Noch sind sie gelassen. Unaufgeregt lassen Christa und Ignaz Schirnhofer die Zeit in ihrem Lebenswerk, dem Restaurant „Gschalla“ in Kaindorf bei Hartberg, Revue passieren. Sie erzählen von legendären Partys und liebgewonnenen Traditionen, von Freundschaften, die sie in all den Jahren geschlossen haben, und von Liebespaaren, die sich hier gefunden haben.
Tränen zum Abschied
38 Jahre lang gingen in ihrem Lokal mitten im Ortszentrum Generationen von Oststeirerinnen und Oststeirern ein und aus. Bis jetzt. Mit der bevorstehenden Pensionierung von Christa Schirnhofer sperrt das „Gschalla“ am heutigen Samstag zu. Zum Abschied werden nicht nur viele Stammgäste und Wegbegleiter kommen, sondern auch Tränen fließen, weiß die 59-Jährige.
So mancher Gast habe bereits ob der bevorstehenden endgültigen Sperrstunde geweint. Für Sentimentalität hatte das Ehepaar selbst keine Zeit, denn seit bekannt ist, dass die beiden das Lokal mit Ende Mai zusperren, seien sie jede Woche voll gewesen. „Seit den Weihnachtsfeiern haben wir durchgearbeitet. Wir sind gar nicht dazu gekommen, über das Ende nachzudenken“, so Christa Schirnhofer, die 1988 mit ihrem Mann das Lokal, das damals noch „Gasthof zur Post“ geheißen hat, von dessen Eltern übernommen hat.
Während etwa Boden und Bänke von damals noch original sind, ließ das Ehepaar auch eigenen Ideen freien Lauf. So wurde 1994 das erste Mal umgebaut, das legendäre Pub „Gschalla-Mandl“ entstand. „Weit über Kaindorf hinaus sind die Leute zu uns gekommen, die Partys waren der Hammer. Viele haben ihre Jugend bei uns verbracht und sind mit uns aufgewachsen“, erinnert sich Christa Schirnhofer.
Der Name blieb
Mit den Gästen sind auch sie und ihr Mann älter geworden. 1997 haben die beiden das Pub mit dem Restaurant verbunden, ehe 2010 die Bar schließlich weichen musste, um mehr Platz für den Restaurantbetrieb zu schaffen. Der Name „Gschalla“ blieb. Ebenso wie ein Bild vom „Gschalla-Mandl“ an der Außenmauer des markant rot-orange-gefärbten Hauses.
Den Schritt in die Gastro würde die 59-Jährige immer wieder machen, wohlwissend, dass es heutzutage nicht einfach sei. „Personal zu finden, ist sehr schwierig geworden.“ Aus diesem Grund sei sie in den vergangenen drei Jahren auch – neben Küchenhilfe Szilvia Szokoli – mit ihrem Mann in der Küche gestanden, während Kellner Patrick Gössl im Gastraum den Laden schupfte.
Begehrte Rezepte
Besonders gefreut habe Christa und Ignaz Schirnhofer, dass die Leute nicht nur wegen des Essens gekommen seien, „sondern auch wegen uns“. Wobei vor allem das Steak vom heißen Stein viele anzog. „Auch das Beef Tatar und die Calamari waren Highlights. Alle wollen die Rezepte vom Chef haben“, lacht die Chefin.
Diese Verbundenheit mit den Gästen über eine so lange Zeit, das sei das Schönste gewesen, sind sich die beiden einig. Freundschaften seien entstanden, ganze Generationen von Familien hier regelmäßig eingekehrt. Besonders treu war der Kaindorfer Männergesangverein, der hier rund 70 Jahre lang sein Probenlokal hatte. „Sie waren erschüttert, als sie gehört haben, dass wir aufhören“, erzählen die beiden. So sei es vielen Stammgästen gegangen, ist das „Gschalla“ doch für manche Wohn- und Esszimmer zugleich.
Für die eigenen vier Wände kann man sich aber sogar ein Erinnerungsstück des Lokals sichern. So werde ein Großteil des Restaurants in den kommenden Wochen auf der Auktionsplattform Aurena versteigert, erzählen Christa und Ignaz Schirnhofer. Das ein oder andere Stück wollen sie sich aber selbst behalten. Zusätzlich zu den unzählig vielen Erinnerungen.