Südeuropa liegt in Flammen – und das bereits Anfang Juli. In Portugal, Frankreich, Spanien, Griechenland, Italien und auf dem Balkan toben Waldbrände. Die örtlichen Feuerwehren gehen an ihre Belastungsgrenze. Insgesamt melden die Behörden verbrannte Flächen von weit über 200 Quadratkilometern, das entspricht in etwa knapp der Hälfte der Fläche des Bodensees. Tendenz steigend. Derzeit läuft in Südeuropa bereits die zweite große Hitzewelle des Jahres mit Höchsttemperaturen von bis zu 40 Grad. Extreme Trockenheit und Wind sind die Hauptfaktoren für die schnelle Ausbreitung der Brände.
Ist das das Szenario, mit dem man bald auch in nördlichen Breitengraden rechnen muss? Der Deutsche Wetterdienst stuft die Waldbrandgefahr in einigen Gemeinden Baden-Württembergs und des nordwestlichen Bayerns als „sehr hoch“ ein. Aber auch in Mittel- und Nordeuropa, etwa in Teilen Skandinaviens, knistert es schon. Dabei sind die katastrophalen Ausmaße der Waldbrände im vergangenen Jahr noch nicht erreicht. Bis Mitte August 2025 verbrannten in der EU insgesamt über eine Million Hektar Waldfläche – mehr als je zuvor seit Beginn der Feuerüberwachung im Jahr 2006.
Die gefährlichsten Brände
Die derzeit größten und gefährlichsten Brände liegen in Portugal, Frankreich, Griechenland und Spanien. Aus dem Urlaubsland Italien werden mehrere kleinere Waldbrände gemeldet, etwa im Piemont, westlich des Lago Maggiore in der Lombardei, in den Abruzzen, östlich von Caserta in Kampanien, südlich des Gargano in Apulien sowie bei Licata auf Sizilien.
Die größte Dimension mit 130 Quadratkilometern Fläche hat bislang der Brand nahe der nordportugiesischen Kleinstadt Vouzela erreicht.
Tausende auf der Flucht
In Südfrankreich westlich von Perpignan hat der schwerste Waldbrand seit 50 Jahren Tausende Menschen zur Flucht gezwungen. Rund 12 000 Menschen wurden evakuiert, die Bevölkerung von 20 Gemeinden wurde in Turnhallen und Gemeindezentren untergebracht, zwei Menschen wurden schwer verletzt. Nahe Trévillach verbrannten seit Sonntag knapp 50 Quadratkilometer Wald. Neun Löschflugzeuge brachten den Brand unter Kontrolle. Durch Winde hatte sich die Brandfläche innerhalb von 24 Stunden verdreifacht. „Ich war sicher, dass ich sterben würde, bevor ich den Evakuierungsbus erreiche“, zitiert die französische Zeitung Le Monde die 53-jährige Pflegerin Valérie Pla aus Ille-sur-Têt.
Das Gelände ist besonders unzugänglich, die Löscharbeiten sind deshalb erschwert. Bei der dritten Etappe der Tour de France am Montag waren wegen des Brandes keine Zuschauer zugelassen, da die Sicherheitskräfte in die Brandregion abgezogen werden mussten. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez kündigte für Dienstag sechs weitere Löschflugzeuge aus anderen europäischen Staaten an. Diese können nur tagsüber fliegen, nachts sind nur Löscharbeiten am Boden möglich.„Der Klimawandel ist da, wir erleben seine Folgen“, sagte Eric Belgioino, Feuerwehrchef im südfranzösischen Département Pyrénées-Orientales. „Es ist erst Anfang Juli. Die Saison wird lang.“ Jeder Einzelne müsse dazu beitragen, das Risiko von Bränden zu minimieren.
Zu 90 Prozent aus Unachtsamkeit
Über 90 Prozent der Wald- und Flächenbrände in Südeuropa werden durch Unachtsamkeit von Menschen ausgelöst. Brandstiftung, wie sie etwa die Behörden beim Waldbrand von Vouzela in Portugal vermuten, kommt seltener vor. In Trévillach ist die Brandursache bislang nicht geklärt. Ein Großbrand östlich von Girona in Nordspanien hingegen wurde von einem Straßenarbeiter verursacht, der am Freitag an einer Landstraße im Waldgebiet mit einer Flex Wartungsarbeiten erledigte. Glühende Funken entfachten das Feuer, der Tramontana-Wind trieb die Flammen an. Gegen den Mann wird ermittelt. Von dem Waldbrand sind auch Camping-Urlauber an der Costa Brava betroffen. 50 000 Menschen mussten zeitweise zuhause bleiben. In Spanien werden derzeit rund 60 größere und kleinere Waldbrände gezählt. In Katalonien schlossen die Behörden zahlreiche Naturschutzgebiete wegen „extremer Waldbrandgefahr“.