Mit Berufswünschen ist das ja so eine Sache: Sie halten der rauen Realität kaum stand. Als Kind wollte ich die Welt umsegeln, alternativ hätte mir noch der Job als Meerjungfrau oder Millionenerbin behagt – leider fand sich dazu aber weder ein passender Wifi-Kurs noch die reiche Tante aus Amerika. Im Kindergarten dachte ich kurz über eine Astronautenlehre nach, bis mir dämmerte, dass ich auf dem kleinen Spielplatz der ISS bloß das Lego durch Raum und Zeit schmeißen könnte. Rückblickend wäre Sherpa im Himalaya die ideale Wahl gewesen. Schließlich versteht man sich als Mama gut darauf, viel multifunktionales Material mitzuschleppen, dazu noch Snacks, Getränke und alle Gepäckstücke der Kleinkundschaft. Außerdem ist man jederzeit imstande, auch unter widrigsten Umständen ein vernünftiges Biwak zu errichten.
Nachdem ich dieses Talent zu spät erkannte, wurde es halt irgendwas mit Sprache. Eine Lebensentscheidung, die einem früher leicht von der Hand ging, der heutigen Jugend aber deutlich mehr Kopfzerbrechen bereitet. Grund dafür ist der unaufhaltsame Aufstieg von Künstlicher Intelligenz, die täglich mehr Unternehmen einsetzen, um Abläufe zu straffen, zu beschleunigen und zu automatisieren. Gerade bei der „Generation Z“, den zwischen 1997 und 2012 Geborenen, schürt der rasante technische Fortschritt Zukunftsängste – werden Einsteigerjobs, die viel Bildschirmarbeit erfordern, doch zusehends von ChatGPT, Gemini & Co erledigt. Mehr als 70 Prozent der Befragten aus dieser Altersgruppe reagieren auf die KI-Durchdringung mit Sorge oder Ärger, ergab nun eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup in Kooperation mit der Universität von Harvard.
Das Bild einer technikfeindlichen Jugend, die das Rad der Zeit zurückdrehen will, wäre allerdings Fake. Denn die Gen Z ist nicht grundsätzlich gegen KI. Sie fordert vielmehr Aufmerksamkeit für ihre berechtigten Sorgen. Nachdem die Politik dem Fortschritt lange zugesehen hat, muss sie jetzt liefern: Eine – bereits geplante – Anpassung von Lehrinhalten, faire Nutzungsregeln und das transparente Aufschlüsseln der sozialen Kosten. Natürlich wird es nicht auf jede Frage eine Antwort geben. Aber man darf die Jungen mit ihren Ängsten nicht länger allein lassen. Denn so gut die KI auch werden mag: Ins Pensionssystem zahlt sie noch lange nichts ein.