Sommelier René Kollegger ist nach Feuersbrunn am Wagram gekommen, um über jene Rebsorte zu sprechen, die Österreichs Weinwelt wie kaum eine andere prägt: den Grünen Veltliner. Und wenn es um diese Sorte geht, führt an Bernhard Ott kaum ein Weg vorbei. „Wenn wir nach Niederösterreich fahren und den Grünen Veltliner vorstellen, dann müssen wir zu dem fahren, der ihn dorthin gehoben hat, wo er hingehört“, sagt Kollegger gleich zu Beginn.

Video – Zu Besuch bei Bernhard Ott

Wer verstehen will, warum Grüner Veltliner heute weltweit ernst genommen wird, muss nach Feuersbrunn am Wagram fahren. Dorthin, wo Bernhard Ott zwischen Lösswänden, alten Reben und biodynamischen Weingärten jene Weine keltert, die aus einer österreichischen Rebsorte ein internationales Statement gemacht haben.

„Wir haben eigentlich einen Riesenglück gehabt“, sagt Ott bescheiden, während er eine Handvoll Löss durch die Finger rieseln lässt. Bis zu 20 Meter tief liegen die kalkreichen Sedimente am Wagram. „Dieser Löss ist einzigartig. Und genau das wird heute immer wichtiger: dass man etwas macht, das nicht kopierbar ist.“

Der tiefgründige Löss am Wagram und im Kamptal steht der Rebsorte außerordentlich gut.
Der tiefgründige Löss am Wagram und im Kamptal steht der Rebsorte außerordentlich gut. © KK

Es ist ein Satz, der viel über Ott erzählt. Denn seine Karriere war nie der Versuch, Trends hinterherzulaufen. Sondern vielmehr die Suche nach Herkunft, Eigenständigkeit und Präzision. Eigenschaften, die heute untrennbar mit seinem Grünen Veltliner verbunden werden.

Dabei war die Rebsorte lange alles andere als glamourös. Grüner Veltliner galt als solider Alltagswein, robust, ertragreich, verlässlich. Ott aber erkannte früh das große Potenzial dahinter. Auslöser war eine Reise ins Piemont. Dort fragte der junge Winzer den legendären Barbera-Pionier Giacomo Bologna, was ein junger Winzer tun müsse.

Seit über 20 Jahren arbeitet Ott konsequent an seiner Idee von Grünem Veltliner.
Seit über 20 Jahren arbeitet Ott konsequent an seiner Idee von Grünem Veltliner. © KK

Die Antwort prägt Ott bis heute: „Der gute Wein muss in zehn von zehn Jahren funktionieren.“Für Ott war klar: Das kann in Österreich nur der Grüne Veltliner leisten. „Er passt perfekt zum Essen, er ist langlebig und die Rebsorte funktioniert einfach auf unseren Böden.“ Zuhause angekommen, sagte er seinem Vater: „Wir hören mit Rotwein auf.“ Ein radikaler Schritt – aber der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Heute dreht sich am Weingut nahezu alles um Veltliner. Und Ott schuf daraus weit mehr als nur Wein. Er entwickelte eine unverwechselbare Handschrift. Der Schlüssel dazu liegt im Boden, in alten Reben und im Respekt vor der Natur. Ott arbeitet biodynamisch, ist Mitbegründer der „Respekt“-Winzer und sieht den Weingarten nicht als Produktionsfläche, sondern als Lebensraum. „Die Monokultur brechen“, nennt er das. Zwischen den Rebzeilen wachsen Blumenwiesen, Obstbäume und Hecken, Bienen summen durch die Anlagen.

Mit dem Umstieg auf die Biodynamie im Jahr 2006 hat sich der Wagramer Winzer voll und ganz dem Rhythmus der Natur angepasst.
Mit dem Umstieg auf die Biodynamie im Jahr 2006 hat sich der Wagramer Winzer voll und ganz dem Rhythmus der Natur angepasst. © Georg Hoffelner

„Der Wein sollte Spiegelbild seines Platzes sein, wo er gewachsen ist“, sagt Ott. Genau deshalb verzichtet er auf Bewässerung. Die alten Reben wurzeln bis zu 30 Meter tief in den Lössboden. „Das macht eine komplett eigene Charakteristik.“ Auch im Keller geht Ott konsequent seinen Weg. Spontangärung, lange Maischestandzeiten, große Holzfässer, minimale Eingriffe. Vieles davon galt vor 15 Jahren noch als Provokation. Heute prägt es den Stil vieler Spitzenwinzer.

Besonders prägend war für Ott die Begegnung mit der Biodynamie. „Da kommt ein Kind auf die Welt und plötzlich hast du Verantwortung“, erzählt er über die Geburt seines Sohnes Moritz. Gemeinsam mit anderen Winzern begann er Anfang der 2000er-Jahre biodynamisch zu arbeiten. Daraus entstand später die Gruppe „Respekt“. Die Suche ging jedoch weiter: Wie schmeckt Grüner Veltliner wirklich? „Ohne Menschen oder mit weniger Einfluss?“, fragte sich Ott. Experimente mit Amphoren, Stielen und Maische brachten Erkenntnisse – und eine neue Stilistik. Straffer, tiefer, präziser.

Seit Anfang Februar ist Master Sommelière Helga Schroeder neue Brand Ambassador für das Weingut Bernhard Ott.
Seit Anfang Februar ist Master Sommelière Helga Schroeder neue Brand Ambassador für das Weingut Bernhard Ott. © Hoffelner

Dass Ott damit international Erfolg hat, überrascht längst niemanden mehr. Seine Weine stehen auf den Karten großer Restaurants, exportiert wird weltweit. Selbst Master Sommelière Helga Schröder verstärkt mittlerweile das Team als internationale Markenbotschafterin. Für Sommelier René Kollegger ist genau das spürbar. „Wenn du da im Weingarten stehst, spürst du diese Energie“, sagt er. „Und genau diese Kraft findest du später im Glas wieder.“ Vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis von Bernhard Ott: dass seine Weine nie laut wirken. Sondern klar. Ruhig. Tief verwurzelt. Eben wie der Löss, aus dem sie kommen.

Will man Terroir, also das, was den Wein und seinen Geschmack grundlegend prägt, muss man auf Interventionen verzichten.
Will man Terroir, also das, was den Wein und seinen Geschmack grundlegend prägt, muss man auf Interventionen verzichten. © KK