Gegen 19.15 Uhr war gestern in der ganzen Steiermark von Gewittern noch keine Spur. Keine Viertelstunde später gab es für viele, die in der Landeshauptstadt einen lauen Abend genießen wollten, eine kalte Dusche. Buchstäblich aus dem Nichts bildete sich über Graz eine giftige Gewitterzelle, die sich in der folgenden Stunde kaum von der Stelle bewegen sollte. In Teilen der Stadt goss es wie aus Eimern, binnen einer halben Stunde fielen 30 Millimeter Niederschlag.
Ganz so überraschend wie für viele Grazer kam das Gewitter für die Meteorologen nicht. „Über die Webcam am Schöckl war schon in den Stunden davor zu beobachten, dass über Graz eine Quellwolke gestanden ist“, sagt Hannes Rieder von der Geosphere Austria. „Diese Wolke ist dann immer weiter aufgestiegen, bis sie quasi anstand und sich die Energie dann plötzlich massiv entladen hat. Das ist wie bei einem Kochtopf: Irgendwo steigt plötzlich die erste Blase hoch.“
Mangels Wind bewegte sich die Gewitterzelle kaum weiter
Dass das gestern just über Graz geschehen ist, war dem Zufall – beziehungsweise dem speziellen Zusammenspiel in der Wetterküche – geschuldet. „Was auch mich überrascht hat, war, wie stationär und heftig das Gewitter dann ausgefallen ist. Stellenweise hat es auch gehagelt, in Seiersberg wurde eine Parkgarage überschwemmt“, sagt Rieder. In Eggenberg fielen binnen fünf Minuten fast 14 Millimeter Regen. „Das ist schon außergewöhnlich“, sagt Rieder. Der mangelnde Wind sorgte dafür, dass die Zelle lange wie ein Deckel über der Stadt verharrte und sich erst gegen 20.30 Uhr langsam in Richtung Südosten weiterzubewegen begann.
Südlich von Graz musste dann auch die Feuerwehr zu etlichen Pumpeinsätzen ausrücken, so stand etwa die Tiefgarage des Shoppingcenter Seiersberg teilweise unter Wasser.
Gewitter auch am Dienstag möglich
Zu vereinzelten Gewittern kann es auch im Laufe des heutigen Dienstags kommen. Das Wetter stabilisiert sich in den kommenden Tagen allerdings zunehmend.