Grillen ist längst mehr als nur ein Sommerspaß oder die Zubereitung von Essen im Freien. Es ist fester Bestandteil des österreichischen Lebensstils, man braucht dafür auch keinen Anlass mehr. „Gegrilltes schmeckt einfach gut“, sagen zwei Drittel der Österreicher. „Grillen gehört einfach zum schönen Wetter“, sagen 60 Prozent. Für über die Hälfte ist Grillen ein soziales Erlebnis. Alles in allem grillen 90 Prozent der Österreicher zumindest gelegentlich, mehr als 40 Prozent sogar mehrmals im Monat.

47 Euro pro Grillerei

Pro Grillerei werden 47 Euro ausgegeben, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Der Markt profitiert von hochwertigem Equipment, Premium-Lebensmitteln, trendigen Gewürzen, Marinaden und Dienstleistungen wie Grillkursen. Am beliebtesten ist weiterhin der klassische Holzkohlegrill mit 42 Prozent, gefolgt vom Gasgrill mit 25 Prozent und dem Elektrogrill mit 18 Prozent. Um den Grill herum entsteht eine ganze Outdoor-Küchenwelt: Grills lassen sich heute mit Wok, Waffeleisen, Popcorn-Bereiter, Sandwich-Toaster, Räuchereinsatz, Hähnchenschenkelhalter oder Pizzastein zu Multifunktionsgeräten erweitern. Laut Prognosen werden in Österreich heuer allein für Grill- und Bratgeräte 5,5 Millionen Euro Umsatz erzielt. Bis 2030 könnte der auf 6,5 Millionen Euro steigen.

Verzehr von Schweinefleisch steigt wieder

Getragen wird dieses Grilljahr wieder von Klassikern. Zwar lief dem Preis-Leistungs-König Schweinefleisch zuletzt das Geflügel den Rang ab - beide waren als liebstes Grillgut fast gleich auf. „Aber der Schweinefleischverzehr steigt in Österreich wieder“, kann Raimund Tschiggerl, Geschäftsführer der Schweinebörse, berichten. Beliebt sind weiterhin Würstel, fertig marinierte Fleischspieße, Faschiertes und natürlich Rindfleisch. 2025 wurden in Österreich laut RollAMA 105.000 Tonnen Fleisch und Geflügel für den Heimkonsum eingekauft.

Raimund Plautz: „Grillkultur ist wichtig für die Branche“

„Die Grillkultur ist wichtig für die Branche – gerade in Zeiten, in denen zu Hause generell weniger gekocht wird. Sie bringt Umsatz. Und weil Grillen auch mit Prestige verbunden ist, wird gerne auch hochwertiges Fleisch gekauft, wenn man schon Familie oder Freunde zum Grillen in den Garten oder auf den Balkon geladen hat“, sagt Raimund Plautz, Innungsmeister der Fleischer in der Bundesinnung. Spar hat ein eigenes BBQ-Sortiment etabliert. Auch bei Billa sind die Zutaten fürs Grillen „heiß begehrt“. Bemerkenswert: Trotz Teuerung bleibt Grillen offenbar ein leistbarer „Luxusmoment“.

Vielfalt auf dem Grillteller

„Gemüse hat sich vom Statisten zum Co-Star entwickelt: Maiskolben, Zucchini, Paprika, Melanzani, Pilze und Grillkäse landen in vielen Haushalten genauso selbstverständlich am Rost wie Kotelett und Käsekrainer. Vegane Alternativen – von pflanzlichen Burger-Patties bis zu mariniertem Tofu – sind fester Bestandteil gemischter Grillrunden.

Generell ist ein Wandel hin zu mehr Vielfalt zu beobachten. Statt großer Einzelportionen entscheiden sich viele Menschen zunehmend für kleinere Grillstücke – und eine größere Auswahl verschiedener Produkte. Marktforscher haben drei Typen ausgemacht: die Für-Mich-Griller, die Gemeinschafts-Griller, die Party-Griller.

Und Grillen erweist sich als Wachstumstreiber für den gesamten Gartenmarkt. „Das Outdoor-Leben findet rund um die Uhr statt. Schließlich möchte man den Außenbereich als erweitertes Wohnzimmer genießen“, heißt es von XXXLutz. „Mehr draußen genießen“ – mit dieser Aufforderung preist Ikea seine Outdoor-Möbel an.