Nicht jeder Vater sucht so intensiv nach einem gemeinsamen Hobby für sich und die Kinder wie Martin Allmer. „Mein älterer Sohn wollte Motocross fahren und ich habe gesagt, er ist noch zu jung“, erklärt der Hartberger. Gemeinsam entscheiden sie sich für Elektro-Trial, bei dem Hindernisse mit motorisierten Zweirädern überwunden werden.

„Dann hat er einen schweren Sturz gehabt“, erinnert sich der Gründer der Ananas Boys. Aber sein Sohn erholt sich – und die Suche nach einem Hobby geht weiter. Die Familie beginnt zu skaten, steigt dann auf Stunt-Scooter um und baut den Hartberger Skate-Park mit auf.

Martin Allmer verbringt den Großteil seiner Freizeit am Gelände im alten Bauhof
Martin Allmer verbringt den Großteil seiner Freizeit am Gelände im alten Bauhof © KLZ / Moritz Weinstock

Eine große Leidenschaft: das Fahrrad

Aber es ist das Fahrrad, das seinen Ältesten am meisten fasziniert. Inspiriert vom Elektro-Trial, erkundigen sie sich nach Bikes, um den gleichen Sport nur mit Muskelkraft auszuüben. Zu Ostern 2016 sind Vater und Sohn bereits entsprechend ausgerüstet und fahren „zuerst nur zu Hause im Garten“.

Ihr ungewöhnliches Hobby spricht sich herum. Spätestens im Oktober siedeln sie und ein paar Freunde auf den Übungsplatz der Fahrschule über, für die Martin Allmer arbeitet. Firmenchef Marcus Martschitsch genehmigt ihnen auf der asphaltierten Fläche zu trainieren.

Die Gruppe findet weitere Anhänger, Martin Allmer will das Training in geordnetere Bahnen bringen. Sein Ziel: „Einen Ort schaffen, wo Jung und Alt gemeinsam Spaß am Sport haben“. Also gründet er einen Verein, die Ananas Boys – und schließt sich dem Trial-Sportverband (ÖTSV) an. Doch der Winter naht und sie wissen nicht, wohin.

Training im Winter

„Wir haben dann die Möglichkeit bekommen, im alten Zielpunkt zu trainieren", erinnert sich Allmer an die glückliche Fügung. Zwei Jahre lang wird das leerstehende Kellergeschoss zu ihrer Heimat. Unterdessen professionalisiert sich der Verein, mit klaren Spielregeln, wie Schimpfwortverbot und „Eis für alle“ bei Übertretung.

Auch Alkohol ist während des Trainings verboten, das seit 2016 immer mittwochs abgehalten wird. „Das ist der Fixtermin, auch in den Ferien“. So wird der Verein zu einer wichtigen Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche.

25 aktive Fahrer und Fahrerinnen sind derzeit bei den Ananas Boys. Über die Jahre hinweg hat Allmer rund 90 Kinder in der Sportart betreut
25 aktive Fahrer und Fahrerinnen sind derzeit bei den Ananas Boys. Über die Jahre hinweg hat Allmer rund 90 Kinder in der Sportart betreut © Ananas Boys

Als sie aus dem Kellergeschoss ausziehen müssen, finden sie neuen Unterschlupf in einer Gewerbefläche im Hatric. Weil auch das nur eine Zwischenlösung ist, sucht Allmer nach etwas Langfristigem. Sein Blick fällt auf den alten Bauhof, „weil ich da als Mieter für meinen Wohnwagen war“. Er erkundigt sich bei der Gemeinde Hartberg nach einer Nutzungsmöglichkeit und trifft auf offene Ohren. Kurz darauf beginnen sie den Platz aufzuräumen, denn der „sah wild aus“, so Allmer.

Der alte Bauhof in Hartberg

Über die Mitgliedsbeiträge kommt gerade so viel Geld zusammen, dass das Nötigste gemacht werden kann: Eine Werkstatt wird eingerichtet, um die sich Kollege Martin Weber kümmert. Er bringt den Kindern auch das Schrauben näher. Allmer selbst übernimmt die Händlerlizenz von einem Bekannten und sorgt für neue Schläuche und Reifen, denn „Patschen kommen häufig vor“.

Unterdessen werden Innen- und Außenbereich des Bauhofs zu einer Spielwiese für Trial-Sportler: unzählige und liebevoll gestaltete Hindernisse warten nur darauf, bezwungen zu werden. „Sicherheit hat oberste Priorität, und ich übernehme die Verantwortung für den Bau", schildert Martin Allmer seine Handwerkskunst und zeigt auf markante Hartberger Wahrzeichen wie Ringwarte und Brühlbach.

„Manchmal holen wir Profis zu uns“, weil man den Kindern noch mehr bieten will. Das sei zwar teuer, aber einige seiner Schützlinge sind längst über das Niveau des Fahrlehrers hinausgehüpft. „Bei dem Level steig’ ich aus“, schmunzelt Allmer über die Entwicklung von Verein und Fahrern.