Schockiert ist Karl Poppeller, der Ex-Bürgermeister von Ainet. Zufällig hat er entdeckt, was in seiner Gemeinde in Osttirol geplant ist. Er kann es nicht glauben – auf 3,8 Hektar soll Schotter gewonnen werden, über einen Zeitraum von zehn Jahren. Insgesamt 47.000 Kubikmeter. Das allein ist es nicht, wogegen Poppeller, der auch rund ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Felbertauernstraße AG stand, Sturm läuft. Es ist primär die Lage der Grundfläche, auf der mittels Trockenbaggerung abgebaut werden soll. Im Sattler Äuele, das derzeit saftig grün ist, soll der Schotter vom Matreier Unternehmen Steiner Wastl GmbH entnommen werden. Die GmbH betreibt das Projekt.
Natura-2000-Gebiet reicht in das Areal hinein
Das Sattler Äuele liegt direkt nach der Glanzer Brücke zwischen der B108 Felbertauernstraße, der Isel, dem Radlweg und dem Iseltrail. Und: Es liegt dort, wo die Aussicht auf das historische Ainet mit seinen Feldfluren beeinträchtigt werden würde. Zudem reicht ausgewiesenes Natura-2000-Schutzgebiet zehn Meter in das besagte Feld hinein.
Poppeller steht am Fuße des Aineter Bergls. Dort, wo 1809 die Iseltaler Schützen die Franzosen zurückschlugen. In einem zweiten Angriff verloren die Schützen und ihre Anführer wurden dort hingerichtet. Poppeller gibt sich an diesem historischen Kampfplatz kämpferisch. Am 16. Juli wird die Causa verhandelt, nach dem Mineralrohstoffgesetz (MinroG) und nach dem Tiroler Naturschutzgesetz. Für den Ehrenbürger seiner Gemeinde gilt: Das Projekt muss verhindert werden. Da entstehe eine riesige Wunde in der Landschaft. Was er nicht will, ist, dass es in Zukunft heißt: Ainet ist dort, wo der lange Bauzaun steht – ein Zaun, an dem dann „die ganzen Zirkus-Roncalli-Plakate“ hängen könnten. Für Poppeller ein Albtraum.
Poppeller: „Nach dem Raumordnungskonzept der Gemeinde ist die Ansicht von Ainet nicht zu beeinträchtigen. Davon ist auch das 3,8 Hektar große Feld erfasst.“ So wollte laut des Alt-Bürgermeisters auch die Theurl Leimholz GmbH hier bauen, wäre aber an den Vorgaben gescheitert. Die Ansicht von Ainet ist Poppeller ein großes Anliegen. Diese hat sich seit 1865 tatsächlich kaum verändert. Das beweist auch ein Gemälde von Franz Stemberger mit dem Titel „Blick in das vordere Iseltal“, das in Schloss Bruck hängt.
Poppeller weiß, dass es nicht einfach ist, gegen das MinroG aufzustehen. Anrainereinsprüche sind nicht möglich. Er selbst ist größter Anrainer. „Man sagt uns, wir hätten keine Chance, das zu verhindern. Das kann nicht sein. Dann haben wir etwas falsch gemacht“, gibt er sich streitbar. Und er wettert: „Es gibt für das Schotterprojekt hier kein öffentliches Interesse. Im Bezirk haben wir Schottergruben genug. Da besteht überhaupt keine Notwendigkeit.“ Poppeller führt aus: „Schotter und Sand reichen hier fünf bis sechs Meter in die Tiefe. Ist das ausgeräumt, ist danach Nassbaggerung möglich. Von 40 bis 50 Jahren kann man reden.“
Schützenhilfe vom Tourismusverband und Gmeinde
Für Poppeller ist jetzt wichtig, dass die gesamte Bevölkerung von Ainet zusammensteht, um dem „tiefgreifenden“ Vorhaben einen Riegel vorzuschieben. Vor allem die jungen Aineter will er zum Widerstand motivieren. Unterstützung erhält der Alt-Bürgermeister auch von der Gemeinde Ainet. Bürgermeisterin Berta Staller spricht sich ebenfalls gegen das geplante Schotterabbauprojekt aus.
Schützenhilfe kommt zudem von Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes (TVB) Osttirol: „Diese geplante Schottergewinnungsanlage ist ein No-Go – unmittelbar neben dem Radweg, neben dem Iseltrail. Wir bewerben Naturtourismus. Da kann das nicht sein.“ Der TVB-Obmann betont, selbst stets wirtschaftlich zu denken, aber: „Wirtschaft ja, aber nicht in einer touristischen Begegnungszone.“
Der Betreiber weiß um die Proteste
Theurl macht seine Position klar: „Es ist meine Verpflichtung, mich gegen derartige Dinge zu stellen. Tue ich das nicht, bin ich fehl am Platz.“ Er richtet einen Appell an die Vernunft des Betreibers. Der ist Alois Steiner, der Geschäftsführer und Gesellschafter der Steiner Wastl GmbH. Dieser lässt auf Nachfrage wissen, davon gehört zu haben, dass gegen seinen Plan Sturm gelaufen wird. Aber er will die Causa nicht weiter kommentieren.