„Ich bin eine Skifahrerin“, erklärte Lara Colturi in Spielberg in nahezu perfektem Deutsch. Der Grund dafür ist aber nicht der Besuch beim Formel-1-Grand-Prix, sondern ein vollzogener Umzug nach Österreich. Seit mittlerweile eineinhalb Monaten wohnt die 19-jährige Italienerin, die im Skizirkus für Albanien an den Start geht, in Wals bei Salzburg und somit auch erstmals alleine. „Meine Mama war in dieser Zeit aber schon für eine ganze Woche da“, scherzt Colturi. „Das war schön, ich vermisse sie ja auch. Aber es fühlt sich jetzt schon so an, dass ich erwachsener geworden bin, auch mit dem Wechsel der Skimarke. Außerdem habe ich die Schule abgeschlossen. Ich habe jetzt mehr Kontrolle meinerseits und fühle mich älter.“ Apropos Wechsel: Nach langen Jahren verließ Colturi Blizzard und unterschrieb bei Head; mit den „Rebels“ soll der nächste Schritt gelingen.

Trotz der eigenen Gefühlslage zählt sie mit ihren 19 Jahren noch immer zu den absoluten „Youngsters“ im alpinen Ski-Weltcup. Während andere in diesem Alter noch auf FIS-Ebene unterwegs sind, hat Colturi bereits sieben Weltcup-Stockerplätze auf ihrem Konto. „Ich bin wirklich zufrieden mit meiner Saison gewesen. Nach Neuseeland war ich mir nicht sicher, wie gut ich mit meinen Rückenproblemen trainieren kann. Während der Saison war ich dann auch einmal krank, also musste ich immer kämpfen. Ich bin stolz, dass ich immer 100 Prozent gegeben habe.“ Im kommenden Winter soll eben auch dank des neuen Materials der nächste Schritt gelingen. Zudem arbeitet die Red-Bull-Athletin, die Teil des „Athletes Special Projects“ des Energy-Drink-Herstellers ist, seit geraumer Zeit mit Athletik-Trainer Martin Hager zusammen. Der wiederum hat bereits Stars wie Alexis Pinturault und Lindsey Vonn in Form gebracht. Er war auch der Hauptgrund für den Umzug nach Österreich. Colturi: „Ich wollte mich voll und ganz auf das Krafttraining fokussieren und gebe mit ihm richtig Gas. Deshalb geht es auch noch nicht so früh auf den Gletscher wie im Vorjahr.“

Lara Colturi fährt ab der kommenden Saison für Head
Lara Colturi fährt ab der kommenden Saison für Head © Head

Colturi im Super-G am Start

In den kommenden Wochen würde es neben dem Krafttraining vor allem darum gehen, die neuen Bretter aus dem Hause Head zu verstehen, wenn es dann Ende des Monats in der Schweiz auf die Gletscher gehen soll, dann geht es um die halbe Welt. „Wir wollen die Balance finden mit dem Setup und darum wird es dann in Neuseeland auch gehen.“ Neben den kurzen Ski werden im Arsenal der für Albanien startenden Italienerin auch längere Latten zu finden sein. „Man wird mich kommende Saison auch bei ein paar Super-G-Rennen sehen. Ich muss noch entscheiden, welche genau das sein werden, aber vier bis fünf sollen sich ausgehen.“ Ob damit auch die Jagd auf die große Kristallkugel gestartet hat? „Das ist der Traum aller Skifahrerinnen. Aber es geht Schritt für Schritt, vielleicht vorher einmal eine kleine Kugel oder eine Medaille, dann schauen wir weiter.“

Manchmal müsse sie sich noch immer zwicken, wenn sie im Winter auf der Skipiste steht. „Als ich mit 16 direkt in den Weltcup gekommen bin, habe ich plötzlich neben Mikaela Shiffrin und Petra Vlhova die Piste inspiziert und konnte es nicht fassen“, erinnert sich Colturi. „Jetzt gewöhne ich mich langsam daran, dass das mein Leben ist. Wir sprechen öfter.“ Die Erfolge der 19-Jährigen blieben auch in Albanien nicht unbemerkt, der Wintersport etabliert sich nach und nach im Balkanstaat. „Es gibt auch einige Skigebiete und ich war dort im Mai auf Urlaub. Es gibt so viele nette Menschen dort, es ist wunderschön. Und wenn ich daran denke, dass manche wegen mir mit dem Sport beginnen, macht mich das sehr stolz.“