Über Berge, durch den See und sogar aus einem anderen Bundesland werden heute Abwässer zur Verbandskläranlage des WVO oder zur Kläranlage Villach, an der der WVO beteiligt ist, geleitet. Selbst steirische Abwässer gelangen über das Kanalnetz des Verbandes nach Feldkirchen zur Reinigung. Der tiefstgelegene Schacht befindet sich auf etwa 400 Metern Seehöhe, der höchstgelegene auf rund 2000 Metern auf der Gerlitzen. Am Grunde des Ossiacher Sees selbst verlaufen auf einer Länge von 37 Kilometern Druckleitungen – verborgen vor den Augen der Menschen. Das Einsatzgebiet des Wasserverbandes ist ebenso außergewöhnlich wie umfangreich.

Als der Verband in den 1960er-Jahren gegründet wurde, konnte kaum jemand erahnen, welche Dimensionen er einmal annehmen würde. „Der Wasserverband ist der älteste in Kärnten und einer der ältesten in Österreich“, sagt Geschäftsführer Norbert Schwarz nicht ohne Stolz. Die Beweggründe für die Gründung waren allerdings weniger erfreulicher Natur. In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren waren einzelne Zuflüsse des Ossiacher Sees aufgrund nicht genehmigter Abwassereinleitungen bakteriell belastet. Gleichzeitig wuchs der Tourismus.

Der Abwasserverband überwacht ein großes Gebiet
Der Abwasserverband überwacht ein großes Gebiet © Manfred Schusser

„Der See war in einzelnen Bereichen bereits von Badeverboten bedroht. Mehrere Bürgermeister der umliegenden Gemeinden erkannten damals, dass rasch gehandelt werden musste“, berichtet Schwarz. Allen Beteiligten war klar, dass nur ein gemeinsames öffentliches Kanalnetz den See langfristig schützen könne. Im Juli 1964 wurde daher der Wasserverband Ossiacher See gegründet.

Bereits in den Jahren 1970 und 1971 gingen die ersten Pumpstationen und die dazugehörigen Seedruckleitungen rund um den Ossiacher See in Betrieb. Im selben Zeitraum wurden die Verbandskläranlage in Feldkirchen sowie die Kläranlage in Villach errichtet. Waren anfangs fünf Gemeinden Mitglied des Verbandes, ist die Struktur heute deutlich umfangreicher. Zu den ordentlichen Mitgliedern zählen die Kommunen Himmelberg, Feldkirchen, Steindorf, Ossiach, Treffen sowie die Stadt Villach mit dem Gebietsteil der ehemaligen Gemeinde Landskron. Darüber hinaus bestehen privatrechtliche Vereinbarungen mit dem Reinhalteverband Nockberge – und damit mit den Gemeinden Gnesau, Reichenau und Stadl-Predlitz in der Steiermark – mit Teilen der Gemeinden Glanegg und Afritz über den Wasserverband Millstätter See sowie mit Steuerberg, St. Urban und Teilen von Moosburg.

Als der Kanal gelegt und die Kläranlage gebaut wurde
Als der Kanal gelegt und die Kläranlage gebaut wurde © Manfred Schusser

Zwischen 25 und 30 Mitarbeiter sorgen beim WVO für einen reibungslosen Betrieb, wobei die Anzahl aufgrund saisonaler Beschäftigungen leicht schwankt. Neben dem weit verzweigten Kanalnetz mit rund 250 Abwasserpumpstationen und etwa 500 Pumpen betreibt der Verband auch zwei technische Büros. Die Fachbereiche Wasserwirtschaft und Kulturtechnik sowie Elektrotechnik ermöglichen es dem Verband, zahlreiche Leistungen selbst zu erbringen – von der Planung über die Bauaufsicht und Rechnungskontrolle bis hin zur Planung und zum Bau elektrotechnischer Schaltanlagen. Auch zwischen den Mitgliedsgemeinden wird eng zusammengearbeitet, etwa bei Unwetterereignissen.

Bürgermeister Martin Treffner (rechts) ist Obmann des Wasserverbands
Bürgermeister Martin Treffner (rechts) ist Obmann des Wasserverbands © Manfred Schusser

Obmann des Wasserverbandes ist Feldkirchens Bürgermeister Martin Treffner (ÖVP). „Ich bin stolz darauf, einem derartigen Vorzeigebetrieb vorstehen zu dürfen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten tagtäglich hervorragende Arbeit“, betont Treffner. Wer eine Karriere beim WVO starten möchte, hat derzeit ebenfalls die Möglichkeit dazu: Aktuell werden wieder Lehrlinge gesucht.

Ein wahres Meisterstück des WVO bleibt den meisten Menschen verborgen. Tief am Grund des Ossiacher Sees befindet sich ein 37 Kilometer langes Netz aus rostfreien Kunststoff-Seedruckleitungen. Die ersten Leitungen wurden bereits in den 1970er-Jahren verlegt, weitere folgten in den 1980er-Jahren. Im Jahr 2015 wurde das System erneut erweitert. Heute verfügt jeder Leitungsabschnitt über Doppel- und teilweise sogar Dreifachleitungen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurde die Lebensdauer der Leitungen untersucht. Unter den gegebenen Bedingungen wurde eine Haltbarkeit von rund 100 Jahren prognostiziert. „Die Leitungen liegen wie in Watte gebettet im Seeschlamm. Dort herrschen konstante Temperaturen, es gibt keine Sonneneinstrahlung und keine Druckstöße. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das nahezu ideal.“

So wurden die Seedruckleitungen damals verlegt
So wurden die Seedruckleitungen damals verlegt © Manfred Schusser

Seit 2010 investiert der Verband massiv in die Sanierung der bestehenden Infrastruktur. Regelmäßig sind deshalb zwei Kanal-TV-Fahrzeuge für Inspektionen unterwegs. „Nur wer regelmäßig kontrolliert, kann Schäden frühzeitig erkennen“, sagt Schwarz, der den Verband seit 2004 leitet.

