„Ich habe es gerne ganz leise. Wenn Klöppel auf Klöppel schlagen, ist es für mich wie eine Melodie. Man kann abschalten, muss sich konzentrieren und kommt vom Alltag runter. Es ist wie eine Art Meditation“, berichtet Maja Millonig-Kupper aus Ferlach, die einmal im Monat bei der Eisenkappler Klöppelrunde/Klekjarice iz Železne Kaple ihr Wissen weitergibt. Neben ihr sitzt auf einem weiteren Stuhl Brigitte Sadolschek-Kölich, die zwar vor zehn Jahren die Runde ins Leben rief, jedoch bereits im Jahr 2000 die Kunst des Klöppelns nach Bad Eisenkappel/Železna Kapla brachte. Sie schüttelt lachend den Kopf: „Bei mir ist das anders. Ich habe es nebenbei gerne laut, meistens schaue ich Fernsehen. Mir hilft es auch mit meinen Gelenken und die Durchblutung wird gefördert, weil beide Gehirnhälften beansprucht werden.“

Maja Millonig-Kupper und Brigitte Sadolschek-Kölich mit ihren eigenen Werken (von links)
Maja Millonig-Kupper und Brigitte Sadolschek-Kölich mit ihren eigenen Werken (von links) © Peter Rass

Sadolschek-Kölich war es auch, die im Jahr 2000 die Klöppelkunst nach Bad Eisenkappel brachte: „Durch meine berufliche Tätigkeit im Kurzentrum hatte ich die Gelegenheit, Renate Gugi vom Österreichischen Klöppelverband kennenzulernen. Sie zeigte mir die ersten Schritte. Mit einer einfachen Styroporplatte, einigen Paar Klöppeln und Häkelgarn begann ich mich mit den ersten Grundbewegungen – dem Drehen und Kreuzen – vertraut zu machen.“ So wurden in den Jahren diverse Kurse gehalten und gemeinsam geklöppelt, bis sie sich dann dazu entschied, die Gruppe zweisprachig zu machen und die Eisenkappler Klöppelrunde 2016 ins Leben zu rufen. Einmal im Monat treffen sich die Frauen von 14 bis 17 Uhr.

Zehn Jahre später wird dieses Jubiläum mit einer Ausstellung gefeiert. Wir befinden uns im Haus der Kultur in Bad Eisenkappel. Bereits beim Hereinkommen in den großen Raum sieht man auf den ersten Blick bunte Kunstwerke in unterschiedlichen Formen: Blumen, Bilder, Schmuck, Textilien, Oster- oder Weihnachtsdeko – sogar ein blaues Strumpfband für Bräute hat sich darunter geschlichen. Blickt man genauer hin, sieht man, woraus die Stücke hauptsächlich gemacht wurden: Klöppelspitze. Doch was genau verbirgt sich dahinter?

Die Geschichte der Spitzenklöppelei in Kärnten ist eng mit der Textilindustrie der gesamten ehemaligen Habsburgermonarchie verwoben. Die Technik fand im 16. Jahrhundert durch italienische und flandrische Einflüsse ihren Weg in den Alpenraum und wurde im 18. Jahrhundert unter Kaiserin Maria Theresia zur Förderung ländlicher Heimarbeit gezielt ausgebaut. (Quelle: ‚Das große Handarbeitsbuch‘).

So wird geklöppelt
So wird geklöppelt © Peter Rass

Millonig-Kupper weiß mehr darüber: „Früher haben Frauen, deren Männer meist im Bergwerk gearbeitet haben, sich so ein Zubrot verdient. Die haben meterweise Spitzen geklöppelt.“ Sadolschek-Kölich ergänzt: „Früher wurde die Klöppelspitze hauptsächlich für Tisch- oder Bettwäsche, aber auch für die Unterwäsche oder Kleidungsstücke der Frauen verwendet. Das sieht man auch noch heute, wenn etwa die Frauen in Italien oder Spanien mit einem Tuch in schwarzer oder weißer Spitze in die Kirche gehen.“

