Heute Abend wird in Wien der Österreichische Filmpreis wieder in 17 Kategorien vergeben. 20 Filme sind nominiert, verteilt auf 94 nominierte Filmschaffende. Die Organisatoren des Österreichischen Filmpreises wiesen im Vorfeld sogar auf einen neuen Einreichrekord bei den Nominierungen hin. Hier darf sich vor allem Alexandra Makarová mit ihrem Drama „Perla“ freuen. Mit 13 Nominierungen erzielt der Film einen Rekord. Mit etwas Abstand folgen Adrian Goigingers „Vier minus drei“ und Andreas Prochaskas „Welcome Home Baby“ mit jeweils acht Nominierungen.
Horrorkino gewinnt also an Prominenz, sowie eine Vielfalt an Frauen- und migrantischen Stimmen. Auch nicht unspannend: die Nivellierung der Kandidaten. Man nehme etwa die Kategorie Dokumentarfilm. Einer der großen Favoriten, „Noch lange keine Lipizzaner“ von Olga Kosanović, wurde mit wesentlich weniger Budget gedreht als einige seiner Mitstreiter. Von den Zuschauerzahlen und den Nominierungen würde man diesen Unterschied aber nicht merken.
Ob nun die Lipizzaner oder der Spielfilm „White Snail“, mit seinen frischen Stimmen ist der österreichische Film im Umbruch. Diese Veränderung braucht er auch, denn in einem immer dichter werdenden Dschungel aus europäischen Filmen muss sich die Branche fragen: Welche Art von Filmen will man? Welchen Platz soll Österreich einnehmen mit seinem Charakter und seinem Geschmack?
„Festivalnation“ Österreich
Österreich hatte als Filmnation lange den Ruf, auf Festivals sehr erfolgreich zu sein – zuletzt etwa gab es bei der Berlinale den Silbernen Bären für Hauptdarstellerin Sandra Hüller in Markus Schleinzers „Rose“; und in Cannes die Auszeichnung für Sandra Wollners „Everytime“ als bester Film der Sektion Un Certain Regard.
An den heimischen Kinokassen gilt der Erfolg derartiger Werke als eher durchwachsen, wenn es nicht gerade um breit gestreute Werke wie „Aufputz is‘“ oder „Griechenland“ geht. Doch im Zeitalter des Streaming gibt es hier erste Kontinentalverschiebungen. Der österreichische Film wird internationaler. Zwar war es schon zu den Zeiten eines Michael Haneke normal, dass man mit Erfolg im Ausland drehte. Aber dann ist da aktuell Marie Kreutzers Cannes-Wettbewerb-Film „Gentle Monster“, der vermutlich international auf Netflix starten wird. Hier ermöglichten die Standortfördergelder des ÖFI+, dass der Film, trotz der Ko-Finanzierung mit Deutschland und Frankreich, mehrheitlich österreichisch blieb.
Genau um diese Fördermittel ringt die Branche. ÖFI+ war nach einer ungedeckelten Ausschüttung in den Jahren 2023–2024 erschöpft, bereits 2025 wurde ein harter Antragsstopp verhängt. Nun sieht die Branche sich in ihrer Produktionsfähigkeit gefährdet. Dabei konnte das heimische Kino zuletzt zwölf österreichische Filme bei der Berlinale sowie drei Filme bei den Filmfestspielen in Cannes vorweisen.
Doch zurück zu „Gentle Monster“ und Netflix: So viel Geld auch in die Produktionen gepumpt wurde, die Verbreitung wird in Österreich noch immer sehr stiefmütterlich behandelt – das nun das Stadt-Land-Gefälle ist mit der Konzentration vieler Premieren und Werbeanzeigen auf Wien, oder die internationale Distribution.
Was schade ist, denn Filme wie „Perla“ konnten überall dort reüssieren, wo sie gezeigt wurden. Die Ergänzungsförderungen und die Verbreitungsförderung von ÖFI+ laufen übrigens trotz der Kürzung der Herstellungsförderung noch weiter.
Hoffen auf die Streamingabgabe
Wo sich der österreichische Film in Zukunft eine weitere Einnahmequelle erhofft, ist eine vom SPÖ-geführten Bundesministerium für Kunst, Kultur und Medien angedachte Streamingabgabe für jene Plattformen, die österreichisches Publikum und Filmtalent bedienen – zahlreiche Werbegelder fließen zu ihnen ab. Die Filmbranche spricht sich dafür aus, der Koalitionspartner ÖVP sowie die heimischen Privatmedien und Telekommunikationsverbände halten dagegen.
Am Schauplatz Cannes
Im Gesetzestext sind jedoch nur sogenannte Abrufdienste adressiert. Das heißt: Lineare Dienste kleiner österreichischer Fernsehstationen wären gar nicht betroffen. Auch sei hier festgehalten, dass – unabhängig von ihrer Regierungspolitik – viele Länder in Europa bereits ähnliche Modelle haben: das konservativ gelenkte Deutschland ebenso wie das links regierte Spanien.
Ob bis zum Österreichischen Filmpreis 2027 daher schon bessere Finanzierungsmittel installiert sind, ist noch offen. Faktum ist, bei den Filmen darf man sich wieder auf bewährte Namen, neue, aufregende Stimmen und einige Festivalerfolge freuen.