Seit Jahren erhalten einige Schulen in Österreich mehr Mittel, um zusätzliches Personal einstellen zu können. Die jetzige Regierung hat den mit 65 Millionen Euro dotierten „Chancenbonus“ aufgelegt, mit dem 401 Schulen gefördert werden. Welche das sind, ist öffentlich. Bei einem Vorgängerprogramm ist die Liste solcher Schulen verschwunden, wie der ORF Vorarlberg berichtet.

Das Bildungsministerium kann nicht mehr sagen, welche 492 Schulen es 2019 als „Schulen mit besonderen Herausforderungen“ unterstützt hat. Der ORF Vorarlberg hatte die Herausgabe der Information beantragt, nach zweijährigem Rechtsstreit diese aber nur teilweise erhalten. Für das Jahr 2019 gibt es keine Akten mehr und die damaligen Zuständigen arbeiten nicht mehr im Ministerium.

Nur eine Liste erhalten

Das Bildungsressort hatte auch eine Anfrage der Neos im Vorarlberger Landtag zu zwei Förderprogrammen verweigert. Wesentliches Merkmal des Projektes sei, dass die betroffenen Schulen nicht bekannt geben würden, so die Begründung. Hintergrund für die Geheimhaltungsbemühungen dürfte eine befürchtete Stigmatisierung einzelner Schulstandorte sein.

Nach zwei Jahren Verfahren und einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes zur Transparenz von Schuldaten habe die Bildungsdirektion nun doch noch eine der beiden ursprünglich angefragten Schullisten – jene zum türkis-grünen Programm „100 Schulen - 1.000 Chancen“ - übermittelt, so der ORF Vorarlberg. Die zweite Liste zum türkis-blauen Modell „Schulen mit besonderen Herausforderungen“ von 2019 sei aber verschollen.

Neues Programm der Dreierkoalition

Demnach hat das Bildungsministerium die Standorte nicht dokumentiert, offenbar wurde kein Akt angelegt oder dieser unvollständig geführt. „Eine entsprechende Ablage der Daten im System wurde nicht gefunden“, hieß es. Welche 492 Schulen bundesweit im Rahmen von „Schulen mit besonderen Herausforderungen“ unterstützt wurden, ist also nicht mehr eruierbar.

Beim „Chancenbonus“ ist die Liste der 401 Schulen öffentlich. Mehr als die Hälfte befindet sich in Wien, 41 gibt es in der Steiermark, wobei 32 davon Grazer Schulen sind. In Kärnten sind es acht Standorte, je vier in Klagenfurt und Villach. Start des Programms ist das kommende Schuljahr, insgesamt sind 800 Vollzeitstellen für unterstützendes Personal ausgeschrieben. Die geförderten Schulen meldeten den Bedarf, etwa für Sozialarbeiterinnen, Schulpsychologen oder Legasthenietrainer.

Ausgewählt wurden die Schulen nach sozioökonomischen Kriterien auf Basis von Daten der Statistik Austria. Diese Berechnungen werden allerdings weiterhin nicht publiziert, um ein Ranking der Schulen zu unterbinden. Nach der Entscheidung des VfGH werden ab Herbst jedoch gewisse standortbezogene Schuldaten sehr wohl veröffentlicht. Konkret handelt es sich um Leistungsdaten, wie etwa aus der individuellen Kompetenzmessung PLUS (iKM PLUS), wobei die  Zusammensetzung der Schülerschaft berücksichtigt wird.