Es war eine große Überraschung, als Christian Scherer vor wenigen Wochen ankündigte, den Österreichischen Skiverband ÖSV bzw. Ski Austria zu verlassen und in die Privatwirtschaft zu wechseln. Zumal intern die Frage der Nachfolge offenbar noch nicht einmal im Ansatz diskutiert worden war. Seither rauchen die Köpfe: Wer soll den Posten neben Sportdirektor Mario Stecher einnehmen und dem Osttiroler Scherer, der in die Seilbahnbranche wechselt, nachfolgen?
Der Österreichische Skiverband kann in Phasen der Neubesetzung auch, sagen wir, uneinheitlich auftreten. Und blickt man hinter die Kulissen, scheint das gerade wieder der Fall zu sein. Zumindest kann man das angesichts des plötzlichen Abschieds des Tiroler Skiverbandspräsidenten Karl Janovsky vermuten. Der sollte, wie auch die Tiroler Tageszeitung berichtet, erst kommendes Jahr das Amt in Tirol zurücklegen und dafür Vizepräsident im ÖSV werden. Doch nun kam es anders, als im Tiroler Präsidium beschlossen wurde: „Es wurde massiver Druck entwickelt, aber das macht man nicht mit mir. Ich wollte das nicht, aber man ließ mir keine Alternative. Ich bin nicht von jemandes Gnaden im Amt“, sagte Janovsky den „TT“. Und auch die Nachfolgefrage von Scherer habe eine Rolle gespielt, munkelt man.
Der interimistische Nachfolger Janovskys ist ein bekannter Name: Schröcksnadel. Allerdings Markus, nicht Peter. Und man hört auch, dass von dessen Seite ein Wunschnachfolger ins Rennen geschickt werden soll: Philipp Trattner, lange Jahre Sektionschef im Sport-Ministerium. Und neben Tirol sei auch die schon im letzten Wahlkampf erprobte Achse mit Vorarlberg und, dem Vernehmen nach, auch der Steiermark aktiv. Das Problem: Andere Landesverbände wollten eine Alternative, da kam auch der Name von Philipp Radel ins Spiel, der aktuell bei Harti Weirathers WWP im Verwaltungsrat sitzt und lange Jahre CEO der Agentur war. Der soll aber von sich aus, wie man hört, zurückgezogen haben.
Nun wird hinter den Kulissen einmal mehr gerungen, wie die Ausschreibung auszusehen hat und ob das vermeintliche Ansinnen aus Tirol, es schon auf die Person Trattner hin zu formulieren, wirklich kommt. Vom ÖSV war am Freitag wenig in Erfahrung zu bringen. Kein Wunder, da saßen die Landespräsidenten bei der Konferenz beisammen und besprachen unter anderem auch die Frage, wie man international und im Rennen um die FIS-Präsidentschaft vorgeht, um eine zweite Amtszeit von Johann Eliasch zu verhindern. Was man auch hört: Die Landesverbände sind sich einmal mehr in manch Fragen uneins.
Nur so viel wurde vom noch im Amt befindlichen Christian Scherer gesagt: „Wir sind im Prozess der Suche und der wurde auch bei der Präsidentenkonferenz fortgesetzt. Aber es gibt noch keinerlei Entscheidung.“ Passend beinahe, dass im aktuellen „Profil“ ein Artikel erschienen ist, in dem Trattner vorgeworfen wird, zu Zeiten von Sportminister Werner Kogler Fördergelder weit über seinen theoretisch möglichen Grenzen zugesagt zu haben. Trattner verneint das, Kogler meinte, die Vorwürfe im Rohbericht des Rechnungshofes entsprechen den Tatsachen.