Schon früh am Vormittag herrscht auf dem Areal des Buschenschanks Blieml in Altenmarkt bei Fürstenfeld geschäftiges Treiben. Uninformierte Besucher würden angesichts der jungen Damen, die sich da in Dessous im Heu rekeln oder vor landwirtschaftlichen Maschinen posieren, aber auch angesichts der jungen Männer, die mit nacktem Oberkörper und einer Motorsäge in den Händen einen gefällten Baum „zerlegen“ oder nur mit einem Slip bekleidet im Gemüsegarten stehen, aus dem Staunen nicht herauskommen.

Der Anlass für die viel nackte Haut am Bauernhof ist freilich wenig skandalträchtig – findet doch das Cover-Shooting für die 27. Auflage des Jungbauernkalenders statt. 24 Models – zwölf Damen und zwölf Herren – zeigen sich an diesem Vormittag von ihrer besten Seite. Aber nicht allen auf dem Hof interessiert der freizügige Auflauf. Während sich eine junge Frau in schwarzen Dessous gerade für den Fotografen im Heu lasziv in Pose wirft, lassen sich die Pferde daneben nicht ablenken. Scheinbar gelangweilt stehen sie im Schatten und fressen völlig unbeeindruckt ihr Futter.

Das ist nicht immer so, wie Philipp Knefz lachend verrät. „Die lebenden Tiere sind schon unsere größte Herausforderung in der Shooting-Woche“, plaudert der ehemalige Mister Austria, der seit sechs Jahren der Projektleiter des Jungbauernkalenders ist, aus. Davon kann etwa Model Farina Gramsch aus Jade in Niedersachsen ein Lied singen. Sie absolvierte ein Shooting mit Bienen und wurde prompt in die Nase gestochen.

Von den Milchkühen in den Kalender

Dennoch zog die 26-Jährige, die daheim mit ihrem Mann einen Betrieb mit 300 Milchkühen leitet, eine positive Bilanz. Am Anfang sei sie „schon aufgeregt“ gewesen, „aber nach ein paar Minuten blendet man das alles aus. Und es war sehr entspannt.“

Und wie geht Philipp Knefz mit kritischen Stimmen um, die es immer wieder gibt. „Der Jungbauernkalender war immer schon ein Skandalkalender. Man hat damals schon aufgeschrien und schreit heute noch auf, aber die Verkaufszahlen und die Aufrufe in den sozialen Medien geben uns recht und zeigen, dass wir etwas richtig machen.“

Feedback macht die Kalendermodels entspannter

Schauplatzwechsel. Unweit der Damen ist der charakteristische Klang von Motorsägen zu hören. Mit nacktem Oberkörper in Schnittschutzhosen posieren der Kärntner Andreas Schöffmann und der Steirer Lukas Reinisch aus Bad Schwanberg für Fotografin Katharina Jessner. Die liegt im Gras und gibt Kommandos, während sie auf den Auslöser ihrer Kamera drückt. Zum dritten Mal fotografiert die Grazerin für den Jungbauernkalender. „Und es ist jedes Mal ein Highlight, auf das ich mich freue“, sagt sie. Und wie nimmt sie den Models die Nervosität? „Indem man versucht, auf sie einzugehen und ihnen Feedback gibt. Je mehr Feedback, desto entspannter werden sie“, gewährt Jessner einen Blick ins Nähkästchen.

Vollzeit-Maschinenbauer Lukas Reinisch, der im Nebenerwerb einen Mutterkuhbetrieb mit Biohaltung hat, freut sich etwas Neues machen zu können und „die Vielseitigkeit der Landwirtschaft“ präsentieren zu können. Für die Shooting-Tage hat er daheim auch extra Trainingsschichten eingelegt. Und auch vor den Shootings werden von vielen männlichen Models noch Liegestütze oder andere „Aufwärmübungen“ absolviert – damit die gestählten Oberkörper perfekt in Szene gesetzt werden können.

Schockierte Eltern

Perfekt in Szene gesetzt wurde auch Michelle Muster aus Gamlitz. Ihre Eltern seien am Anfang „schon ein bisschen geschockt“ gewesen, verrät die 19-Jährige lachend. Das habe sich aber gelegt. Nervös sei sie zwar gewesen, „aber im Freibad hat man auch einen Bikini an und man trägt beim Shooting das, in dem man sich wohlfühlt.“

Wohlgefühlt hat sich auch Stefanie Lienhart aus Premstätten. Sie ist bereits im diesjährigen Jungbauernkalender zu sehen und gehört zur Riege der „Altmodels“, die ebenfalls an diesem Tag für die Rückseite des Kalender fotografiert werden. „Es war für mich echt cool, die Atmosphäre ist total entspannt und es entwickeln sich Freundschaften“, erzählt die 30-Jährige.

Kalender-Shooting ist wie ein „Schulausflug“

Das bestätigt auch Philipp Knefz mit einem Schmunzeln: „Die Shooting-Woche ist wie ein Schulausflug und sie ist das Herz des Jungbauernkalenders, das gerade auf Hochtouren schlägt.“ 20 Personen – von Fotografen, Videografen, Social-Media-Mitarbeitern bis hin zu den Stylisten – sind am Set beschäftigt. Ein Aufwand, der sich lohnt. 6250 Stück von der Girls’ Edition werden aufgelegt, 2250 Stück sind es bei der Männeredition. „Und wir sind jedes Jahr nahezu ausverkauft“, freut sich Knefz. Den neuen Jungbauernkalender kann man übrigens ab kommender Woche online auf www.jungbauernkalender.at vorbestellen. Der Preis beträgt 34,99 Euro.