Die künstlerisch gestalteten Glasscheiben dimmen das grelle Licht im Refektorium – dem Esszimmer – des Pfarrhofs von St. Xaver in Leoben und verleihen dem großen, hohen Raum eine ganz spezielle Atmosphäre. Als zentrales Element beherrscht ein riesiger Esstisch den Raum. Am Kopfende das aufgeklappte Macbook von Stadtpfarrer Markus Plöbst – umringt von Unterlagen.
Esszimmer als zentrales Herzstück
„Am liebsten sitze ich hier, um meine Arbeit am Computer zu erledigen“, schmunzelt Plöbst. Wer hier hin und wieder zu Gast ist, kann das aus eigener Wahrnehmung bestätigen. Insgesamt sei das Esszimmer praktisch das Herzstück des Pfarrhofs. „Hier essen wir gemeinsam, hier empfangen wir auch die meisten Gäste“, sagt Plöbst.
Den Pfarrhof der Stadtpfarrkirche bewohnt er zusammen mit Pater Johnson und Diakon Iosif Budau: Beide haben im ersten Stock ihr eigenes, privates Zimmer samt Dusche und WC. Auch Plöbst selbst hat freilich seinen eigenen Bereich. Den allergrößten Teil der Räumlichkeiten teilen sich die drei Herren allerdings. Lebt es sich im Pfarrhof Leoben also wie in einer WG? „Ja, absolut“, gibt Plöbst zurück.
Bestätigung für alle Sinne
Und wie um das für alle Sinne zu verdeutlichen, hört man kurz darauf aus der Küche Schritte und Töpfe klappern. Nachdem Plöbst mit seiner Neapoletana am mit Holz befeuerten Tischherd einen Espresso gekocht hat, wird Pater Johnson in der Küche aktiv. Bald darauf zieht ein köstlicher Duft durch das Haus.
„Wir reden uns zusammen, wer was erledigt. Und wenn unsere Haushälterin nicht da ist, kocht immer einer von uns für alle“, erzählt Plöbst. Pater Johnson sei ein wunderbarer Koch. Dass er mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache ist, sieht man an den strahlenden Augen und spürt man, als er munter zu Werke geht: „Wir haben Holzarbeiter im Garten, heute werden sie alle bei uns essen.“
Die Herzlichkeit und menschliche Wärme sind es, die die weitverzweigten Räumlichkeiten des Pfarrhofs mit Leben erfüllen. Einen wesentlichen Beitrag zur Gemütlichkeit leistet aber die kunterbunte stilistische Mischkulanz des Mobiliars, der Kunstgegenstände, der Bilder, der Bücher und persönlicher Gegenstände, die die Räume füllen und ihnen Flair verleihen.
„Leben in Wahrheit sehr spartanisch“
„Wir leben hier aber in Wahrheit sehr spartanisch. Der einzige Luxus ist unsere Haushälterin, die uns unterstützt“, betont Plöbst. Die gesamte Einrichtung habe er selbst aus der Privatschatulle bezahlt: „Wir zahlen keinen Mietzins, aber die Betriebskosten finanzieren wir für den Pfarrhof ebenfalls selbst“, sagt Plöbst.
Die Balance zwischen antiken und modernen Elementen mit einem unübersehbaren Faible für Kunst wirkt angenehm beruhigend, die Räume wirken ruhig, aber belebend. Die Bibliothek im ersten Stock ist nicht nur wegen ihrer vielen Bücher, sondern auch wegen des antiken Schreibtischs mit Blick zum Fenster auf den Kirchplatz hinaus ein gefühlt magischer Platz: Auch die perfekte Symmetrie spielt eine Rolle.
Historische Möbel fein restauriert
„Leider wurde früher im Pfarrhof in Leoben alles an alten Möbeln einfach achtlos auf den Sperrmüll geworfen. Alle antiken Möbel bei uns habe ich selbst aufgetrieben“, erzählt Plöbst. Meistens habe er nur ein paar Schilling – später Euro – für die abgebrauchten Teile berappt: „In das Restaurieren ist sehr viel mehr Geld geflossen.“
Eine wahre Oase der Ruhe ist der tiefgrüne Innenhof, wo Wein, Weichseln, Feigen, Tomaten und viel mehr um die Lauben rankt: „Mir geht es nicht darum, Wein oder Marmelade zu machen. Ich freue mich über das Grün des Gartens“, so Plöbst. Auf dem Balkon im ersten Stock gibt es – ganz versteckt – ein Bankerl mit einem kleinen Tisch: „Hier komme ich hin, wenn ich einmal meine Ruhe haben will – und gönne mir eine Zigarette“, so Plöbst.