900 Jahre Graz: Das sollte 2028 ein kulturelles Feuerwerk werden, als Fest der Geschichte und Zeichen des Aufbruchs. Ex-Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP) wollte, dass die Stadtregierung rechtzeitig die Weichen für ein Großereignis stellt, und engagierte 2024 die Leiterin des Graz Museums Sibylle Dienesch und Astrid Kury von der Akademie Graz für ein Vorkonzept. Dieses hat nun seine Nachfolgerin im Amt, Claudia Unger, jüngst mit den Autorinnen bereits zum zweiten Mal der Stadtregierung vorgestellt.

Die Autorinnen erinnern an die Tradition der Jubiläumsfeiern. 1928 feierte Graz erstmals das Jubiläum seiner ersten urkundlichen Erwähnung 1128/1129. Nach dem Ersten Weltkrieg, Zerstörung, Versorgungskrisen und Wohnungsnot stand das Jahr im Zeichen des Aufbaus neuer Infrastruktur und der Vision der modernen Großstadt. Auch 1978 zur 850-Jahr-Feier gab es Aufbruchstimmung auf historischem Fundament. Dank der Aktion „Rettet die Altstadt“, die Max Mayr mit der Kleinen Zeitung ins Leben gerufen hatte, gab es Maßnahmen zur Belebung und Sanierung des Stadtzentrums. 1979 erhielt Graz für die Rettung der Altstadt den Europapreis. 2028 sollte man nutzen, um Zukunftsräume bis ins Jahr 2100 auszuleuchten und mit Kulturschaffenden und Bewohnern den Stadtraum neu zu erobern, so Unger.

Erste Programmideen gibt es: 1928 wurden das Stadtmuseum und das Stadtarchiv gegründet. 2028 soll Ausstellungsgeschichte geschrieben werden, mit einer Schau von den Anfängen der Grazer Geschichte bis in die Zukunft – im digitalen Raum und im Graz Museum als Dauerausstellung. Gefeiert werden soll auch: Mit einem Stadtfest, 17 Wochen lang quer durch alle 17 Bezirke mit mobilem Jubiläumszentrum.

Kulturstadträtin Unger kritisiert Kahrs Visionslosigkeit

Bis hierher ist sich die Stadtregierung einig. Doch an der Dimension des Jubeljahrs und am Budget spießt es sich. Unger will das breit aufsetzen, mit Intendant, Bürgerbeirat, einer Steuerungsgruppe und einem Budget, das sich am Kulturjahr 2020 orientiert: also zumindest sechs Millionen Euro: „Den Lead bei einem Großprojekt müsste aber die Bürgermeisterin übernehmen.“ Dass diese sich darum aber nicht entsprechend kümmert, entlockt der Kulturstadträtin – wahlkampfbedingt – ungewohnt harte Töne: „Hier zeigt sich das grundlegende Problem von Elke Kahr: Visionslosigkeit, gepaart mit einer Fortschrittsfeindlichkeit.“

Die Stadtchefin will nämlich kleinere Brötchen backen. Ein Sonderbudget dafür sei angesichts der Finanzlage der Stadt undenkbar, sagt Kahr: „Aber mit unseren Kulturinstitutionen und der Freien Szene kann man ja trotzdem ein tolles Programm erstellen.“ Auch bei der grünen Vizebürgermeisterin Judith Schwentner will man von einem Großspektakel eher nichts wissen. Die Koalition ist ja vor fünf Jahren auch angetreten, um die Eventisierung der Stadt einzubremsen.

Vielleicht ist es ja gut, dass 1128 als Jahr der Erstnennung eine historische Fälschung ist und aktuell 1136 als das Jahr der Erstnennung gesichert ist. Im Vorkonzept rät man, dennoch an der Tradition der 28er-Jahr-Feiern festzuhalten. Es sei nämlich nicht auszuschließen, dass man erneut auf ein anderes Datum der Erstnennung stoße. Vielleicht vertagt man das Fest nach der Gemeinderatswahl aber doch noch. Dann bliebe nämlich Zeit für einen großen Wurf mit entsprechender Vorlaufzeit.