„Sie ist weit mehr als nur ein Gasthaus oder eine Skihütte. Sie ist Ausdruck einer Gesinnungsgemeinschaft, die seit einem Jahrhundert von Zusammenhalt, ehrenamtlichem Engagement und einer familiären Zusammenarbeit getragen wird“, sagt Thomas Kaserer, Vorsitzender des Schladminger Alpenvereins. Gemeint ist die Schladmingerhütte an der Planai-Bergstation, die im heurigen Jahr ihren 100. Geburtstag feiert.

Dieser Zusammenhalt wird deutlich, wenn man sich allein anschaut, welche Kraftanstrengungen sie ihren Errichtern abverlangt hat. Der Bau der letzten Schutzhütte in der Dachstein-Tauern-Region (heute Schladming-Dachstein) war nämlich alles andere als ein Zuckerschlecken, vor allem hinsichtlich Materialtransport. Immerhin sollte der Ausbau der Bergstraße auf die Planai erst gut 40 Jahre später erfolgen.

Wunsch erfüllt

Gestemmt wurde der Bau der Hütte von den Mitgliedern der 1894 gegründeten Alpenvereinssektion Schladming. 1920, kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges, hatten sie schon auf der benachbarten Hochwurzen einen Winterstützpunkt hochgezogen. Danach entstand der Wunsch nach einer Schutzhütte auf der Planai – „erfüllt“ wurde er von Theodor Karl Holl von der Alpenvereinssektion Austria, der den Bau großteils aus eigener Tasche finanzierte. Eine gewichtige Rolle spielte auch Ignaz Matthis von der Giglach-Sektion Wien, mit dessen Hilfe „der Hauptausschuss des Österreichischen Alpenvereins von der Wichtigkeit des Bauvorhabens überzeugt werden konnte“, heißt es.

Mit vierbeiniger Unterstützung wurden die benötigten Güter zur Hütte gebracht
Mit vierbeiniger Unterstützung wurden die benötigten Güter zur Hütte gebracht © KK

1925 waren mit Viktoria und Franz Erlbacher die ersten Pächter gefunden, offiziell eröffnet wurde die Hütte im September 1926. Bis 1938 bewirtschafteten sie die Schladmingerhütte, bei der schon 1932 der erste Zubau erfolgte. Nach ihnen übernahmen Grete und Fritz Maierhofer und auf sie wiederum folgten Gretl und Heinz Weichlser – Letzerer war es, der den ersten Skilift auf der Planai installierte.

Am Scheideweg

1969 bekam die Hütte auch auf der Westseite einen Zubau und 1972 einen Stromanschluss. Knapp 20 Jahre später dann stand der Alpenverein am Scheideweg, denn 1991 brachte ein Pächterwechsel gewerberechtliche Auflagen mit sich. Man musste sich entscheiden: die Hütte zu schließen oder sehr viel Geld in die Hand zu nehmen. 1993 fiel die Wahl auf „einen großzügigen Umbau mit Baukosten von rund elf Millionen Schilling“, so Kaserer.

Die jüngsten Modernisierungen gingen 2024 und 2025 über die Bühne, unter anderem wurden barrierefreie WC-Anlagen eingerichtet und – „weil wir auch auf die Umwelt schauen wollten“ – eine Photovoltaik-Anlage installiert und von Öl- auf Pelletsheizung umgestellt.

Waren es vor ihnen fünf Pächterduos, lenken seit 2023 die vierköpfige Familie Weichsler und Mathias Schütter die Geschicke der Hütte. Gemeinsam mit ihnen zelebriert der ÖAV Schladming den 100. Geburtstag der Hütte: So gibt es am Samstag, 13. Juni, ab 13 Uhr einen Festakt, einen Tag später ab 11 Uhr einen Frühschoppen mit Radio Grün-Weiß.

Die Pächter in Gestalt der Familie Weichsler und Mathias Schütter mit Thomas Kaserer, dem Vorsitzenden der Alpenvereinssektion Schladming
Die Pächter in Gestalt der Familie Weichsler und Mathias Schütter mit Thomas Kaserer, dem Vorsitzenden der Alpenvereinssektion Schladming © KK