„Es war unzumutbar heiß, sicher über 40 Grad. Es war eng und die Luft stickig. Die Leute waren am Limit.“
Selbst ohne „Platzangst“ bekam man bei den Schilderungen einer Klagenfurterin das Gefühl, der Verhandlungssaal im Bezirksgericht Klagenfurt ist viel zu klein. Eindrucksvoll schilderte die 43-Jährige am Dienstag dort, wie es ihr bei einem Flug von Palma de Mallorca nach Klagenfurt gegangen ist. Wobei: Dieser Flug kam eigentlich nicht zustande, er endete mit einem Desaster.
Endstation am Gate
Der Reihe nach: Am 19. Juli 2024 wollte die Frau mit ihren beiden Kindern (um die zehn Jahre) und die Mutter der 43-Jährigen von Palma de Mallorca heim nach Klagenfurt fliegen. Am späteren Vormittag wurden die vier vom Hotel zum Flughafen gebracht. „Wir kamen problemlos und relativ rasch durch die Kontrollen bis zum Gate“, sagte die Frau, die von Rechtsanwältin Astrid Roblyek vertreten wurde. Am Flugsteig war vorerst Endstation. „Laut Personal war irgendetwas mit dem Flugzeug“, erzählt die Klagenfurterin.
Rein in den Bus, raus aus dem Bus
Nach eineinhalb Stunden ging es in zwei Busse, die die Passagiere zum Ryanair-Flugzeug bringen sollten. Daraus wurde nichts: Nach einer halben Stunde im stehenden Bus mussten alle raus. „Es war schon extrem heiß. Sonnig, Hochsommer und mehr als 35 Grad“, sagt die Frau. Nach weiteren zwei Stunden am Gate wurden „einige Leute nervös und lauter“.
Die zweite Busfahrt klappte, die Urlauber stiegen ins Flugzeug, die Türen wurden geschlossen – und der Flieger bewegte sich nicht. Mehr als drei Stunden nicht. „In einer Durchsage erklärte der Pilot, dass ein Triebwerk kaputt sei und das etwas mit der Klimaanlage zu tun hat“, sagte die Klagenfurterin vor Richter Johann Wuzella.
„Alle wollten raus“
Die Folge: An Bord des stehenden nicht klimatisierten Ryanair-Fliegers spitzte sich die Situation zu. „Die Leute hatten hochrote Köpfe, schwitzten und wollten zuerst nur etwas Wasser, dann wollten sie nur noch raus.“ Doch das ging laut Piloten nicht: Der erklärte den Gästen, wer das Flugzeug verlasse, dürfe nicht mehr einsteigen. „Das Personal tat fast nichts. Es war völlig überfordert.“
Als ein Passagier die Nerven verlor und einer Stewardess ein Tablett entgegenwarf, fing diese an zu weinen und verließ den Flieger durch eine Türe, die jetzt doch geöffnet wurde. Die mehr als 100 Passagiere verließen den Flieger. „Ich war völlig durchnässt. Es war nicht mehr auszuhalten“, erinnerte sich die Klagenfurterin.
Mit Bussen ging es zurück zum Gate. Dort hieß es erneut Warten, etwa eine Stunde. „Erst gegen 21 Uhr wurden wir informiert, dass der Flug gestrichen worden ist.“ Sieben Stunden nach der geplanten Abflugzeit.
„Suchen Sie sich ein Hotel“
Damit war die Odyssee nicht vorbei: Ryanair informierte die gestrandeten Urlauber, dass sie ihren Flug am nächsten Morgen beim Schalter der Fluglinie umbuchen können. Für die Nacht sollen sie sich selbstständig Hotelzimmer suchen. „Pro Person hätten wir dafür 250 Euro ersetzt bekommen“, sagte die Frau.
Doch daraus wurde nichts: „Ich habe bis 0.30 Uhr telefoniert, erfolglos. Alle Hotels waren voll.“ Weltweite IT-Probleme hatten dazu geführt, dass Tausende Flüge ausgefallen sind, auch auf Mallorca. „Also mussten wir am Flughafen von Palma schlafen.“
Wien statt Klagenfurt
Am 20. Juli hob endlich der Ryanair-Flieger mit den Kärntnerinnen ab. Allerdings nicht wie gebucht nach Klagenfurt, sondern nach Wien. Dort brachte ein Taxi die vier zum Bahnhof und mit dem Zug ging es nach Graz, wo sie vom Mann der 43-Jährigen abgeholt wurden. „Sie sind mit Öffis gereist. Das ist ja vorbildlich. Andere hätten sich mit dem Taxi von Wien nach Klagenfurt bringen lassen“, war Richter Wuzella erstaunt.
Ryanair muss zahlen
Nach etwas mehr als einer Stunde Verhandlung gab er der Klage der Frau recht und verurteilte Ryanair. Die Fluglinie muss der Klagenfurterin und ihren Kindern die zusätzlichen Kosten ersetzen und Ausgleichszahlungen nach der Fluggastrechteverordnung leisten. Insgesamt etwa 2000 Euro. Eine günstige Lösung für das Desaster.