Dass Adventhütten auch im Hochsommer für hitzige Debatten sorgen können, zeigte die jüngste Gemeinderatssitzung in Villach. Auf der Tagesordnung stand die Übernahme einer Haftung für einen Kredit des Stadtmarketings in Höhe von bis zu 380.000 Euro. Mit dem Geld sollen neue Hütten für den Villacher Adventmarkt angeschafft werden. Die emotionale Diskussion reichte von der Drohung, einem Stadtrat das Mikrofon abzudrehen bis hin zu Kritik an doppelten Politikerbezügen und der Frage, ob potenzielle Käufer der alten Hütten getäuscht werden.

Schon im Vorfeld nannte Stadtrat Erwin Baumann (FPÖ) den Antrag in einer Presseaussendung einen „Wundertüten-Antrag“. Entscheidende Fragen rund um die neuen Hütten seien seiner Ansicht nach noch nicht geklärt. In der Gemeinderatssitzung kritisierte Baumann die Kommunikation des Stadtmarketings rund um das Thema Hütten scharf. Da er auch datenschutzrelevante Aspekte eines Mitarbeiters ansprach, wurde er von der Vorsitzenden, Vizebürgermeisterin Sarah Katholnig (SPÖ), zur Ordnung gerufen. „Sonst drehe ich Ihnen das Mikrofon ab.“ „Die Untätigkeit des Verantwortlichen stößt den Bürgern auf“, fand Baumann letztendlich eine Formulierung, die durchging.

ÖVP-Stadtrat Christian Pober nutzte die Debatte für einen Seitenhieb auf Baumanns doppelte Bezüge als Stadtrat und Landtagsabgeordneter. „Villach hat das große Glück, dass Baumann dementsprechend nicht so oft in Villach ist und sich mit dem doppelten Gehalt viel Urlaub leisten kann“, sagte er. Er spielte darauf an, dass die Diskussion über die neuen Adventhütten bereits seit Monaten laufe und ausreichend Zeit bestanden habe, sich einzubringen. Pober betonte außerdem, dass die Hütten ein Wunsch der Wirte seien.

Fragen zum Zustand der alten Hütten

Warum die Kredithöhe noch nicht endgültig feststeht, wurde ebenfalls erläutert: Noch ist nicht entschieden, wie viele Hütten künftig von den Wirten gemietet und wie viele selbst angekauft werden. Zusätzlich soll der Verkauf der bisherigen Hütten Geld in die Kassen bringen.

Gerade dieser Verkauf sorgte jedoch für neue Diskussionen. SPÖ-Gemeinderätin Susanne Claudia Boyneburg-Lengsfeld-Spendier erklärte, dass die neuen Hütten Teil eines umfassenden Adventkonzepts seien, zudem seien die bisherigen Hütten in Lagerung und Aufbau zu aufwendig. Außerdem verwies sie auf einen Sanierungsbedarf der alten Hütten in der Höhe von rund 125.000 Euro. Gleichzeitig werden die Hütten auf der Verkaufsplattform Willhaben jedoch als „sehr gepflegt und einsatzbereit“ angepriesen. Das sorgte für Irritationen. „Wer wird hier nun getäuscht?“, fragte Jabali.

Die Haftungsübernahme wurde letztlich mit den Stimmen der SPÖ und der ÖVP beschlossen. Wie es mit den Hütten konkret weitergeht, soll beantwortet werden, „wenn die Zeit dafür reif ist“ – so jedenfalls die Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Kleinen Zeitung an das Stadtmarketing. Was nach dieser Sitzung jedenfalls feststeht: Der inoffizielle Startschuss für den Wahlkampf ist längst gefallen