Ein Unfall mit dem Motorrad ist eine Angelegenheit von Bruchteilen einer Sekunde. Das bekam am Mittwochabend in Erbersdorf (Gemeinde Eichkögl) ein 28-Jähriger zu spüren. Kurz vor der Ortseinfahrt verlor der Lenker plötzlich die Kontrolle über sein Fahrzeug. Die Folge: Er kommt von der Straße ab, überschlug sich mehrmals und landete schließlich schwerverletzt im Straßengraben. Anrainer und Passanten eilten dem Lenker zu Hilfe und verständigten die Einsatzkräfte. Der Motorradlenker wurde mit dem Rettungshubschrauber C12 schließlich ins Uniklinikum nach Graz geflogen.

Der Unfall ist kein Einzelfall, keine traurige Ausnahme. Denn: Wenn die Motorradsaison startet, beginnen sich auch die E-Mail-Postfächer mit Unfallmeldungen zu füllen. Im Jahr 2025 kamen bis einschließlich 10. November 77 Motorradlenker:innen und -mitfahrende bei Verkehrsunfällen in Österreich ums Leben – 15 davon in der Steiermark.

88 Prozent der tödlichen Motorradunfälle selbst verschuldet

Wieso ausgerechnet Motorradlenkerinnen und -lenker gefährdet sind, liegt für Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) auf der Hand: „Motorradfahrer haben null Knautschzone, sind dem Verkehr viel mehr ausgeliefert“, Jeder Fehler wird ungleich stärker bestraft. „Als Motorradfahrer ist man immer einer der Schwächsten“, ergänzte Georg Scheiblauer, Chefinstruktor Motorrad beim ÖAMTC im Interview vor einiger Zeit. Analysen des ÖAMTC ergeben: 88 Prozent der tödlichen Motorradunfälle sind selbst verschuldet.

Immer wieder muss der Notarzt ausrücken
Immer wieder muss der Notarzt ausrücken © Ff St. Aegyd-markt

Laut Daten des KfV liege das vor allem an den vermehrt jungen Motorradfahrerinnen und -fahrern, die immer mehr werden, aber noch viel zu wenig über ihre Fahrzeuge wissen. Robatsch meint, viele würden ihr Fahrzeug unterschätzen, kämen weder mit der Geschwindigkeit noch mit dem Gewicht der Maschinen zurecht. 

Überhöhte Geschwindigkeit als Risiko

Erste Ermittlungen der Polizei zeigen: Auch der junge Mann aus Erbersdorf dürfte mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein, als er die Kontrolle über sein Motorrad verlor. Gerade zu Beginn der Motorradsaison ist es auf den Zweirädern besonders gefährlich, auch weil andere Verkehrsteilnehmer noch nicht mit Motorradfahrern rechnen. „Man wird übersehen werden, es stellt sich nicht die Frage, ob es passiert, sondern nur wann", sagt Scheiblauer.

Um Unfälle zu verhindern, wurden jedenfalls bereits erste Maßnahmen gesetzt. Bei besonders viel befahrenen Strecken und beliebten Ausflugszielen setzt man mittlerweile auf Bodenmarkierungen in Kurven, die Motorradfahrer anleiten sollen. Wer auf diese achtet und die richtige Fahrweise wählt, dürfte die Saison unbeschadet überstehen.