Anna Höller kommt gerade barfuß mit zwei knackigen Salatköpfen aus ihren unzähligen Gemüsebeeten mitten im Ortsteil Geistthal, um sie in den Kühlschrank beim Standl mitten in ihrer seit heuer eröffneten Marktgärtnerei zu bringen. „Das ist ein Lankowitzer“, klärt sie auf, eine alte Salatsorte, die besonders schmackhaft ist. Neben diversen Salaten wachsen, wie man sprichwörtlich sagt, nicht nur Kraut und Rüben aller Sorten bei der 33-Jährigen, die den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat, sondern auch Erbsen, Karotten, Zucchini, Fisolen, Kohl und diverses Blatt- und Wurzelgemüse.
Anbau ohne große Maschinen, dafür mit Vielfalt
„Auf dem zweiten Bildungsweg habe ich in Bärnbach Gärtnerin im Gartenbau gelernt und die Meisterprüfung abgelegt. Bereits im Vorjahr habe ich hier auf 2500 Quadratmetern auf Versuchsflächen angebaut und heuer mit der Marktgärtnerei begonnen. Das ist ein intensiver kleinflächiger Gemüseanbau ohne große Maschinen mit aufeinanderfolgenden Kulturen und großer Sortenvielfalt.“ Mit ihrem ausgeklügelten Konzept hat sie nicht nur einen grünen Daumen, sondern auch ein goldenes Händchen bewiesen: „Ich biete Abokisten an, mit frisch geernteten Produkten, je nach Saison, die wöchentlich oder alle zwei Wochen abgeholt sowie zugestellt werden. Für meine Kunden ist das immer eine Überraschung, aber auch für mich“, schmunzelt die Gärtnermeisterin, deren im Frühjahr mühsam ausgearbeiteten Pläne für den wöchentlichen Inhalt von der Natur über den „Mist-Haufen“ geworfen wurden. „Manches kommt dann halt einfach eine Woche später ins Kisterl“, sagt Höller.
Durch die verkauften Abos (16 Euro pro Kiste wöchentlich oder 18,30 Euro vierzehntägig) hat sie Planungssicherheit, kann gezielt anbauen, was gebraucht wird, und hat mehr Zeit, die sie in ihrem Pflanzenreich verbringen kann. Die schlechte Nachricht aus Kundensicht: Heuer ist die 33-Jährige mit den Abokisten bereits seit Mai restlos ausverkauft. Die gute Nachricht: „Im nächsten Jahr möchte ich aber erweitern, dann gibt es wieder neue.“
Selbstbedienungshütte ist rund um die Uhr zugänglich
Wer auf die Vitaminbomben aus Geistthal-Södingberg dennoch nicht verzichten möchte, kann sich rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche in der Selbstbedienungshütte versorgen. „Die Bezahlung kann bar oder mit Karte erfolgen. Das funktioniert sehr gut“, so Höller. Ergänzt wird das taufrische Sortiment aus der Kühlung mit allerlei Kräuterprodukten wie Gewürzmischungen, Tees (auch Eistee), verschiedene Sirupe oder Salzvariationen. „Die Kräuter wachsen in 900 Meter Höhe auf einer Alm unter dem Krautwasch“, sagt Höller.
Stolz präsentiert sie auch ihr Gewächshaus, in dem derzeit acht Paradeissorten, Paprika, Gurken, Melanzani und Pfefferoni heranreifen. „In meinem Sortiment habe ich nicht viele exotische Produkte, um die Kunden nicht zu überfordern. Wenn, dann liefere ich auch Rezepte mit. Viele wussten zum Beispiel nicht, dass man den Forellenschluss-Salat auch kochen kann. Aber dafür biete ich bunte Sorten bei den Radieschen, Karotten oder Rohnen an – etwa die Goldrübe.“ Neben dem vielen Gießen – Höller hat ein großes Regenwasserreservoir in einer ehemaligen Jauchengrube unter einem Stall – ist die 33-Jährige derzeit mit dem Setzen von Wintergemüse wie Vogerlsalat, Karfiol oder Brokkoli beschäftigt. Schließlich will sie ihre Kunden bis Ende November mit gesunder Vielfalt beliefern.
Kundenstamm in der Region
Als Ein-Frau-Betrieb mit familiärer Unterstützung hat sie die Entscheidung, nach zehnjähriger Berufserfahrung in die Selbstständigkeit zu wechseln, nie bereut. „Manche bedauern mich, weil ich in der Hitze arbeiten muss, aber ich kann mir die Zeit ja aussuchen und frühzeitig oder später bei den Beeten sein.“ Die meisten Kunden stammen aus der Region, aber manche haben das Angebot auch entlang der Straße bei der Durchfahrt durch Geistthal entdeckt. „Eine Kundin kommt seither regelmäßig aus Traboch“, freut sich Höller.