Judenburg, Knittelfeld, Fohnsdorf, Zeltweg und Spielberg als eine große Gemeinde? Vielleicht noch ein paar umliegende Gemeinden dazu? Das alles könnte zur „Aichfeldstadt“ verschmelzen. Mit rund 50.000 Einwohnern wäre das die zweitgrößte Stadt der Steiermark.

Mehr Geld aus dem Finanzausgleich, einheitliche Infrastruktur- und Raumplanung, das Aichfeld als großer Wirtschaftsraum – all diese Vorteile sehen Wirtschaftskammer und die Initiative „Kraft. Das Murtal“ (wir berichteten). Sie hoffen, dass die alte Idee eines Tages verwirklicht wird. Aber die Wirtschaftsvertreter wissen auch: Wenn die Politik und vor allem die Bürgermeister der Region nicht mitziehen, geht gar nichts. Und so viel lässt sich sagen: Sie ziehen nicht mit.

Statements der Bürgermeister

Am Rande einer Veranstaltung hat die Kleine Zeitung die Bürgermeister der fünf größten Aichfeldgemeinden um eine Stellungnahme zum Thema Aichfeldstadt gebeten. Die Stimmung unter den Gemeindechefs war beim Gespräch bestens, es war zu spüren: Man versteht einander.

Wir fassen sie hier kurz zusammen, warum sie die Idee einer Aichfeldstadt für nicht zielführend erachten.

Elke Florian (Judenburg): Ich glaube nicht, dass eine Fusion Mehreinnahmen bringt. Mir hat bisher noch niemand Zahlen vorlegen können, die einen budgetären Vorteil zeigen. Nicht zu vergessen: Die Menschen identifizieren sich stark mit ihrer Gemeinde, und das muss man nicht aufgeben. Übergreifende Kooperationen sind auch ohne Aichfeldstadt möglich, das leben wir auch schon bisher: Siehe Holzinnovationszentrum, Aichfeldbus und andere Projekte.

Harald Bergmann (Knittelfeld): Es ist sinnvoll, dass Bürger möglichst in der Nähe politische Ansprechpartner haben, die sich um Themen kümmern. Wenn alles zusammengelegt wird, wird es unpersönlicher, das mögen die Leute nicht so gern. Eine Fusion zur Aichfeldstadt bringt nicht die große Einsparung, man würde aber viel an Identität und wahrscheinlich freiwilliges Engagement verlieren. Was wir in Zukunft sicher mehr tun müssen: Infrastrukturprojekte wie Eishalle oder Schwimmbad gehören gemeinsam gedacht.

Günter Reichhold (Zeltweg): Ich schließe mich dem bisher Gesagten an. Wir haben schon viele gemeinsame Strukturen aufgebaut, da fällt mir auch der Wasserverband oder die Nightline ein. Wir können noch mehr tun, zum Beispiel im kulturellen Bereich. Nicht zu vergessen: Auch so manche Vereine, die sich sehr mit ihrer Gemeinde verbunden fühlen, würde es vielleicht nicht mehr geben. Probleme lösen sich mit einer Fusion nicht von alleine. Wenn sowas kommt, müsste man uns schon enorm große Unterstützung in Aussicht stellen.

Manfred Lenger (Spielberg): Man hat schon bei den letzten Fusionen gesehen: Viele, die vorher freiwillig für die Gemeinde erbracht haben, waren nach der Fusion weg – wir haben das etwa im Bereich Blumenschmuck gemerkt. So mancher denkt nach dem Motto: Da gibt es jetzt einen großen Bauhof, der macht jetzt eh alles, da brauche ich mich nicht mehr freiwillig engagieren. Möglicherweise hätten wir durch eine Fusion mehr Ertragsanteile, müssten aber bisher so manche freiwillig erbrachte Leistungen bezahlen. Das könnte zum Nullsummenspiel werden.

Volkart Kienzl (Fohnsdorf): Ich halte eine Fusion zur Aichfeldstadt für unrealistisch. Was ich mir wünsche, ist eine Plattform für eine engere Zusammenarbeit. Einen regelmäßigen Austausch, zum Beispiel zu unseren Musikschulen. Die bereits genannten Projekte wie etwa der Aichfeldbus zeigen ja, dass vieles möglich und sinnvoll ist. Im Zuge so einer Plattform könnten wir das noch verstärken, für so etwas bin ich sofort bereit.

Das Aichfeld von oben: Dass aus diesem Gebiet eine Gemeinde entsteht, ist und bleibt eine Vision
Das Aichfeld von oben: Dass aus diesem Gebiet eine Gemeinde entsteht, ist und bleibt eine Vision © Google Maps