Am Donnerstag, den 11. Juni, ist Ankick zur Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA. Die Vorfreude in Österreich ist groß: Mehr als jede zweite Person plant, die Spiele zu verfolgen.

Trotz der geographischen Entfernung und der Zeitverschiebung dürfte die WM auch in Österreich ein Wirtschaftsfaktor werden, denn kein anderer Sport löst in Österreich derart starke Emotionen aus wie Fußball. Jede und jeder Dritte plant zusätzliche Ausgaben im Handel. Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Handelsverbands.

Rainer Will: „Sport und Konsum sind verbunden“

Die Shopping-Laune steigt über alle Warengruppen hinweg. Besonders profitieren dürften der Lebensmittelhandel und Anbieter rund um Grillen in Sachen Fleisch, Wurst, Snacks, Bier, Softdrinks, Wein und alkoholfreie Getränke. Darüber hinaus steigt der Bedarf an Garten- und Sportartikeln. „Von jenen Personen, die zusätzliche Ausgaben planen, werden durchschnittlich 133 Euro investiert. Hochgerechnet ergibt sich daraus ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 200 Millionen Euro für den österreichischen Handel“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. „Sport, Gemeinschaft und Konsum sind miteinander verbunden.“

Franz Koll: „Fußball ist in Österreich zu sehr Zuschauersport“

Groß-Events wie die Fußball-WM steigern immer auch die Motivation, selbst sportlich aktiver zu werden. Insofern ist die WM für die Sportartikelbranche heuer ein Hoffnungsträger. Ein Viertel gibt an, durch solche Events dazu motiviert zu werden, selbst mehr Sport zu treiben. Davon wollen Hersteller wie Adidas profitieren – ob mit Bällen, Trikots oder Schuhen. „Kommerziell wird es die größte Weltmeisterschaft, die wir je hatten“, meint Adidas-Fußballchef Sam Handy. Adidas hat nicht nur den offiziellen WM-Spielball entwickelt, Adidas hat sogar eigene Hunde-Trikots für diese WM entwickelt.

Hunde-Trikots von Adidas
Hunde-Trikots von Adidas © Adidas

Hoffnungen hegt auch der Sportartikelhandel. Als Betreiber des offiziellen ÖFB-Fanshops verzeichnet Intersport in Österreich bereits außergewöhnlich gute Verkaufszahlen für die rot-weiß-roten Nationaltrikots. Die Werbebotschaft: „Torjubel im Kleiderschrank. Wir wissen, dass das Trikot mehr als nur ein Kleidungsstück ist – es ist ein Symbol deiner Leidenschaft.“ Dennoch sagt Intersport-Geschäftsführer Franz Koll: „Fußball ist in Österreich noch zu oft Zuschauersport.“

Österreichs WM-Trikot von  Puma: „Ultraleichtes Tragegefühl dank innovativem Ultraweave-Stoff“
Österreichs WM-Trikot von Puma: „Ultraleichtes Tragegefühl dank innovativem Ultraweave-Stoff“ © Intersport

Das Interesse für Fußball vereint in Österreich alle Generationen: In der Generation Z (18 bis 29 Jahre) interessieren sich 48 Prozent für die Weltmeisterschaft, bei der Gen X (45 bis 60 Jahre) sind es immer noch 42 Prozent, in den Altersgruppen darüber 35 Prozent. Jedoch gibt es beim Ausgabeverhalten Unterschiede: So kaufen Angehörige der Gen Z doppelt so oft Fanartikel wie der Durchschnitt der Bevölkerung.

Zwischen den Geschlechtern ist die Fußball-Leidenschaft nicht so unterschiedlich ausgeprägt wie oft angenommen: Interessieren sich bei den Herren 52 Prozent für den Bewerb, sind es bei den Damen immerhin 31 Prozent. Und während sich bei den Männern 63 Prozent Matches ansehen wollen, sind es bei den Frauen 43 Prozent.

Fußball ist beschäftigungsintensiv

Fußball generell ist ein massiver Wirtschaftsfaktor in Österreich. Der Sport generiert laut der ÖFB-Studie „Zur ökonomischen und sozio-ökonomischen Bedeutung des Fußballs in Österreich“ eine gesamtgesellschaftliche Bruttowertschöpfung von 2,9 Milliarden Euro und sorgt für mehr als 21.000 Arbeitsplätze. Das bedeutet, dass knapp jede 240. erwerbstätige Person in Österreich direkt oder indirekt in diesem Wirtschaftszweig arbeitet – Fußball ist „beschäftigungsintensiv“. Nicht unbeträchtlich auch die Steuerleistung des Sports: Fußball spült jährlich 376,6 Millionen Euro an Steuern und Abgaben in die öffentlichen Kassen.