Sanft wiegen die kleinen Äste von Rotkiefern und Fächerahornen im Wind. Hinter den zahlreichen Bonsai-Bäumen schweift der Blick über dichte, mystische Wälder. Irgendwo im Hintergrund gurgelt ein Bach den Hügel hinab. Es ist eine idyllische Landschaft, wie sie wohl auch im Zentrum der japanischen Bonsai-Zucht in Omiya zu finden sein mag. Sie liegt jedoch am Steinberg im südoststeirischen St. Stefan im Rosental.

Bonsaifarm im südoststeirischen Hügelland

Hier auf der „Bonsaifarm“ züchtet der argentinisch-kärntnerische Landwirt Stefan Aichholzer die kleinen Bäume. Dabei geht es darum, die Gehölze in Schalen als Miniaturversionen ihrer selbst zu ziehen: „Ziel ist es, dass der Baum wie ein alter, charakterstarker Baum in der Natur aussieht“, erklärt Aichholzer, während er durch seinen Garten schlendert.

Immer wieder biegt er den Draht zurecht, den er um die kleinen Äste wickelt, oder zwickt hier und da ein Blatt ab. „Bonsai ist eine lebende Kunstform, man hat immer was zu tun“, erzählt der 39-Jährige. Für seine Zucht hat er einen alten Bauernhof in St. Stefan gekauft und mit einigen Tonnen Erde den Garten hergerichtet.

Durch Zufall auf den Bonsai gekommen

Ein Schritt, der von langer Hand geplant war, denn seit 2012 arbeitet Aichholzer daran. Damals, mit Mitte 20, habe er in einer Biomülltonne einen Baumstumpf entdeckt, den jemand entsorgt hatt. Aus einer Laune heraus setzte er ihn in der Wohnung in Graz in einen Topf, wo der Baum wieder austrieb. Seine Mutter staunte nicht schlecht über den Bonsai. „Das sagte mir damals gar nichts und so begann ich zu recherchieren. Ich war von Anfang an fasziniert davon, wie man Bäume in einer Schale so schön und naturnah gestalten kann“, erinnert sich Aichholzer.

Er näherte sich damit auch seinen Wurzeln in Argentinien an, wo er bis zum 13. Geburtstag auf einer Farm lebte: „Die Landwirtschaft hat mich nie losgelassen.“ 2019 fand er dann den südoststeirischen Hof und wohnt seither hier bei seinem Lebensprojekt.

Dabei genießt er die Arbeit in der Natur, die ihn eng mit den Jahreszeiten und dem Wetter verbindet. „Die Landwirtschaft, die Bäume und ich sind eins geworden. Das entspannt und man erlebt oft ‚Wow-Momente‘, wenn man sieht, was die Natur alles kann“, so der Bonsai-Züchter.

Jeden Tag arbeitet Aichholzer an den Bonsais

Arbeit heißt dabei, im Herbst Samen seiner Mutterpflanzen zu sammeln, die am Rand des Gartens gedeihen. Daraus zieht Aichholzer dann Stecklinge, die er wieder im Garten einpflanzt, mehrmals umsetzt und nach einigen Jahren in Schalen platziert. Ab da kann man von einem Bonsai sprechen, allerdings: „Es ist ein lebendes Projekt, das nie fertig ist. Der Baum wächst immer weiter und muss ständig geformt werden.“

Durch die Zucht aus eigenen Samen, für die Aichholzer auch heimische Arten, wie Lärche, Ulme oder Quitte verwendet, kann der 39-Jährige das Werk von Anfang an begleiten: „Das ist mir wichtig. So kann ich zu jedem Bonsai eine Geschichte erzählen.“ Damit hat er in Österreich auch ein Alleinstellungsmerkmal – auf Messen und über Bonsaivereine in jedem Bundesland verkauft er zwischen 150 und 200 Stück pro Jahr.

Steigende Nachfrage nach Bonsais

Dabei kommt der südoststeirische Bonsaizüchter erst jetzt so richtig in Fahrt: „Ich wusste, ich werde zehn Jahre nichts verkaufen, denn ich wollte alle Altersbereiche abdecken.“ Derzeit arbeitet er noch 25 Stunden bei der Caritas, bald schon will sich Aichholzer aber rein auf seine lebenden Kunstwerke fokussieren. „Man kennt inzwischen auch meine Handschrift“, sagt er durchaus mit Stolz.

Aktuell limitiert ihn aber nicht die Nachfrage, sondern eher der eigene Drang zu höchster Qualität, sagt der Wahl-Südoststeirer: „Man kann schnell mal 1000 Samen ansetzen, aber man muss die Bäume ja auch aufziehen.“

Neben der steigenden Nachfrage beobachtet Aichholzer vor allem einen Anstieg bei den Mitgliedern der Bonsaivereine. „Vielleicht sehen das viele als Gegenentwicklung zur hektischen Welt, um Ruhe und Einklang mit der Natur zu finden“, überlegt Aichholzer. Er hat jedenfalls einen Ort der Ruhe gefunden – hier zwischen den Bonsais am Steinberg.