Vor 15 Jahren zog der „Neue Marktwirt“ in die Burggasse in Judenburg. Das Restaurant ist Gastronomiebetrieb, Ausbildungsstätte, Arbeitsplatz und Begegnungsort zugleich: Menschen mit und ohne Beeinträchtigung arbeiten hier Seite an Seite. Dass das Konzept funktioniert, zeigen auch persönliche Erfolgsgeschichten.

Mehr als 65 Lehrlinge ausgebildet

„Den Neuen Marktwirt gibt es seit 15 Jahren an diesem Standort. Unser Restaurant betreiben wir aber bereits seit 25 Jahren“, erzählt Sandra Rinofner, Geschäftsführerin und Obfrau der Lebenshilfe Region Judenburg. Begonnen hat alles als reines Lehrlingsausbildungsprojekt. Die ersten zehn Jahre war der Betrieb als „Arena-Blick“ in der Arena Fohnsdorf untergebracht. Weil die Räumlichkeiten nicht barrierefrei waren, fiel die Entscheidung für einen Standortwechsel. „Wir haben mehr als 65 Lehrlinge ausgebildet“, sagt Rinofner. Lange Zeit wurde das Projekt durch Förderungen des Bundessozialamtes Steiermark unterstützt. Als diese Ende 2016 ausliefen, musste das Konzept neu gedacht werden.

„Seither arbeiten auch Menschen mit Beeinträchtigungen aus unseren Werkstätten im Team mit. Aktuell haben wir vier Menschen mit Beeinträchtigungen in Küche und Service“, erklärt Rinofner. Unterstützt werden sie von Fachkräften und dem Küchenteam rund um Marco Moitzi, Irmgard Schenk und Johannes Rumpf. Standortleiterin ist Brigitte Rieser.

Grund zum feiern: Sandra Rinofner und Reinfried Lienzer leiten die Lebenshilfe Region Judenburg
Grund zum feiern: Sandra Rinofner und Reinfried Lienzer leiten die Lebenshilfe Region Judenburg © KLZ / Maria Steinwender

Persönliche Entwicklungen sind eigentlicher Erfolg

Petra Gressl arbeitet seit zehn Jahren im Neuen Marktwirt. Die Gastronomin kommt aus der klassischen Gastronomie. „Dort herrscht oft eine sehr strenge Hierarchie. Hier arbeiten wir auf Augenhöhe. Das macht für mich den Unterschied“, sagt Gressl. Gerade dieser Umgang miteinander werde von Mitarbeitern und Gästen gleichermaßen geschätzt. „Unser Auftrag ist es, die Gäste zufriedenzustellen und gutes Essen sowie guten Service zu bieten. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht“, betont Gressl. Menschen bekämen hier Zeit, sich zu entwickeln. Besonders gerne erinnert sie sich an Mitarbeiterin Michaela. „Sie hat bei uns sehr schüchtern begonnen und sich zu einer selbstbewussten jungen Frau entwickelt.“ Auch die Geschichte von Lukas zeigt, was möglich ist: „Er absolvierte bei uns eine Integrationslehre und ist heute selbst Lehrlingsausbilder. Trotz Lernschwierigkeiten hat er alle Prüfungen geschafft.“

Für Rinofner sind solche Entwicklungen der eigentliche Erfolg des Projekts. „Unser Ziel ist nach wie vor, dass die Lehrlinge nach ihrer Ausbildung auf den ersten Arbeitsmarkt wechseln können. Viele schaffen diesen Schritt erfolgreich.“

Gleichzeitig muss sich der Betrieb wirtschaftlich tragen. „Wir sind gemeinnützig und nicht gewinnorientiert. Trotzdem brauchen wir einen entsprechenden Umsatz, um Arbeitsplätze zu sichern und unsere Angebote finanzieren zu können“, erklärt Rinofner.

„Unsere Gäste spüren, dass hier etwas anders ist. Sie schätzen die Freundlichkeit, die Herzlichkeit und das Miteinander“, sagt Gressl. „Man wird nicht einfach abgefertigt.“