Selten stand eine Fußball-Weltmeisterschaft schon vor dem Anpfiff so in der Kritik wie jene, die am 11. Juni in den USA, in Kanada und Mexiko beginnt. Auch in Klagenfurt, wo über die Sinnhaftigkeit des Public Viewings am Neuen Platz diskutiert wird. Die Übertragung, die teilweise bis in die Morgenstunden andauern darf, stößt nämlich nicht nur auf Wohlwollen.

„Schon das normale Public Viewing ist grenzwertig. Jetzt ist es aber völlig absurd“, sagt Andrea Biro-Unzeitig vom Hotel Palais Porcia. Ihr Haus am Neuen Platz empfängt seit 60 Jahren Gäste aus aller Welt. Dass vor den Nasen der Touristen Fußballspiele bis spät in die Nacht gezeigt werden, stört Unzeitig. „Wir sind quasi ausgebucht. Ich habe jetzt schon Angst vor den Reaktionen“, sagt die Hausherrin, die von einer „Hinrichtung“ des Neuen Platzes spricht.

Für Unzeitig ist die Übertragung nicht in Ordnung
Für Unzeitig ist die Übertragung nicht in Ordnung © Markus Traussnig

Spiel um 4 Uhr ist vom Tisch

Unzeitigs Sorgen drehen sich vor allem um die Nachtspiele. 48 der 104 WM-Spiele dürfen am Neuen Platz gezeigt werden. Darunter die Gruppenspiele Frankreich gegen Irak sowie Kroatien gegen Ghana, die jeweils um 23 Uhr beginnen. Die Stadt erteilte Veranstalter Manfred Dobesch die Erlaubnis für die Übertragung bis 1 Uhr. In den K.-o.-Runden sind vier weitere Übertragungen bis 2 Uhr morgens gestattet. Österreichs Auftaktpartie gegen Jordanien um 6 Uhr wird wie die Partie gegen Argentinien um 19 Uhr gezeigt. Endgültig vom Tisch ist das Duell gegen Algerien um 4 Uhr.

Warum die Übertragung um 6 Uhr möglich ist, um 4 Uhr aber nicht? Weil die 6-Uhr-Partie am „Übergang zum Tagesbetrieb“ startet und nicht in die „nächtliche Ruhephase“ fällt, heißt es aus dem Magistrat, für den das Genehmigungsverfahren alles andere als einfach war. Die Behörde holte lärmtechnische, medizinische, brandschutztechnische, bautechnische sowie sicherheitspolizeiliche Erklärungen ein und nahm auf Basis dessen eine „Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an gemeinschaftlichen Sportübertragungen und dem Schutz der Anrainer“ vor. So gilt grundsätzlich ein „Zapfenstreich“ um Mitternacht. Die Ausnahmen bis 1 bzw. 2 Uhr werden „als vertretbar“ angesehen.

Freude im Moser Verdino

Auch für Nathalie Lorenz geht das Fußball-Fest in der Innenstadt in Ordnung. Sie leitet das Hotel Moser Verdino, das sich zwar nicht unmittelbar am Platz, aber in Sichtweite der Veranstaltung befindet. „Ich glaube nicht, dass es zu Problemen kommen wird“, meint die Hoteldirektorin. Sie freut sich, dass Klagenfurt damit belebt wird. „In der Vergangenheit genossen unsere Gäste das Public Viewing. Viele haben es von der Terrasse aus selbst mitverfolgt.“ Um die Durchführung für alle Anrainer erträglich zu gestalten, wird dem Schallpegel ein Riegel vorgeschrieben. Die Behörde kontrolliert die Einhaltung aller Rahmenbedingungen. „Verstöße können verwaltungsstrafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen“, heißt es von dort.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und eine entgegenkommende Regelung getroffen, damit 48 Spiele live übertragen werden können“, sagt Bürgermeister Christian Scheider (FSP), der auf fehlende Großübertragungen in Graz oder Wien verweist. 150.000 Besucher erwartet man sich in Klagenfurt, rund 600.000 Euro kostet das Public Viewing dem Veranstalter. Die zugesicherten 50.000 Euro von der Stadt könnte Dobesch noch vor Beginn der WM erhalten. Am Mittwoch wird im Gemeinderat erneut über die Überweisung diskutiert.