Es ist wahrlich kein Grazer Phänomen – was die Sache aber nicht leichter verträglich macht. Im Gegenteil: Der Umstand, dass generell seit Jahrzehnten immer weniger Wählerinnen und Wähler bei einem Urnengang mitmachen, beschäftigt Politikforscher genauso wie Soziologen. Wird die Demokratie als (zu) selbstverständlich wahrgenommen? Und was macht es mit einer Gesellschaft, wenn fast der Hälfte von ihnen die eigene politische Vertretung egal ist?

Bei der Grazer Gemeinderatswahl 2017 lag die Beteiligung bei 57 Prozent, beim jüngsten Urnengang fünf Jahre später nur noch bei 54 Prozent. Kratzt die Landeshauptstadt heuer bei der Wahl am 28. Juni womöglich schon an der 50-Prozent-Marke? Die Kleine Zeitung hat bei einer Umfrage im Grazer Zentrum sieben Damen und Herren gefunden, Jungwähler genauso wie arriviertere Stimmenabgeber, die sehr wohl und ganz bewusst am 28. Juni ihr Kreuzerl machen werden. Sie argumentieren an dieser Stelle – gleichsam als Appell, es ihnen nachzumachen.

Manfred Herbst geht am 28. Juni „selbstverständlich“ wählen
Manfred Herbst geht am 28. Juni „selbstverständlich“ wählen © Saria

„Nehme mein Recht wahr“

Manfred Herbst (77): „Selbstverständlich gehe ich am 28. Juni wählen. Es ist mein Recht und dieses nehme ich wahr. Somit kann ich mich außerdem später nicht beschweren. Eigentlich wähle ich immer unterschiedlich, je nach Wahlprogramm. Ja, ich informiere mich vorab ausführlich.“

Katharina Gabl und ihr Freundeskreis machen auch mit
Katharina Gabl und ihr Freundeskreis machen auch mit © Saria

„Ich will mitbestimmen“

Katharina Gabl (22): „Klar gehe ich wählen, ich will schließlich mitbestimmen. In meinem Freundeskreis ist das eigentlich bei allen so, alle gehen wählen. Ich weiß schon, dass manche sagen, es ändert sich eh nichts. Aber wenn ich nicht wählen gehe, dann wird sich erst recht nichts ändern.“

Ingeborg Neuhold beobachtet zuvor, „welche Partei sich bewährt hat“
Ingeborg Neuhold beobachtet zuvor, „welche Partei sich bewährt hat“ © Saria

„Das liegt an der neuen Lässigkeit“

Ingeborg Neuhold (77): „Oh ja, ich gehe wählen. Jeder sollte es tun, es ist ein gutes Recht. Ich wähle immer verschiedene Parteien, ich sehe ja, welche sich bewährt hat. Dass so viele Leute nicht mehr wählen gehen, das liegt meiner Meinung nach an der neuen Lässigkeit.“

Leo Thosold informiert sich vor der Stimmabgabe genau
Leo Thosold informiert sich vor der Stimmabgabe genau © Saria

„Ist vielleicht frustrierend, aber...“

Leo Thosold (25): „Du hast die einmalige Möglichkeit, mitzubestimmen. Also gehe ich natürlich wählen! Bitte? Ja, der Wahlausgang und das Gefühl, meine Stimme ändert nichts, ist für manche vielleicht frustrierend. Aber so ist Demokratie! Ich persönlich wähle jene Partei, bei der ich mich inhaltlich am ehesten wiederfinde. Also informiere ich mich vorher genau.“

Nimmt die Graz-Wahl ernst, aber auch mit Humor: Hubert Soran
Nimmt die Graz-Wahl ernst, aber auch mit Humor: Hubert Soran © Saria

„Ja, damit kann ich leben“

Hubert Soran (69): „Warum ich wählen gehe? Wahrscheinlich aus Gewohnheit (lacht). Nein, ich will schon mitbestimmen. Bei den Parteien, die meine Stimme erhalten, bin ich flexibel, je nach Kandidatin oder Kandidat. Und dass sich nach der Wahl dann vielleicht nicht dramatisch viel ändert, damit kann ich dann leben (lacht).“

Philip Zerza plädiert fürs Wählengehen
Philip Zerza plädiert fürs Wählengehen © Saria

„Gerade wenn man unzufrieden ist“

Philip Zerza (24): „Ich gehe am 28. Juni wählen, weil ich so doch am meisten bewirken kann. Viele sind mit der Politik unzufrieden und machen nicht mit – aber gerade wenn man unzufrieden ist, sollte man doch wählen gehen! Die Wahlwerbung ärgert aber auch mich. Was da auf Plakaten zu lesen ist, spiegelt ja oft gar nicht die eigentlichen Inhalte der jeweiligen Partei wider. Außerdem ist es oft nur noch provozierend formuliert.“

Lorenz Laube ortet eine Richtungswahl
Lorenz Laube ortet eine Richtungswahl © Saria

„Sonst bestimmen andere für mich mit“

Lorenz Laube (24): „Erstens ist eine Demokratie nichts Selbstverständliches, wie man sieht. Und zweitens bestimmen sonst andere für mich mit. Daher gehe ich also wählen. Und jetzt in Graz erst recht, geht es doch meiner Meinung nach um eine Richtungswahl zwischen den beiden stärksten Parteien, die jeweils für etwas ganz anderes stehen. Und mit Graz was anderes vorhaben. Bevor ich wählen gehe, informiere ich mich schon genau. Sicher, das ist ein bissl ein Aufwand, aber eigentlich auch nicht so schlimm.“