Die Enttäuschung war „brutal groß", erzählte Gregor Mühlberger, als er von seinem Team „Decathlon" die Absage für die Tour de France bekommen hatte. Zwei Tage vor dem Abschluss des finalen Höhentrainingslagers wurde dem Bergfahrer gesagt, dass ein Mann für den Sprintzug mitgenommen wird und nicht der Niederösterreicher, der beim Giro d'Italia der glänzende Helfer an der Seite von Felix Gall gewesen war. Der gebürtige Osttiroler holte sensationell Platz zwei, und sein Edelhelfer, der im Mannschaftsbus vor Etappen auch immer wieder die Stimmung angeheizt hat, spricht selbst von der „Form seines Lebens". Für die Vorbereitung auf die mögliche Tour ließ er gar die Tour de Suisse aus. Sie war das einzige Rennen des Jahres, in dem er selbst die Rolle des Kapitäns innegehabt hätte. Auch die Staatsmeisterschaft musste er wegen des Höhentrainings auslassen.
Doch kann er seine Spitzenform nun doch unter Beweis stellen – und das obendrein zu Hause: Der „Glocknerkönig" des Jahres 2014 wird die Tour of Austria bestreiten, und das tut er im Nationalteam gemeinsam mit Alexander Hajek (Red Bull), Rainer Kepplinger (Bahrain), Valentin Hofer (Bahrain Development), Sebastian Putz (Red Bull Rookies) und Skibergsteiger Paul Verbnjak, der im Vorjahr für Lidl-Trek die Tour bestritten hat und nun ohne Profiteam ist. In dieser Formation hat die Abordnung von „Cycling Austria" durchaus die Chance, im Konzert der großen Teams mitzuspielen, wenn am 8. Juli in Graz die Landesrundfahrt beginnt und sechs Teams der World Tour am Start sind. Mit dem Start von Mühlberger ist die Chance auf einen österreichischen Gesamtsieger nach Riccardo Zoidl (2013), der ebenfalls wieder am Start ist, nicht gering. Mit Patrick Konrad (Lidl-Trek), Michael Gogl (Alpecin) und Patrick Gamper (Jayco) sind noch drei weitere österreichische Fahrer der höchsten Liga dabei.
Und das Jubiläum zum 75er beginnt mit einem Gustostückerl. Die erste Etappe durch die West- und Südsteiermark erinnert mit ihrem Profil über 188 Kilometer doch stark an einen der brutalen Frühjahrsklassiker. Es ist ein Terrain, auf dem Klassikerspezialisten wie Benoît Cosnefroy (UAE), Jan Christen (UAE), Tibor Del Grosso (Alpecin) oder auch Neilson Powless (EF Education) brillieren können. Vor allem der Anstieg nach Glanz auf die Weinstraße mit seinen maximal 21,8 Prozent Steigung hat es in sich. Auf den US-Mann Powless, der immer wieder für Attacken gut ist, darf man gespannt sein, gibt er doch sein Comeback nach einer Knie-OP im Februar. Seine Nominierung kam ebenso knapp vor dem Start wie die von Carlos Rodríguez (Ineos), der neben Christen wohl der stärkste Klassementfahrer im Feld ist.