„Gute Fahrer haben die Fliegenreste auf der Seitenscheibe.“ Rallyelegende Walter Röhrl liebt die kompromisslose Kurvenfahrweise und exerziert sie noch immer in Perfektion. Auch Simon Wagner mag es, seinen Boliden am Limit zu bewegen, und ganz besonders dann, wenn der Untergrund fein rutschig ist. So wie in Weiz, wo der glatte graue Asphalt auf der Mehrzahl der Sonderprüfungen wieder zur Prüfung wird, wenn die Rallye am Freitag (ab 15.55 Uhr) und Samstag (ab 8 Uhr) gefahren wird. „Und wenn wirklich Regen kommt, wird es noch interessanter“, sagt der Mühlviertler mit einem spitzbübischen Lächeln. „Weiz ist eine sehr schöne Rallye, und ich bin gerne dort. Immerhin habe ich bis auf ein Mal dort auch immer gewonnen.“ Dennoch versucht er, das Querstellen tunlichst zu vermeiden und den Boliden wie auf Schienen zu pilotieren. Durch die im Vergleich zu früher leistungsschwächeren Autos sei der Drift mittlerweile nicht mehr die richtige Wahl, sagt er.

Für den Hyundai-Piloten ist es der erste Einsatz auf heimischem Boden seit April, denn er ließ das Murtal ob der klaren Führung in der Meisterschaft aus, um auch in der tschechischen Meisterschaft vorne in der Gesamtwertung mitmischen zu können. Erst am vergangenen Wochenende beendete er die Rallye Bohemia auf dem vierten Rang, was ihn trotz guter Sonderprüfungen nicht verzücken ließ. Den Spagat zwischen den Staatsmeisterschaften schafft er perfekt, auch wenn es einen deutlichen Mehraufwand und viel Zeit in der Vorbereitung verlangt. „Das Niveau in Tschechien ist wesentlich höher, und die Grip-Unterschiede sind dort wesentlich größer. Auf so mancher Straße würde in Österreich nicht gefahren werden.“ Dass Weiz mit der komplett neuen Sonderprüfung „Mortantsch – Zattach“ aufwartet, freut ihn besonders, und mit dem Sieg in Weiz hätte er den sechsten Staatsmeistertitel in der Tasche.

Peugeot 306 GTI von François Delecour
Peugeot 306 GTI von François Delecour © Harald Illmer

Doch nicht nur der mögliche Titel sorgt für Vorfreude, und ein bisschen nostalgisch wird Wagner im Fahrerlager bestimmt auch werden, wenn er am legendären Peugeot 306 GTI von François Delecour vorbeikommt. „Genau wegen dieses Autos wollte ich Rallyepilot werden. Mit fünf, sechs Jahren habe ich Sepp Haider bei der Semperit Rallye damit gesehen.“ Ein paar Mal hat er im Traumauto seiner Kindheit schon gesessen, wenngleich eine Fahrt am Limit ihn darin nicht sonderlich reizen würde. „Sehr sicher fühlt man sich darin nicht“, sagt er mit einem Lachen, „wobei die Geschwindigkeiten natürlich andere sind als mit modernen Autos.“ Delecour ist wie auch Jari-Matti Latvala im Zuge der EHRC (European Historic Rally Championship) in der Oststeiermark am Start. Der Finne, der in der Rallye-WM dreimal Vizeweltmeister geworden ist, ist EM-Titelverteidiger und wird einen Toyota Celica ST185 an den Start bringen.

Jari-Matti Latvala  im Toyota Celica ST185 
Jari-Matti Latvala  im Toyota Celica ST185  © Harald Illmer

So legendär die Boliden auch sind, Wagner drückt lieber in seinem Hyundai i20 N Rally2 Step2 auf das Gas und auch auf die Knöpfe. Denn die Boliden sind voller modernster Technik. „Es gibt hunderte verschiedene Einstellungsmöglichkeiten. Mittlerweile gehört zum Fahren auch viel Theorie und Arbeit vor dem Computer“, sagt der Oberösterreicher. So können auch zwischen den Sonderprüfungen die Einstellungen am Setup angepasst werden. Und das wird in Weiz auch nötig sein, egal, was Petrus vorhat.