„Kärntner Gemeinde verkauft ihr Thermalwasser für private Pools“ – diese Schlagzeile aus Bad Bleiberg sorgte kürzlich für Aufsehen. Bürgermeister Christian Hecher (ULB) verkündete Mitte Mai, dass seine Gemeinde, im Gegensatz zu vielen anderen Kärntner Gemeinden, nicht unter Wasserknappheit leide und man daher ab sofort bereit sei, private Pools mit Bad Bleiberger Thermalwasser zu befüllen. Kostenpunkt: 2,99 Euro pro Kubikmeter.

Telefon steht nicht mehr still

Die Nachricht sei „um die Welt gegangen“, erzählt Hecher zwei Wochen später. Die Nachfrage sei enorm: Zwischen fünf und zehn Lkws rollen seither täglich an, um die kostbare Flüssigkeit zu privaten Pools zu bringen. Mit steigenden Temperaturen nehme auch die Zahl der Anfragen weiter zu. Pro Lkw könnten laut Hecher rund 17 Kubikmeter Wasser transportiert werden. Zur Einordnung: Ein durchschnittlicher Pool in der Größe von acht mal vier Metern und eineinhalb Meter Wassertiefe braucht knapp 50 Kubikmeter Wasser.

Mittlerweile hätten sich auch regionale Unternehmen gemeldet, die den Wassertransport übernehmen können. Die Gemeinde fungiert als Vermittlerin zwischen Poolbesitzerinnen und Poolbesitzern und den Transportunternehmen. Bisher wurde das Wasser ausschließlich innerhalb Kärntens geliefert, vor allem im eigenen Bezirk. Inzwischen gebe es aber auch Anfragen über die Landesgrenzen hinaus, etwa aus der Steiermark. „Es bessert die Gemeindekasse auf und macht den Leuten gleichzeitig Freude“, verbucht Hecher die Aktion als vollen Erfolg.

Kritische Stimmen

Nicht alle sehen das neue Geschäftsmodell jedoch so wohlwollend. Kritik kommt etwa von Gemeinderat Sepp Götz (Verantwortung Erde). „Sie verkaufen unseren letzten Schatz“, sagt er und verweist darauf, dass das Thermalwasser mittlerweile über die Gemeindegrenzen hinaus verkauft werde, während es den Bewohnerinnen und Bewohnern seit der Schließung der Therme im Jahr 2014 nicht mehr öffentlich zugänglich sei.

Die Abrissarbeiten der Therme kosteten rund 800.000 Euro
Die Abrissarbeiten der Therme kosteten rund 800.000 Euro © Helmuth Weichselbraun

Zufallsentdeckung

Die Thermalquelle in Bad Bleiberg wurde 1951 durch Zufall beim Abbau von Blei und Zink im damals noch aktiven Bergwerk entdeckt. 1964 beschloss der Gemeinderat, ein Thermal-, Hallen- und Freibad zu errichten. Es ging 1967 in Betrieb und wurde natürlich mit dem Heilwasser gespeist, das bis dahin nur das Mannschaftsbecken des Bergbauunternehmens gefüllt hatte. Rund um das Bad entstanden neue Hotels und 2003 das heutige Gesundheitshotel Vivea.