Der Reitplatz Olsa in Friesach. Eigentlich ist das eine große Wiese direkt neben der B317, kaum wahrnehmbar. Doch seit einigen Tagen wird auf dem Gelände gehämmert, geschraubt und auch gewohnt. Der Zirkus Althoff ist in der Stadt und möchte wieder die Herzen des Publikums erobern. „Wir sind direkt von Niederwölz nach Friesach gekommen. Das Zelt, welches Platz für rund 400 Personen bietet, stand in zwei Tagen“, erklärt Pressesprecher Christoph Drexler.
Der Zirkus Althoff stammt von der ältesten und größten Artisten- und Zirkusdynastie der Welt ab. Benito und Tiana Degen haben sich vor Jahren die Rechte gekauft und seitdem touren er und seine Familie unter dem Namen Degen-Althoff durch Österreich. Mittlerweile haben ihre Kinder Sascha und Karina die Gesamtorganisation über. „Wir sind ein Zirkus mit drei Generationen in der Manege. Für das derzeitige Programm setzen gerade zehn Personen alle Hebel in Bewegung, um die Showeinlage über die Bühne zu bringen. Geprobt wird jeden Tag für mehrere Stunden.“
Gewohnt wird natürlich in mobilen Unterkünften. „Wir haben zwar eine Meldeadresse, aber kein fixes Haus. Wir wohnen im Wohnwagen“, erklärt Karina Degen. Ihre Eltern haben sich vor einigen Jahren eine etwas größere Variante geleistet. „Sie haben aber auch ihr ganzes Leben lang dafür gespart.“ Gemeldet ist die Familie im deutschen Rheinland-Pfalz. „Unterwegs sind wir aber großteils in Österreich. Am längsten, nämlich fünf Wochen, stehen wir in Braunau. Das ist rund um die Weihnachtszeit.“
Seit ihrer Kindheit ist die Deutsche mit dem Zirkusgeschäft verbunden. „Ich wurde da natürlich hineingeboren. Die Artisten wurden zu einer großen Familie. Das ist schön. Aber auch zu sehen, wie die eigenen Kinder in der Manege stehen und etwas aufführen wollen, war und ist sehr bewegend“, erklärt die 44-Jährige. Im Zirkus treten nämlich ihre Tochter Julina (17) und ihr Neffe Alessio (10) auf und begeistern das junge Publikum. Das jüngste Mitglied der Familie ist ihr Sohn Leonardo (5).
Lustige Zeiten sind vorbei
Wer an Spaß, Lachen und Leichtigkeit denkt, liegt mittlerweile leider falsch. Auch der Zirkus hat mit enormen Herausforderungen zu kämpfen: „Die Saisons werden schlechter. Es wird mühsam, wenn die Einnahmen nicht mehr die Unkosten decken. Derzeit bleiben in der Kasse null Euro über. Die Spritpreise steigen, die Stromkosten steigen, auch die Futterkosten gehen in die Höhe. Teilweise haben wir schon schlaflose Nächte. Wir müssen uns wirklich die Frage stellen, ob wir uns die nächste Saison leisten können, oder das Programm nur alleine als Familie bestreiten müssen. Oder ob es so überhaupt noch weitergehen kann“, gibt Degen ehrlich zu.
Pferde, Ponys, Ziegen und Esel sind die Tiere, die mit auf Tour gehen. „Wenn wir weiterziehen, werden zuerst die Tiere umgesiedelt, die Stallgegebenheiten und der Schutz aufgebaut sowie die Tiere mit Wasser und Futter versorgt. Der Rest kommt erst dann. Uns ist es wichtig, zuerst gute Bedingungen für die Tiere zu schaffen. Kontrollen gibt es laufend“, betont Pressesprecher Drexler. Eine Vorstellung dauert rund zwei Stunden und 15 Minuten.
Attraktionen am Trapez, Ponydressuren, Reitshow, Messerwerfershow, Clownerie und vieles mehr werden dem Publikum geboten. „Ein großer Name verpflichtet. Sobald wir in einem neuen Ort sind, wird auch schon Werbung gemacht. Wir besuchen Schulen und Kindergärten, und wenn wir dürfen, plakatieren wir auch“, fügt Drexler an. Doch mehrere Gemeinden verbieten das mittlerweile, da es nicht ins Ortsbild passt.
Um den Schwierigkeiten etwas entgegenzuwirken, will die Zirkusfamilie nun in „kleine Orte ausweichen, wo schon länger kein Zirkus mehr war. Wir müssen auch die Plätze finden. Viele Grundstückeigentümer wollen ihre Plätze nicht hergeben, obwohl wir alles immer sauber hinterlassen“, sagt Degen. An rund 50 verschiedenen Orten ist der Zirkus im Jahr vertreten. Der Eintritt beträgt zwischen 15 und 25 Euro. „Unsere Eintrittspreise haben sich in den letzten Jahren nicht verändert. Wir können und wollen unsere Preise nicht erhöhen.“