Es ist auch als Leerstand immer noch irgendwie ein Möbelhaus – ein paar Teppichböden sorgen für gute Akustik, einige Logos von Einrichtungsmarken an den Zwischenwänden zeugen noch davon, dass hier 54 Jahre lang Möbel verkauft wurden. Alles sei wirklich äußerst ordentlich verlassen worden, sagen Markus Münzer und Stefan Karall von Trivalue anerkennend.
Was langfristig mit den 21.000 Quadratmetern (!) Nutzfläche in bester Lage gleich beim Hauptbahnhof passieren soll, ist nach wie vor offen – klar ist lediglich, dass der Handel dabei nicht mehr im Fokus stehen wird. Als die Entwickler von Trivalue das Gebäude im Dezember 2025 gekauft hatten, wollten sie einen breiten Prozess für die Nachnutzung starten – der ist längst angelaufen.
Von außen so gut wie unbemerkt, fanden hinter der grünen Fassade schon einige Projekte von Studierenden statt, die sich in verschiedenen Disziplinen mit dem Haus auseinandersetzen. Das Stadtlabor lädt nach dem Auftakt Anfang Mai am 12. Juni zum zweiten Mal zu den interdisziplinären „Leiner Living Labs“.
Dass sich etwas tut, ist nun auch von außen zu sehen – die erste von drei geplanten Kunst-Ausstellungen unter dem Titel „SchaufensterWOCHEN“ bestreitet Künstlerin Nicole Pruckermayr, die auch Florian Perl und Ina Loitzl eingeladen hat, die 60 Laufmeter großen Auslagen des ehemaligen Möbelhauses zu bespielen. „Für mich und“ heißt ihre Arbeit, die in riesigen neonfarbenen Buchstaben in den Fenstern auf Virginia Woolfs „Ein Zimmer für mich“ anspielt und sich ums Eck mit einem Transparent aus ihrer Performance „Würde“ um das Thema Femizide fortsetzt – zwei Arbeiten, die unter anderem eine feministische Grundhaltung verbindet. „Es geht um Möglichkeitsräume“, erklärt „Raumarbeiterin“ Pruckermayr – der Leerstand hinter den Fenstern werde zur Projektionsfläche für Wünsche, Erlebnisse, Hoffnungen und Zukunft.
Abreißen wäre leicht
Und die längerfristige Nutzung? Es wäre wohl ein Leichtes gewesen, das Haus wie gerade beim Hedi-Lamarr-Kaufhaus in Wien passiert, abzureißen und einen Wohn- oder Bürobau hinzustellen, sagt Stefan Karall von Trivalue: „Die Herausforderung für uns ist es aber, zu überlegen, wie man die jetzige Kubatur erhalten und die Flächen in Teilbereiche aufteilen kann.“ Erhebungen zur Statik finden erst statt.
Münzer spricht von der „Magie des Ortes“: „Es ist gelungen, eine Aufbruchsstimmung hier in der Annenstraße zu erzeugen.“ Schließlich tut sich auch bei der Annenpassage gegenüber etwas – mit dem neuen Namen „Anna Passage“ und Discounter Action als neuem Großmieter hofft man auch hier auf einen Neuanfang.
Was möglich ist, eruiert derzeit auch der Master-Studiengang Architektur der FH Joanneum: Betreut von Jakob Leb, Studiengangsleiter Wolfgang Schmied und Tim Wakonig-Lüking untersuchen 18 Studierende das Potenzial des Ortes, entwickeln in acht Gruppen entsprechende Nutzungen und schauen sich an, wie die Architektur dafür angepasst werden müsste – am 25. Juni werden die Ergebnisse präsentiert.
La Strada und andere Zwischennutzer
Kulturelle Nutzungen sind ebenso geplant, eine Theatergruppe der Kunstuniversität probt bereits in den Räumen, La Strada wird im August im Auslieferungslager die Performance „Worn Out?“ von Zwermers (Niederlande/Österreich) rund um Altkleider spielen. Bei möglichen Zwischennutzern denkt Münzer auch an das Kunstkollektiv Raum 117, das die ehemalige Stahl-Eberhardt-Halle in der Smart City wohl bald wegen eines Büro-Neubaus – auch ein Projekt von Trivalue – verlassen muss. „Wichtig ist für uns, dass wir uns auf die Zwischennutzer verlassen können“, sagt er. Und: Ein wenig Geld soll dabei idealerweise auch hereinkommen. „Denn die Stromkosten sind wirklich immens.“