Je internationaler man tätig ist, desto mehr gehören Flugreisen zum Alltag eines Fußballprofis. Sei es mit dem Verein zu Auswärtsspielen im Europacup oder im Umfeld des Nationalteams. Gerade einer wie Marko Arnautovic mit Vergangenheit in China sollte genau wissen, was die Mannschaft beim Langstreckenflug erwartet. „Sitzen, essen, zum WC gehen, mit den Jungs sprechen und schauen, dass irgendwie die Zeit vergeht“, grinst Österreichs Rekordinternationaler.

Viel wurde in den letzten Wochen und Monaten geredet, diskutiert und gefachsimpelt. Heute, kurz vor 10 Uhr, geht die WM-Mission endlich los, hebt der Austrian-Flug mit der ÖFB-Delegation ab. Rund zwölf Stunden später erfolgt die Landung in Los Angeles samt Weiterreise nach Goleta bei Santa Barbara ins „Ritz-Carlton Bacara“.

Auch wenn die meisten Teamspieler als Vielflieger durchgehen, fühlt es sich diesmal ein wenig anders an, wie Alexander Schlager zugibt: „Es ist natürlich etwas Besonderes, wir fliegen zu einer WM. Das ist das Größte, was es im Fußball gibt.“ Quasi mit im Gepäck befindet sich die positive Stimmung, die das Nationalteam in der Heimat mit der ersten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft seit 28 Jahren entfacht hat. „Wir haben uns die Euphorie im Lande erarbeitet, die spürt man einfach. Ich habe diese Woche irgendwo gelesen, dass es das ganze Land vereint, dass wir als Mannschaft so viel positive Energie kriegen. Ich glaube, es gibt schlechtere Dinge. Dafür haben wir eine große Wertschätzung und wollen das Land bestmöglich repräsentieren“, meint der Salzburg-Schlussmann, der beim Auftakt gegen Jordanien im Tor stehen wird, wenn alles wie geplant läuft.

Weil nicht alle Fußballfans des Landes persönlich viel Glück und eine gute Reise wünschen können, übernimmt diese Aufgabe stellvertretend Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der die Mannschaft gemeinsam mit Sportminister Andreas Babler und Staatssekretärin Michaela Schmidt am Flughafen Wien-Schwechat offiziell in die USA verabschieden wird.

Die Vorzüge des Basecamps

Vor Ort an der Westküste startet dann die intensive Phase der Turniervorbereitung. „Wir freuen uns alle rüberzufliegen und dort noch mal zehn, zwölf Tage richtig gut zu trainieren, damit wir körperlich, taktisch und mental voll bereit sind für das Turnier“, erläutert Phillipp Mwene. Damit alle Rahmenbedingungen passen und es der Mannschaft so gut wie möglich an nichts fehlt, entschied man sich für die direkt an der Pazifikküste gelegene Nobel-Unterkunft als Basecamp.

„Es gibt Balkone und Fenster, die man öffnen kann. Man kann schnell einmal zum Meer rausgehen, auch die Wege zum Training und Flughafen sind kurz. Dieses Basecamp wird uns sehr viel geben“, preist Lennart Coerdt die Vorzüge des Quartiers an. Der Deutsche fungiert im ÖFB als Projektmanager für die WM und ist für die Organisation und den möglichst reibungslosen Ablauf dieses logistisch herausfordernden Trips zuständig. Deswegen reiste er auch bereits zwei Tage vor dem restlichen Tross an, um zu schauen, dass alles vorbereitet ist: „Denn ich liebe keine Überraschungen. Man hat nur eine Chance für den ersten Eindruck.“ Österreichs Quartier war übrigens nicht im offiziellen FIFA-Katalog möglicher Basecamps gelistet und ursprünglich per Option von Australien reserviert. Erst ein Rückzieher von „Australia“ ließ „Austria“ doch noch zum Zug kommen. „Das war reiner Zufall. Auf einmal gab es die Option, und da muss man das Glück beim Schopf packen“, so Coerdt.

So haben die rot-weiß-roten Fußball-Hoffnungsträger zumindest die Chance, den Beachboy in sich zu entdecken und sogar an ihren Surfkünsten zu feilen. „Von Surfen bin ich ganz weit weg, auch wenn ich es am Mondsee hin und wieder probiert habe“, lacht Schlager, „aber ich bin gespannt. Ich war noch nie an der Westküste und freue mich einfach sehr auf die Reise.“ Deren Hauptzweck ist jedoch fußballerischer Natur. Mit welchem Traum er konkret in den Flieger steigt, möchte Arnautovic nicht verraten, aber: „Träumen darf man immer, auch mit 37.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass der Traum einen neuen Feiertag beinhaltet und er diesen „Running Gag“ beim Bundespräsidenten vor dem Abflug noch einmal anbringt, ist hoch.