„Hinfallen ist erlaubt. Aufstehen ist Pflicht!“ Zwei Sätze, so leicht gesagt und oftmals doch nur schwer in die Tat umgesetzt. Für Klaus Tolliner war das nicht nur ein Lebensmotto, sondern seine gelebte Realität. Und nun, sieben Jahre nach seinem Tod, ist es auch der Titel eines Buches, das seine Frau Barbara Tolliner über ihn und sein bewegtes Leben verfasst hat. Ein Buch, das als „biografische Mutmacher-Erzählung“ dienen soll, wie die 60-jährige Leobenerin ausführt. Im Fokus dabei steht die Frage „Wie geht das Leben, wenn alles anders kommt?“ Und wenn jemand gezeigt hat, wie das funktionieren kann, war es Klaus Tolliner.
Zu Weihnachten 1985, im Alter von 18 Jahren, hatte der gebürtige Kremser bei der nächtlichen Fotomotivsuche einen Stromunfall, bei dem 15.000 Volt durch seinen Körper jagten. Er überlebte mit schwersten Verletzungen, verlor aber seine beiden Unterschenkel und den linken Oberarm. Aufgeben war für ihn aber nie eine Option, wie seine spätere Frau Barbara ausführt: „Durch seinen Ehrgeiz, seine mentale Stärke, den Lebensmut, die Hingabe und Begeisterung hat er sich zurück ins Leben gekämpft“, – und sein Studium der Werkstoffwissenschaften an der Montanuniversität Leoben abgeschlossen, sechs weitere Berufe erlernt, eine Familie und eine Firma gegründet.
Unheilbar an Krebs erkrankt
2018 folgte schließlich ein weiterer Schicksalsschlag: Klaus Tolliner erhielt die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Er hat den Krebs angenommen und bis zum letzten Atemzug gelernt. Wir sind gemeinsam daran gewachsen und unsere Liebe ist gewachsen“, sagt Barbara Tolliner. Trotz neun palliativen Chemotherapien hat sich ihr Mann im Frühjahr 2019 noch den Wunsch erfüllt, gemeinsam mit seinem Vater in seinem VW Caddy ans Nordkap zu fahren, wo er die Nordlichter sehen wollte. „Nichts und niemand hätte ihn davon abhalten können. Wenn sein Papa nicht mitgekommen wäre, dann hätte er es alleine gemacht“, erzählt Tolliner und ergänzt: „Mein Mann hat mir dadurch einmal mehr gezeigt, was man durch ein klares ,Ja‘ alles bewirken kann, egal wie die Umstände sind.“ Im Juni 2019 ist Klaus Tolliner schließlich verstorben.
Nie gejammert
Für seine Frau besonders bemerkenswert: „Ich habe meinen Mann nie jammern gehört. Selbst nach seinem Unfall war er voller Dankbarkeit, noch am Leben zu sein. Er hat jede Herausforderung angenommen“, sagt die Lebens- und Sozialberaterin.
Auch wenn der endgültige Entschluss, ein Buch über das Leben ihres Mannes zu verfassen, erst im Vorjahr erfolgt ist, habe Tolliner den Impuls bereits kurz nach seinem Tod verspürt. „In Gesprächen mit Menschen habe ich festgestellt, wie tiefgründig ihre Begegnungen mit meinem Mann waren, welche Spuren er bei ihnen hinterlassen hat, was sie von ihm gelernt haben.“ Aus diesem Grund habe Tolliner Freunde, Familie und Wegbegleiter darum gebeten, diese Erfahrungen niederzuschreiben. Gemeinsam mit Texten von Klaus Tolliners Mutter, die sie nach dem schweren Unfall ihres Sohnes verfasst hat und Texten, die Tolliner selbst auf seiner Nordkap-Reise geschrieben hat, ist so ein „sehr persönlich geschriebenes Buch“ mit einer Vielfalt an Texten entstanden – „weil auch Klaus immer sehr offen mit seiner Erkrankung umgegangen ist.“
Mut, Zuversicht und Vertrauen
Neben dem persönlichen „Trauerprozess, meinem Lebensprozess“, den Tolliner während der Arbeit an dem Buch durchlaufen hat, soll das Werk nun vor allem anderen Menschen Mut machen: „Jeder hat Herausforderungen, Krisen oder Schicksalssschläge. Die Frage ist, wie gehen wir damit um?“ Zudem solle das Buch auch Zuversicht geben und zeigen, dass es im Leben immer weiter geht, wenn auch anders als geplant. Und: Das Buch soll Vertrauen schenken. „Vertrauen in sich selbst, in die innere Stabilität und Sicherheit und Vertrauen in das Leben. Darauf, dass alles einen Sinn hat, auch wenn dieser nicht immer sofort sichtbar ist“, fasst Tolliner zusammen.
Erhältlich ist das 252 Seiten umfassende Buch „Hinfallen ist erlaubt. Aufstehen ist Pflicht!“ über die Buchschmiede sowie in den Buchhandlungen.