Alle Anwesenden waren gut gelaunt, der Alkohol floss: Es war weit nach Mitternacht, als am 18. April in einer Oberkärntner Tankstelle – an die ein Lokal angeschlossen ist – die Stimmung kippte. Das Ergebnis, eine „wechselseitige Körperverletzung“, landete vor dem Bezirksgericht Spittal. Wer wen in welchem Ausmaß verletzt haben soll, musste Richter Mario Žužek kürzlich klären. Die Frau sagte aus, sie habe nach der Arbeit mit Freunden etwas trinken wollen. Vor Ort traf sie auf einen „alten Bekannten“. Mit diesem hätte es bereits im Vorfeld immer mal wieder Streitereien gegeben, da er ein „typischer Alkoholiker“ sei. Im Laufe des Abends stießen immer mehr Personen zu den Feierwütigen. Die beiden Streitparteien waren schließlich gezwungen, sich einen Tisch zu teilen.
Bis zu diesem Zeitpunkt deckte sich die Geschichte der beiden Streithähne. Was danach passierte, war unklar. Der Mann habe ihr ins Gesicht gespuckt, sie am Arm gepackt und durch die ganze Tankstelle geschoben, sagte die Frau. Der Beschuldigte hingegen sagte aus, „verbal provoziert“ worden zu sein. Ein gezielter Schlag ins Gesicht solle dafür gesorgt haben, dass seine Lippe leicht aufgeplatzt war.
Wer ist der mysteriöse Zeuge?
Die anwesende „Party-Meute“ soll sich aus 20 bis 30 Personen zusammengesetzt haben. Die Streitenden erinnerten sich jedoch an fast niemanden mehr. Ein Mann, der die Auseinandersetzung mitverfolgt hatte, sei in der Region lediglich mit einer Abkürzung seines Vornamens bekannt und deshalb nur schwer aufzuspüren.
Langsam aber sicher begann auch Richter Mario Žužek an den beiden Varianten des Tathergangs zu zweifeln: „Bevor wir im ganzen Mölltal ermitteln müssen, wer letztendlich dabei war, biete ich den beiden unbescholtenen Angeklagten eine andere Lösung an. Gebt euch die Hand und die Sache hat sich erledigt.“ Der Tatausgleich stieß auf Zustimmung. Nach Zahlung der Kosten des Strafverfahrens ist die Sache für beide Angeklagten abgeschlossen.