Heute ist es vier Wochen und zwei Tage her, dass eine meiner engsten Freundinnen aufgehört hat zu rauchen. Es ist ihr schwergefallen, aber sie ist tapfer. Ich wünsche ihr sehr, dass sie durchhält. Auch weil ich ihr verdanke, dass ich selbst das Rauchen aufgegeben habe.

Vor 12 Jahren hat sie schon einmal aufgehört. Das fand ich so cool, dass ich es ihr ein halbes Jahr später nachgemacht habe. Im November werden es bei mir 12 rauchfreie Jahre. Bei ihr wird es dann hoffentlich ein halbes sein, wenn sie diesmal mit der Rauchentwöhnung durchhält. Ich erzähle das, um wieder einmal daran zu erinnern, wie unglaublich schwierig es sein kann, mit dem Rauchen wirklich aufzuhören; dass man auch nach vielen Jahren rückfällig werden kann; und dass ich es, als langjährige Raucherin, wirklich perfid finde, mit welchen Mitteln Tabakkonzerne mittlerweile Kundschaft ködern: E-Zigaretten, Verdampfer, Nikotinbeutel, die man sich zwischen Oberlippe und Zahnfleisch schiebt. Erst unlängst hat die Weltgesundheitsorganisation WHO davor gewarnt, weil die Beutel gezielt an die Jungen vermarktet werden, weil sie süchtig machen und gesundheitsschädlich sind.

Genauso süchtig machend und gesundheitsschädlich sind übrigens auch mit Nikotin getränkte Zahnstocher, die jetzt angeblich auf der Social Media-Plattform TikTok als Lifestyle-Produkt beworben werden und die, einem Bericht des Bayerischen Rundfunks zufolge, sogar schon unter Pflichtschulkindern populär sind. „Wie kleine Cowboys“, zitiert der Sender eine Lehrerin, säßen die Kinder in den Klassen.

Das alles fiel mir ein, als ich las, dass die „Make America Healthy Again“-Bewegung (MAHA) um Donald Trumps Gesundheitsminister Robert F. Kennedy jr. neuerdings Nikotin als verdrängtes Wundermittel preist. Angeblich wurden die heilenden Kräfte des in Tabakpflanzen wachsenden Nervengifts bisher komplett unterschätzt: Es soll nämlich gegen Alzheimer ebenso wirksam sein wie in der Vorbeugung gegen Parkinson, verbreiten Influencer aus dem MAHA-Umfeld aktuell recht massiv.

Vielleicht stimmt das ja sogar, bekanntlich gibt es etliche Gifte, die in der richtigen Dosierung Heilwirkung zeigen. Andererseits sind die Risiken von Nikotin bestens bekannt: Nikotin steigert das Risiko für Schlaganfall und koronare Herzerkrankungen, kann die Tumorbildung fördern und steht im Verdacht, die Gefahr von Diabetes zu erhöhen.

Noch immer gilt Rauchen weltweit als die häufigste „vermeidbare Todesursache“. Die USA waren einst führend bei Nichtraucherkampagnen; erstaunlicherweise aber hat US-Präsident Donald Trump unlängst Tabakverbote der Biden-Regierung rückgängig gemacht und zur Rettung der Verdampfer aufgerufen. Ersteres, um den Amerikanern im republikanischen Sinne die Entscheidungsfreiheit wiederzugeben. Zweiteres, weil die E-Zigaretten ja angeblich so gut bei der Rauchentwöhnung helfen. Die WHO weist derartige Behauptungen natürlich seit langem vehement zurück.

Dennoch haben Kennedy, Trump und Konsorten gute Gründe, Zweifel an der Schädlichkeit von Nikotin zu säen. Laut New York Times unterstützen mehrere Tabakkonzerne den bereits begonnenen Ballsaal-Bau des Präsidenten am Weißen Haus mit Millionenbeträgen. Eine Sprecherin Trumps ließ allerdings wissen, es gebe absolut keine Zusammenhänge zwischen diesen Zahlungen und der Regierungs-Milde gegenüber der Tabakindustrie. Na, dann ist ja gut. Aber weil Ideen ja oft rasch über den Großen Teich reisen: Falls Ihnen gegenüber jemand demnächst die Vorzüge von Nikotin preist, denken Sie daran, das ist eher nur Schall und Rauch.

Ich wünsche Ihnen einen schönen, rauchfreien Tag!

Herzlich,

Ute Baumhackl