Nach Einschätzung des Kulturkuratoriums kommt dem gegenständlichen Projekt im Vergleich zu anderen eingereichten Vorhaben eine geringere bzw. nicht ausreichende künstlerische Relevanz zu.“ Der lapidare Satz, mit dem das Kulturkuratorium des Landes diese Woche etliche Kulturförderansuchen abschlägig beschieden hat, schlägt Wellen. Das Überschwemmungsgebiet ist einmal mehr die freie Szene.
Zahlreiche renommierte Künstlerinnen und Veranstalter kommen durch die Absagen ins Schwimmen. Auch wenn bekannt war, dass in den beiden Töpfen für Kleinprojekt- und Halbjahresförderungen nur 70.000 bzw. 200.000 Euro zur Verfügung standen. Dass nun aber nicht das fehlende Geld der Absagegrund sein soll, sondern die künstlerische Qualität, sorgt für Fassungslosigkeit. Zumal sich unter den nun offenbar nicht mehr förderwürdigen Kulturprojekten – unter anderen – ein groß angelegtes Steve-Reich-Projekt des Studio Percussion in Graz findet, dazu der Tonkünstlerbund, eine Stückentwicklung des ans Theater im Bahnhof angedockten Performers Zaid Alsalame, eine Arbeit des Designer-Duo itshe+io für die Alban-Berg-Villa in Trahütten, Raum 117. Sowie eine interdisziplinäre Produktion der Künstlerin und Kuratorin Eva Ursprung, die – Detail am Rande – jüngst mit dem Kunst-Würdigungspreis des Landes ausgezeichnet wurde.
„Niederschmetternd“ und „infam“
Unzureichende künstlerische Relevanz? Etliche betroffene Förderwerber sind bestürzt: „Niederschmetternd“ und „infam“ findet Günter Meinhart, Gründer des vielfach ausgezeichneten Ensembles Studio Percussion, die überraschende, abwertende Absage für sein Projekt „Graz spielt Steve Reich“. Das Großvorhaben ist fixfertig geplant: als 24-stündiges stadtweites Kultur- und Musikevent zum 90. Geburtstag des Star-Komponisten am 3. Oktober, mit 90 Mitwirkenden und 27 Programmpunkten, Konzerten, Installationen und Performances an Spielplätzen quer durch die Stadt. Absagen wollen Meinhart & Co. das Ereignis auf keinen Fall: „Es geht da schließlich um eine künstlerische Idee, die wir unbedingt umsetzen wollen. Wir sind Künstler und können nicht Dienst nach Vorschrift machen“, sagt er. Man werde nun versuchen, das zumindest teilfinanzierte Projekt per Crowdfunding zu retten, „wir wollen das unbedingt schaffen.“ Nachsatz: „Und auch die Mitwirkenden fair bezahlen.“
Ob er das künftig noch kann, bezweifelt Gerhard Präsent, Präsident des Steirischen Tonkünstlerbunds. Im Konzertbetrieb pflegt der Bund seit Jahrzehnten die zeitgenössische Musik der Steiermark, nach Kürzung der Jahresförderung 2025 und einer Fast-Halbierung der Förderungen im ersten Halbjahr 2026 wurde der Geldhahn nun vollends abgedreht. Sein langfristig geplantes Programm werde er vorerst nur umsetzen können, wenn er die Interpreten schlechter bezahlt, ärgert sich Präsent: „Die Absage ist völlig unverständlich. Sie wirkt wie ein Lotterieentscheid“, kritisiert er und sieht „die unselige Demontierung der Kulturförderung im Land Steiermark voll im Gange“. Hinnehmen will er das nicht: Er lobbyiert nun bei VP-Landtagsabgeordneten, im Landtag gegen die geplante Abschaffung der Kulturabgabe zu votieren. Dieses Geld, rund 22,5 Millionen Euro, wird in der Steiermark bis dato mit der ORF-Haushaltsabgabe eingehoben und fließt in Kultur- und Sportbelange. Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) will sie mit 2027 abschaffen: „Eine vollkommene Schnapsidee, darauf zu verzichten, wenn eh kein Geld da ist“, ärgert sich Präsent.
Dass der „Treibstoff“ fehlt, konzediert auch der Vorsitzende des Kulturkuratoriums, Christian Buchmann: „Uns ist bewusst, dass die Förderabsagen schmerzlich sind“, sagt er. Man habe die abwertende Absageformulierung mittlerweile abgeändert, „aber was wir an Förderungen vergeben können, hängt davon ab, was der steirische Landtag beschließt.“ Das Kuratorium selbst achte darauf, „dass die vorhandenen Gelder möglichst gerecht und fair der Kulturentwicklung und der Kulturstrategie entsprechend eingesetzt werden.“ Wie das geht, wenn – wie im Büro von Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) zu erfahren – allein für die 70.000 Euro im Projektfördertopf Förderansuchen in der Höhe 600.000 Euro eingelaufen sind: Darauf wird der Kulturlandesrat spätestens im Herbst eine Antwort haben müssen. Dann gibt es den nächsten Förder-Call.