Dass Charles III. durchaus diplomatisches Geschick hat und von der britischen Regierung als Art Geheimwaffe zur Völkerverständigung eingesetzt wird, ist schon länger offensichtlich. Nun weilt der womöglich lange Zeit Unterschätzte auf Staatsbesuch in den USA und trat zu seiner Rede im US-Kongress in Washington an.

Das Himmelschreiende angesprochen

Und in der Tat: Es wurde eine (31-minütige) Rede, die die Bezeichnung verdient, zweifellos in erheblichen Teilen von der Regierung in London vorgegeben: Der älteste Sohn von Königin Elizabeth II. sprach Klartext, verpackte seine Botschaften an die anwesenden Republikaner aber in ein Quantum Ironie. In einer Zeit, in der Diplomatie nötiger denn je wäre und Völkerrecht gerade auch seitens der US-Regierung abgemeldet scheint, trat der spät König Gewordene an, um das Himmelschreiende anzusprechen.

In gerissen schmeichelnde Worte verpackte Leviten zu verteilen, ist durchaus eine Kunst. Charles III. sparte wenig aus. Vor allem erinnerte er die Anwesenden daran, dass die USA einmal die wichtigste Demokratie der Welt waren: „Ich komme heute mit dem höchsten Respekt für den US-Kongress. Diese Zitadelle der Demokratie, geschaffen, um die Stimme aller Amerikaner zu repräsentieren und ihre geheiligten Rechte und Freiheiten voranzutreiben“ – das war eine eindeutige Botschaft, eine Art Abreibung gar in Richtung Donald Trump und seiner Untergebenen. Zumindest in Europa ist der Sturm auf das Kapitol am 6. Jänner 2021 nicht vergessen.

Charles erinnerte daran, die seit über vier Jahren von Wladimir Putins Truppen am Rand Europas attackierte Ukraine verteidigen zu müssen, Überdies angesprochen wurden Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Diversität, Umwelt- und Klimaschutz. – allesamt Standbeine aufgeklärter Demokratien, die Trump mit seinem Wust an Dekreten kleinregeln will.

Alles andere als unpolitisch

Auch die NATO sprach Charles III. an. Für einen britischen Monarchen, der eigentlich nicht politisch sein darf, war das in Summe eine bemerkenswert mutige Themenauswahl. Freilich auch eine naheliegende: In einer Welt, in der nur noch das Recht des Stärkeren, nicht aber vernunftbestimmte Diplomatie zu zählen scheint, nutzte er die Chance. Zusammenhalt fehlt dieser Welt: Um das zu verstehen, braucht es keinen König, es ist aber gut, wenn es ein solcher ausspricht.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob die nicht gerade für feine Nuancen bekannte Trump-Regierung sie auch erfassen konnte und verstehen wollte. Das Weiße Haus postete ein Bild von Charles III. und Trump, mit den Worten „Zwei Könige“ darüber. Der tatsächlich Gekrönte und der sich zum König gekrönt Wähnende und nebenbei auf grotesken KI-Bildchen auch für einen „Ersatz-Jesus“ Haltende, gegen den Millionen Amerikaner auf die Straße gehen.

Und der ganz offensichtlich damit weitermachen will, die Welt zu verprellen. Er wird versuchen, den Besuch aus der Alten Welt als Huldigung seiner Person übersetzen wollen. Seine Waffe des Aufwiegelns ist freilich kein Königszepter.