Wenn auf der rotbraunen Erde des „Steirischen Brotlaibs“ die benzinbetriebenen Motoren der tausenden Maschinen aufheulen und damit die Luft zum Vibrieren bringen und mit dem typischen Geruch schwängern, wird der Erzberg für ein paar Tage wieder zum Epizentrum des globalen Hard-Enduro-Sports. Der Höhepunkt ist freilich das Red Bull Erzbergrodeo (vormals Hare Scramble) am Sonntag, das den Kampf von Mensch und Maschine gegen die Brutalität des Berges und das Wetter verkörpert wie kein zweites Rennen auf der Welt, das seit 1995 von Karl Katoch orchestriert wird.
Dem Fortschritt in der Szene gegenüber war er immer schon aufgeschlossen und das zeigt der Wiener auch heuer: Erstmals werden elektrisch betriebene Enduro-Maschinen an dem Rennen teilnehmen. „Man darf sich dem Ganzen nicht verschließen“, sagt der OK-Chef, „diese Maschinen sind leiwand, einfach sehr gut.“ Er selbst fährt im Fahrerlager elektrisch, im „Gemüse“ setzt er weiter auf Benzin. „Die schlimmste Frage, die ich bekommen kann, ist: Was finde ich besser Benzin oder Elektro? Es ist beides richtig gut, wenn es zweckgemäß eingesetzt wird.“
Darum hat er mit der Aufnahme der neuen Technik auch zugewartet, bis es ein konkurrenzfähiges und mit seiner Straßenzulassung ausgestattetes Motorrad gibt. Die Firma „Stark Varg“ hat nun ein solches Produkt auf dem Markt und für die Premiere sind mehr als 40 Nennungen eingelangt. Wie viele es unter die 500 schaffen, die am Sonntag an die Startlinie dürfen, wird sich im Prolog heraustellen. Die „Elektrischen“ bekommen im Rennen mit einer einzigen Ausnahme aber keine Sonderbehandlung. „Beim Tankpunkt dürfen diese Fahrer beim Wechsel der Batterie fremde Hilfe in Anspruch nehmen“, sagt Katoch. Denn eigentlich ist das „Bike“ nicht dafür konzipiert, dass der Akku getauscht wird.
Mit Hilfe der zwei Mechaniker sollte das aber in zwei Minuten erledigt sein, während die „Benzinbrüder“ ihre Tanks selbst füllen müssen. Wie viele der gestarteten E-Biker es bis zum Wechsel schaffen, kann Katoch schwer abschätzen. „Vier bis fünf vielleicht. Ich rechne aber schon damit, dass einer das Rennen finishen wird.“ Die größten Chancen, das Rennen wirklich zu beenden, hat wohl der Schwede Eddie Karlsson aus dem Werksteam. Er holte 2025 im polnischen Gliwice als erster Fahrer überhaupt einen Podestplatz in einem Rennen der Super-Enduro-WM. Im Vorjahr kamen 14 Fahrer ins Ziel.
Die gute Einteilung der Energie, das Management der Fahrt, ist bei den elektrisch betriebenen Fahrzeugen deutlich wichtiger als bei den klassischen Bikes. „Sonst geht es sich bis zum Ladepunkt nicht aus. Den erreichen die guten Fahrer in eineinhalb, zwei Stunden. Da sollten sie mit zehn Prozent Akku ankommen“, sagt Katoch. Doch müssen nicht nur die Fahrer auf den Verbrauch achten. Auch das Laden der Bikes selbst stellt die Veranstalter vor eine neue Herausforderung. „Wir bauen hier eine ganze Stadt samt Infrastruktur auch für die TV-Übertragung auf“, erklärt Katoch, „da müssen wir eine konstante und sichere Energieversorgung gewährleisten.“
Aus diesem Grund wird es einen eigenen Stromkreis für die emissionsfreie Ladestation der Motorräder geben. „Immerhin zieht ein Motorrad beim Laden alleine 3 bis 6 kW“, sagt Katoch. Beeindruckend ist der Vergleich des Wirkungsgrads. Gut 40 Prozent beim Benziner stehen 95 Prozent bei den Elektrischen gegenüber. 80 Pferdestärken mit einem Drehmoment von 978 Newtonmetern entfalten sich im Aggregat. Allerdings wiegen die Motorräder rund 10 bis 20 Kilo mehr und das kann auf dem Erzberg viel ausmachen. Denn gefahren werden kann in diesem Terrain nicht immer. Gelitten aber schon.