„Ich laufe Ihnen jetzt schon zwei Jahre hinterher. Sie spielen immer wieder Verstecken mit mir“, sagte Richter Mario Žužek zu jenem Mann, der Montagvormittag auf der Anklagebank im Bezirksgericht Spittal vor ihm Platz nahm. Der Mann konnte in Lienz ausfindig gemacht und mit der Polizei vorgeführt werden. Die Gelegenheit wurde genutzt, um gleich vier Vergehen abzuhandeln.

Doch dazu kam es vorerst nicht, da der sichtlich verwirrte Mann Žužek immer wieder ins Wort fiel, bis dieser die Geduld verlor: „Lassen Sie mich ausreden. Es ist meine Verhandlung und nicht Ihre.“ Unterdessen war der Mann bereits damit beschäftigt, seinen „Racheakt“ zu planen: „Ich werde mich hier in Österreich abmelden. Ich lasse mir nicht gefallen, was hier alles abläuft.“

Offene Hotelrechnung und Fehlalarm

Vorher musste er sich jedoch den Anklagepunkten stellen. Der erste Vorfall ereignete sich 2022 in Oberdrauburg. Dort habe der Mann zwei Nächte in einem Hotel übernachtet, jedoch nur für eine bezahlt und zusätzlich bei seiner Abreise den Zimmerschlüssel entwendet. „Das lasse ich so nicht auf mir sitzen. Ich werde gegen den Besitzer eine Verleumdungsklage einreichen“, stellte der Mann in Aussicht. Trotzdem erklärte er sich bereit, für den entstandenen Schaden von 173 Euro aufzukommen. „Ich will meinen Frieden. Ich habe in meinem Leben noch nie etwas verbrochen.“

Dem widersprach der nächste Anklagepunkt. 2024 soll der Mann in Innsbruck die Feuerwehr alarmiert haben, die jedoch keinen Brand in jener Wohnung vorfand, in der sich der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt aufhielt. Dieser war – trotz den gegenteiligen Aussagen der Einsatzkräfte – nach wie vor der Überzeugung, Rauch gesehen und eine „glühend heiße Herdplatte“ gespürt zu haben. Zudem hätte sich die Frau, mit der er sich die Wohnung teilte, das Leben nehmen wollen. „Ich helfe überhaupt niemandem mehr. Ich bin im Nachhinein immer der Dumme“, schlussfolgerte der Angeklagte, der seine Mitbewohnerin als „alt und aggressiv“ betitelte.

Diebstahl, Autokauf und gefährliche Drohung

Nach dem Zwischenfall soll er ihr drei Schlüsselbunde und ihren Reisepass entwendet haben. Ob er sich schuldig bekennen sollte, wusste er nicht. „Sie müssen sehr viel Pech in Ihrem Leben haben, wenn Ihnen all diese schlimmen Dinge passieren und Sie nie Schuld daran haben“, schlussfolgerte Žužek, als er zu dem vierten Anklagepunkt überging. Der Angeklagte wollte ein Auto kaufen. Nachdem er die Originalpapiere des Fahrzeuges vom Fahrzeughändler zur Anmeldung erhalten hatte, meldete er sich monatelang nicht mehr. Erst nach dem Einschreiten der Polizei gab er diese wieder heraus.

Im Laufe des Prozesses führte sein Telefon zu Problemen. Die Verhandlung musste zwischenzeitlich unterbrochen werden, weil bei Žužek aufgrund von Geräuschen des Handys der Verdacht entstand, der Mann habe die Verhandlung verbotenerweise aufgezeichnet. Das Gerät wurde anschließend vor dem Verhandlungssaal abgelegt. „Sie haben einige Vorstrafen. Für die unter Anklage gestellten Vergehen werde ich Sie schuldig sprechen müssen. Es geht nicht anders“, sagte Žužek, der auf Gegenwind stieß. „Ich bin durch und durch unschuldig“, stellte der Mann fest.

Nun ist das Landesgericht Innsbruck am Zug

Da er darauf bestand, dass die Frau, mit der er sich einst eine Wohnung teilte, als Zeugin geladen wird und außerdem in Innsbruck mittlerweile ein weiteres Strafverfahren wegen gefährlicher Drohung gegen ihn läuft, konnte das Verfahren von dem Bezirksgericht Spittal nicht abgeschlossen werden. Dieses wird an das Landesgericht Innsbruck übertragen – dort werden schließlich sämtliche Vorwürfe in einem abgehandelt. „Ich glaube Ihnen überhaupt nichts“, sagte Žužek zu dem Mann, auf den ein weiterer Gerichtstermin zukommen wird.