Klöppelte man traditionell mit schwarzem oder weißem Garn, werden heute verschiedene Farben verwendet. „Irgendwann ist es dann doch fad, wenn alles weiß ist. Mit buntem Garn lässt es sich auch leichter lernen. Manche Stücke in schwarz oder weiß sind aber klar, denn bei uns im alpenländischen Raum wird die Spitze oft für die Blusen beim Dirndl verwendet“, sagt Millonig-Kupper, die selbst jedoch kein Dirndl trägt. Ganz im Gegenteil von ihrer Klöppel-Kollegin Sadolschek-Kölich: „Doch, ich trage da meine eigene Kreation.“ Neben geklöppelten Bändern für ihre Namensschilder, die alle in der Runde an diesem Tag tragen, präsentiert Sadolschek-Kölich ein weiteres ihrer Werke: ein geklöppelter Schal. „Bei dem war ich sogar recht schnell und habe nur zwei Monate mit zirka fünf bis acht Stunden Arbeitsaufwand pro Tag gebraucht.“

Diesen Schal hat Sadolschek-Kölich in zwei Monaten geklöppelt
Diesen Schal hat Sadolschek-Kölich in zwei Monaten geklöppelt © Peter Rass

„Nur“ zwei Monate hört sich für Außenstehende recht lange an. Denn die einzige Herausforderung laut den beiden beim Klöppeln sei die Zeit. „Klöppeln an sich ist nicht schwer, solange man die Liebe zum Handwerk mitbringt. Auch die Kosten sind nicht hoch. Aber es ist ein zweitaufwändiges Hobby. In einer Stunde hat man nicht viel geschafft, solange braucht oft die Vorbereitung“, erklärt Sadolschek-Kölich.

Doch warum ist die Klöppelarbeit so zeitaufwendig? „Zuerst muss man einen passenden Klöppelbrief, in dem das Muster abgebildet ist, finden, oder selbst zeichnen. Diesen muss man auf einem dünnen Karton mit einer matten Folie bekleben, wenn möglich vorlochen, weil man sich sonst mit den Nadeln sticht – damit wird das Geklöppelte nämlich festgesteckt. Danach kommt das auf den Klöppelpolster, das Garn auf die Klöppel und wenn man beispielsweise 24 Paar braucht, dann dauert das eben, bis man beginnen kann.“ Hinzu kommt, dass das Garn recht dünn ist.

Genau in diesem Zeitaufwand sehen beide das Problem, warum jüngere Mitglieder meist fehlen. „Ich habe zwar keine Angst, dass es ausstirbt, aber die jungen Leute fehlen schon. Deshalb muss man immer wieder Ausstellungen machen, um zu zeigen, was wir leisten und welche tollen Kunstwerke entstehen können“, sagt Sadolschek-Kölich. Die Produkte werden meist auf Märkten verkauft. Millonig-Kupper, die auch die Klöppelrunde in St. Jakob im Rosenthal besucht, ergänzt: „Manchmal habe ich ein wenig Sorge, dass es bei uns in der Region ausstirbt. Weil eben bei uns in den Klöppelrunden überwiegend ältere Damen sind. Genau deshalb bemühen wir uns aber, damit dieses Kulturgut erhalten bleibt.“

In Slowenien sieht Millonig-Kupper weniger ein Problem, denn dort wird das Klöppeln sowohl Jungen als auch Mädchen bereits in der Schule gelehrt. Bekannt ist das Spitzenfestival von Idrija, wo jedes Jahr im Juni die Stadt, bekannt für ihre Idrija-Spitze, die Handwerkskunst mit Ausstellungen und Workshops feiert. Hinzu kommt, dass das Klöppeln von Spitze heute UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Mit neuem Schwung und Ideen, wie man die Klöppelspitze vielfältig einsetzen kann, könnten zusätzlich junge Menschen mehr motiviert werden. Denn mit der modernen Spitze werden auch neue Muster erfunden und mit Grundschlägen kombiniert. Der Unterschied zwischen Muster und Grundschlag ist den beiden wichtig: „Das Muster ist ein Blatt, im Klöppelbrief sind die Schläge gekennzeichnet. Da gibt es auch unterschiedliche Varianten wie der Ganz-, Halb- oder Leinenschlag und der Flechter. Verschieden kombiniert entstehen die fertigen Stücke.“ Und diese Stücke können sich in all ihren Farben und Formen durchaus sehen lassen – von verstaubter Tradition ist hier nichts zu sehen.

In Österreich sind vor allem die „Salzburger Spitze“ und die „Austria-Spitze“ bekannt. Noch gibt es keine typische Spitze für die Gegend rund um Bad Eisenkappel. „Der Plan ist aber da, man darf gespannt bleiben“, sagt Sadolschek-Kölich mit einem Lächeln. Grundsätzlich ist es den beiden vor allem wichtig, das Kulturgut zu erhalten. „Daher sind wir auch immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern.“