Das Herzstück des Wasserverbandes ist die Verbandskläranlage in Feldkirchen. Bei Starkregenereignissen fallen hier bis zu 4000 Liter Abwasser pro Sekunde an, bei Trockenwetter durchschnittlich zwischen 50 und 60 Liter pro Sekunde. Das Abwasser verbleibt zwischen 30 und 35 Stunden in der Anlage, bevor es über eine 4,5 Kilometer lange Druckleitung über die Wasserscheide aus dem Einzugsgebiet des Ossiacher Sees in jenes der Glan gepumpt wird. „Kein gereinigtes Abwasser gelangt in den Ossiacher See. Damit leisten wir einen entscheidenden Beitrag zur hervorragenden Wasserqualität des Sees.“ Während Corona diente die Kläranlage zudem der Untersuchung von Virenrückständen im Abwasser. Darüber hinaus beteiligte sich der WVO an einem EU-Forschungsprojekt zur Messung von Medikamentenrückständen.

In der Kläranlage landet das Abwasser
In der Kläranlage landet das Abwasser © Manfred Schusser

Geschäftsführer Schwarz appelliert an die Bevölkerung, keine Medikamente oder andere Gegenstände über die Toilette zu entsorgen. Immer wieder würden ungewöhnliche Dinge in der Kanalisation oder am Zulaufrechen der Kläranlage gefunden werden – darunter sogar Zahnprothesen. Besonders innovativ ist auch der Umgang mit dem anfallenden Klärschlamm. „Wir haben ein Verfahren entwickelt, mit dem wir einen Trockensubstanzgehalt von rund 90 Prozent erreichen. Die Anlage ist in dieser Form einzigartig“, erklärt Schwarz.

Betriebsleiter Dietmar Kohlweg mit den Klärschlamm-Pellets
Betriebsleiter Dietmar Kohlweg mit den Klärschlamm-Pellets © Manfred Schusser

Der zunächst noch feuchte Klärschlamm mit rund 30 Prozent Trockensubstanz wird in einer speziellen Trocknungsanlage zu festen Pellets verarbeitet, deren Heizwert jenem von Braunkohle entspricht. Für den Trocknungsprozess werden die Abgase der beiden Blockheizkraftwerke genutzt, bevor diese in die Umwelt gelangen. Zusätzlich kommt ein großes elektrisches Heizregister zum Einsatz, das mit überschüssigem Strom aus der Photovoltaikanlage betrieben wird. „Durch dieses Verfahren reduzieren wir die Kosten der Klärschlammentsorgung um rund 60 Prozent und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz“, erklärt Betriebsleiter Dietmar Kohlweg, er ist das Hirn hinter der Anlage.

Die Mitarbeiter des WVO sind das ganze Jahr über im Einsatz. Im Hintergrund sieht man den Faulturm
Die Mitarbeiter des WVO sind das ganze Jahr über im Einsatz. Im Hintergrund sieht man den Faulturm © Manfred Schusser

Das langfristige Ziel der Kläranlage, deren Mitarbeiter an 365 Tagen im Jahr im Einsatz sind, ist die energietechnische Autarkie. Mit Photovoltaikanlagen, zwei Blockheizkraftwerken, zwei zusätzlichen Batteriespeichern sowie drei Wasser-Wasser-Wärmepumpen befindet sich der Verband bereits auf einem sehr guten Weg dorthin. Im sogenannten Faulturm entsteht aus Klärschlamm und organischen Reststoffen Klärgas, das anschließend zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Sogar die gesamten Speisereste aus dem Küchenbetrieb der Diakonie Waiern werden angeliefert und dort von Mikroorganismen abgebaut.

Der Betriebsleiter inmitten einer Pumpstation am Ossiacher See
Der Betriebsleiter inmitten einer Pumpstation am Ossiacher See © Manfred Schusser

Abseits der Kläranlage betreut der Verband rund 33.000 Schachtbauwerke – also alles, was mit einem Kanaldeckel verschlossen ist. Eine der größten Pumpstationen befindet sich in Tschöran direkt am Ossiacher See. Dort sorgen sechs Pumpen mit einer Förderleistung von jeweils bis zu 100 Litern pro Sekunde und ein Notstromaggregat für einen sicheren Betrieb. Das Gebäude fügt sich harmonisch in die Landschaft ein und wird durch ein hölzernes Häuschen ergänzt, das zugleich als Bootsanlegestelle für Polizei und Wasserrettung dient. Darüber hinaus verfügt der Verband über zwei eigene Arbeitsboote.

Auch Kanalsanierungen gehören zu den alltäglichen Aufgaben
Auch Kanalsanierungen gehören zu den alltäglichen Aufgaben © Manfred Schusser

All diese Zahlen und Anlagen verdeutlichen, weshalb der älteste Wasserverband Kärntens bis heute eine Vorreiterrolle einnimmt. „Wir handeln stets nach den Grundsätzen der Sparsamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit. Schließlich arbeiten wir mit öffentlichen Geldern und tragen dafür eine besondere Verantwortung. Zugleich agieren wir in vielen Bereichen sehr privatrechtlich und unternehmerisch“, sagt Schwarz abschließend.