habe man die Leistung seit der Elektrifizierung der S6 laut Klug aber um 40 Prozent erhöhen können.

Bis 2031 sollen alle Züge der Westbahn elektrisch fahren
Bis 2031 sollen alle Züge der Westbahn elektrisch fahren © Öbb

Elektrifizierung soll Fahrgastzahlen verdoppeln

Genaue Zahlen, inwiefern sich die höhere Leistung seitdem auf die Fahrgastzahlen auswirkt, kann Klug aus dem Stegreif nicht liefern. „Das ist eine langfristigere Entwicklung. Wenn die Leute sehen, dass das Pendeln mit der Bahn funktioniert, spricht sich das herum – unsere Hoffnung ist, dadurch mehr Menschen auf die Schiene zu bekommen.“ Bis zur Fertigstellung der Elektrifizierungsarbeiten rechnet Klug mit einer Verdoppelung der Fahrgastzahlen und verspricht gleichzeitig einen Halbstundentakt. „Dadurch können wir den ganzen weststeirischen Raum klimafreundlich mit der Landeshauptstadt verbinden.“

Im August 2025 fuhr der erste elektrische Zug auf der Strecke der S6
Im August 2025 fuhr der erste elektrische Zug auf der Strecke der S6 © Privat

Auf einer Strecke von 1,2 Kilometern wird die Hauptstrecke bis Graz-Wetzelsdorf zweigleisig ausgebaut – nicht ohne Proteste zahlreicher Anrainer. Pläne für den zweigleisigen Ausbau weiterer Streckenabschnitte gebe es, so Klug, weiter in die Karten schauen lässt sich der Geschäftsführer allerdings nicht. „Ich will der ÖBB-Infrastruktur AG keine Steilvorlage bieten“, kommentiert er schmunzelnd.

Öffentlicher Verkehr als Kostenfrage

Den symbolischen Grundstein für das 64-Millionen-Euro-Projekt in Graz legte Klug gemeinsam mit Verkehrslandesrätin Claudia Holzer (FPÖ) und Mobilitätsminister Peter Hanke (SPÖ). „Ohne die Unterstützung von Land und Bund wäre der Ausbau nicht möglich“, betonte Klug während des Festakts. Hanke sieht in dem nächsten Schritt der Elektrifizierung einen Meilenstein. „Damit wird an Innovationen wie die Koralmbahn und den Bau des Semmering-Basistunnels angeknüpft, gleichzeitig wird der ländliche Raum gestärkt und eine Chance für Menschen abseits des Pkw geschaffen.“ Dass die Nutzung des öffentlichen Verkehrs auch eine Kostenfrage ist, will Hanke nicht bestätigen. „Mit dem Klimaticket haben wir ein Angebot, das im europäischen Vergleich sehr leistbar ist.“