Der Nationalrat wird heute über zwei neue Schulfächer abstimmen, nämlich „Medien und Demokratie“ sowie „Informatik und Künstliche Intelligenz“. Dafür werden ein paar Stunden Sprachunterricht geopfert, was recht heftige, wochenlange Koalitionskonflikte auslöste. Der ÖVP gelang es, die Reform derart zu entschärfen, dass sie bei der gemeinsamen Präsentation sinngemäß verkünden konnte, dass alles beim Alten bleiben wird.

Die Latein-Debatte soll an dieser Stelle nicht weitergeführt werden. Alles wurde gesagt, auch von allen, durch den Kompromiss innerhalb der Regierung ist die parlamentarische Mehrheit gesichert und die Streitfrage daher politisch entschieden. Bedeutender ist aber ohnehin das größere Bild dieses Reförmchens.

Schritte vor und zurück

Es ist wohl unstrittig, dass gesellschaftliche und technologische Entwicklungen auch in der Schulpolitik ihren Niederschlag finden müssen. Aber wie? Und wann ist der richtige Zeitpunkt? Nehmen wir als Beispiel die Digitalisierung des Unterrichts. Österreich war im internationalen Vergleich zwar kein Nachzügler, doch Pionier war man nicht. Erst durch die Covid-Pandemie nahm die Digitalisierung Fahrt auf, wurden schrittweise alle Schülerinnen und Schüler mit Laptops und Tablets ausgestattet.

Doch kaum wurde der Unterricht hierzulande digital(er), unternehmen Vorreiter wie Schweden wieder ein paar Schritte zurück ins analoge Zeitalter. Immer mehr Länder sind mittlerweile auch bestrebt, die Online-Zeit und Handynutzung von Kindern zu reduzieren, nachdem Experten mit wachsender Lautstärke vor den negativen Auswirkungen warnen. In Österreich bereitet die Regierung ein Social-Media-Verbot für Jugendliche vor, in Australien ist ein solches bereits in Kraft.

Immer mehr Aufgaben

Die Schule ist die Antwort auf viele Fragen, die von den tiefgreifenden Veränderungen der Gegenwart aufgeworfen werden. Die Schule ist der vielleicht wichtigste Hebel für Integration, die aufgrund weltweiter, aber auch innereuropäischer Migration nötig ist. Gesundheitskompetenz ist wiederum ein Schlüssel, damit die Menschen möglichst lange gesund bleiben und sich im Krankheitsfall gut durch das Gesundheitssystem navigieren können. Und Finanzbildung wird notwendig sein, da anzunehmen ist, dass aufgrund der finanziell angespannten staatlichen Sozialsysteme das private Ansparen für das Alter und andere Phasen der Nicht-Erwerbstätigkeit zukünftig eine größere Rolle spielen wird.

Das ist nur eine kleine Auswahl aktueller Ideen, Erwartungen und Forderungen. Sie versetzen die Bildungseinrichtungen in eine Art Dauerstress. Dazu kommt, dass bei den jüngsten technologischen Entwicklungen völlig unklar ist, in welche Richtung sie noch gehen werden. Ein Unterrichtsfach „Künstliche Intelligenz“ ist da vermutlich nur ein erster Schritt. In drei Jahren kann wieder alles anders sein. Klar ist: Die Schule wird immer mehr Aufgaben schultern müssen – und es wird dennoch nie genug sein.