Ein Schmetterling setzt sich auf die Stirn und will nicht mehr weiterfliegen – ganz so, als wolle er die menschlichen „Eindringlinge“ daran erinnern, wessen Zuhause sie gerade ungefragt betreten haben. Auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei gegenüber von Schloss Tanzenberg wachsen heute unterschiedliche Gräserarten, Wiesenblumen und Wildkräuter. Landwirt Gerhard Aichwalder hat den Grund gepachtet, um das Gras als Futtermittel für seine Pferde zu nutzen. Aber vor Anfang oder Mitte Juni sieht man dort weder Sense noch Mähwerk.
„Der obere Teil ist eine Biodiversitätsfläche, dort mähen wir normalerweise erst im August das erste Mal. Heuer wurde das wegen der lang anhaltenden Trockenheit für eine frühere Nutzung geöffnet, weil die Futtermittel benötigt werden“, erklärt Aichwalder, der mit seiner Frau Sonja, den beiden Töchtern im Alter von 12 und 14 Jahren und zwei Mitarbeitern den „Adamhof“ in Arndorf bei Maria Saal bewirtschaftet.
Richtiger Zeitpunkt
Der Hof ist ein Biobetrieb mit Kreislaufwirtschaft und ist beteiligt am Agrarumweltprogramm ÖPUL. Im Rahmen dieses Programms verpflichten sich Landwirte unter anderem, sieben Prozent ihrer Acker- und Grünlandflächen als Biodiversitätsflächen zur Verfügung zu stellen. Etwa 15 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Kärntens werden dadurch bereits für die Erhaltung und Steigerung der Biodiversität bereitgestellt.
Die teilnehmenden Landwirte unterliegen strengen Regeln, wie etwa dem vorgegebenen Mahdzeitpunkt auf diesen Flächen. Und das hat einen guten Grund, weiß Aichwalder: „Wenn man eine Wiese schon im Mai mäht, hat das Gras keine Zeit, selbst Samen auszubilden, und man muss nach ein paar Jahren nachsäen.“ Eine erste Mahd nach dem 1. August wiederum dient dem Schutz gewisser Vogelarten, die vorher in Wiesen oder auf Feldern brüten.
Nicht nur durch Monitoring, bei dem Arten gesichtet und gezählt werden, zeigt sich, dass die Biodiversitätsmaßnahmen Früchte tragen. „Am besten merkt man das, wenn man sich in die Wiese setzt und hinhört“, weiß Aichwalder. Dort ist es richtig laut. Bienen und Fliegen summen, Grillen zirpen – Aichwalder kann sogar unterschiedliche Grillenarten ausmachen – und am Rande der Wiese, zwischen Bäumen und Sträuchern, flattern und zwitschern unterschiedliche Vogelarten.
Eigene Saatgutmischungen
Ohne gezielte Bewirtschaftung wäre das aber nicht möglich. Eigens entwickelte Saatgutmischungen, die auf Biodiversitätsflächen ausgebracht werden dürfen und aus verschiedenen Pflanzenfamilien bestehen, sorgen dafür, dass die Artenvielfalt erhalten bleibt. Um die in der Wiese lebenden Tiere beim Mähen zu schützen, seien wiederum Werkzeuge und Technik entscheidend, weiß Aichwalder: „Mäht man von innen nach außen, haben Insekten die Möglichkeit, an den Rand der Wiese zu flüchten.“
In einer Ecke der Wiese deutet der Landwirt auf eine Stelle, die der Biodiversität entgegen steht: „Dort wächst immer wieder Springkraut. Diese Neophyten bereiten uns Probleme, denn wir dürfen nicht zu früh mähen, müssen aber dafür sorgen, dass sie sich nicht zu sehr ausbreiten.“
Krater als Vogelparadies
Die zweite Biodiversitätsfläche der Familie Aichwalder liegt am Zollfeld direkt neben bewirtschafteten Äckern, ist durch ihre permanente Feuchtigkeit aber schwer zu bewirtschaften und andererseits ein Paradies für Vögel. „Ein Teil davon liegt komplett brach, die Biodiversitätsfläche befindet sich neben einem kleinen Teich, einer Ausgleichsfläche der ÖBB“, erklärt der Landwirt und zeigt auf einen Bussard, der aus den Büschen aufsteigt: „Wir sehen hier auch oft Wildenten, Reiher und Störche.“ In einem ehemaligen Bombenkrater aus dem Zweiten Weltkrieg sammelt sich Wasser, dort wachsen Sträucher und Schilf, die nicht nur Wasservögeln als Rückzugsorte dienen.
Natürlicher Kreislauf
Den Kreislauf der Natur zu berücksichtigen, ist dem Biobauern, der den Hof von seinen Eltern übernommen hat, wichtig. „Wir bewirtschaften 25 Hektar Acker- und Grünland, etwa zehn Hektar Wald und haben etwa 100 Schweine mit acht Zuchtsauen und einem Eber. Die Ferkel werden bei uns am Hof geboren und die Schweine werden auch hier geschlachtet.“ 70 bis 80 Prozent der Futtermittel stammen aus Eigenproduktion. Auch Brot und Gebäck werden dank Dinkel- und Roggenanbau sowie der hofeigenen Mühle komplett selbst hergestellt. Dazu kommen neben Fleischprodukten, wie Salami oder den im Sommer beliebten Grillprodukten, auch Vegetarisches und Veganes, wie der Sonnenblumen-Aufstrich „Sonnengruß“.
Eigenvermarktung
Um die Wege zu verkürzen und auch so die Umwelt zu schonen, verkauft Familie Aichwalder die veredelten Produkte ab Hof, freitags immer in Bedienung, sonst in Selbstbedienung. „Es ist uns wichtig, mit unseren Kunden in Kontakt zu treten.“ Besonders schön sei es, positives Feedback zu bekommen. Aber auch auf Kritik könne man direkt reagieren und sich mit den Kunden aussprechen.
Fruchtbares Ackerland
„Wir haben hier eine so wunderschöne Landschaft, eingebettet zwischen mehreren Bergketten. Mir wäre es ja am liebsten, wir würden ganz Kärnten renaturieren“, sagt Aichwalder mit einem Augenzwinkern. Er sieht es dennoch positiv, dass die Auswahl der Biodiversitätsflächen weitgehend den Landwirten selbst überlassen bleibt: „Manche nehmen dafür Streifen an Waldrändern her, so genannte Blühstreifen, oder besonders steile Flächen, die ohnehin schwer zu bewirtschaften sind. Denn es muss auch sichergestellt werden, dass das fruchtbare Ackerland weiterhin für die Produktion von Lebensmitteln zur Verfügung steht.“